America’s Cup: Verschärfte Nationen-Regel – Protokoll-Änderungen helfen besonders den Kiwis

Wie es weiter geht

Gebannt wartet die Segelwelt auf ein Zeichen der Neuseeländer. Wie soll es weiter gehen mit dem 36. America’s Cup? Es gibt noch viele Fragen aber auch einige Antworten.

36. America's Cup

Kommen noch einmal Katamarane zum Einsatz beim 36. America’s Cup? © ACEA 2017 / Photo Gilles Martin-Raget

Der America’s Cup Verteidiger Royal New Zealand Yacht Squadron und der italienische Challenger of Record Circolo della Vela Sicilia mit ihren Teams Emirates Team New Zealand und Luna Rossa Challenge haben angekündigt, dass das Protokoll für den 36. Cup im September veröffentlicht werden soll.

Bis dahin haben sie in einer offiziellen Verlautbarung nur wenige Details bekannt gegeben. Zum Termin heißt es, die Regatten werden im neuseeländischen Sommer 2021 stattfinden. Insofern ist eine Regatta im Januar und Februar 2012 wahrscheinlich. Schon jetzt ist aber klar, dass sich die Kiwis deutlich enger an die Vorgaben der Stiftungsurkunde halten wollen, als zuletzt vom Verteidiger und der Mehrheit der Herausforderer favorisiert.

Bau im eigenen Land

In der Mitteilung heißt es, dass die grundlegenden Bedingungen der Deed of Gift eingehalten werden sollen. Sie sehe einen wiederkehrenden Herausforderer-Cup vor für einen freundlichen Wettstreit zwischen verschiedenen Nationen. Deshalb werde das Protokoll den Passus “konstruiert im eigenen Land” wieder hervorheben.

Zuletzt war diese Regel für den 35. America’s Cup mehr oder weniger ausgehebelt worden. Nur die 2,7 Meter langen Rumpfspitzen mussten im jeweiligen Herausforderer-Land gebaut werden. Das war aber unerheblich, da die Rümpfe beim Foiling ohnehin eine untergeordnete Rolle spielen und sie auch noch nach strikten Onedesign-Maßgaben konstruiert werden mussten.

Ziel war es, die Kosten für die teilnehmenden Teams zu verringern und für alle das internationale Know How besser nutzen zu können. So ist zum Beispiel der 13 Meter lange Rest des Oracle-Katamarans (wie auch vom Softbank-Team) bei der Werft Core Builders Composites im neuseeländischen Warkworth entstanden.

Das soll nach den neuen Regeln nicht mehr möglich sein, und damit sichert sich der neue Cup-Verteidiger einen Vorteil. Denn die Neuseeländer gehören auf dem Gebiet der Marine-Technologien zu den führenden Ländern der Welt. Potenzielle Herausforderer aus kleineren Länder mit weniger Segel-Industrie im Land könnten Schwierigkeiten bekommen.

In der Vergangenheit gab es auch großen Ärger um diese Regel. So protestierten die Amerikaner gegen den berühmten Flügelkiel der Australier, die damit 1983 den America’s Cup gewannen. Die Schlepptank-Versuche sollen in den Niederlanden stattgefunden haben, und deshalb protestierte das Team von Dennis Conner.

Nationalitäten-Regel

Auch der zweite Punkt, auf den die Organisatoren des 36. America’s Cups hinweisen, nutzt den Neuseeländern besonders. Es werde deutlich mehr darauf geachtet, dass die Segler aus dem Land des herausfordernden Vereins stammen.

Auf dem Kiwi-Boot segelte mit dem Australier Glen Ashby nur ein Ausländer. Bei Oracle dagegen erfüllte oft nur der Australier Tom Slingsby die Anforderungen, dass ein Segler an Bord im Besitz eines Passes aus dem Land des herausfordernden Vereins sein muss. Er hält auch einen US-Pass. Das Gros der Oracle-Segler kam aus Australien.

Ähnlich verhielt es sich beim schwedischen Herausforderer Artemis. Briten und Aussies dominierten die Segelcrew, abwechselnd schafften es jeweils zwei Schweden aufs Boot. Das dürfte 2021 nicht mehr erlaubt sein. Und allein mit dieser Regelverschärfung im ursprünglichen Sinn der Deed of Gift haben die Neuseeländer zwei der stärksten potenziellen Gegner schon deutlich geschwächt. Ohnehin scheint es mehr als fraglich, ob Oracle noch einmal antritt.

Außerdem schützen sich die Kiwis mit dieser Regel gegen den massiven Aderlass, der sie 2007 den Cup gekostet hat, als ihre wichtigsten Segler um Russell Coutts geschlossen zum Alinghi-Team wechselten. Es muss sich aber noch zeigen, wie scharft sie kontrolliert werden soll. So erfüllten in der Vergangenheit schon Segler die Anforderung, indem sie sich für einige Zeit im Land ihres Teams aufhielten.

Probleme für Artemis und Oracle

Die Italiener können als Challenger of Record aber durchaus auch viele Landsleute aufstellen, auch wenn nicht gerade die ausgewiesenen Foiling-Spezialisten dabei sind. Der wichtigste Name ist der von Francesco Bruni, der zuletzt bei Artemis angestellt war und viel Know How sammeln konnte. Luna Rossas Skipper und Team Direktor Max Sirena wurde vom Team New Zealand übernommen und führte in Bermuda eine wichtige Rolle aus.

Dennoch ist eine hundertprozentige Nationalitäten-Regel nicht angestrebt. Das würde zu viele mögliche Herausforderer vor unlösbare Probleme stellen. Für die Außenwirkung des Cups dürfte die Verstärkung des Nationalitäten-Gedankens allerdings sehr positiv sein. Fans können sich besser mit ihren Teams identifizieren.

Zu weiteren brennenden Fragen wie der Bootsauswahl gibt die Mitteilung noch keinen Aufschluss. Nach wie vor ist nicht klar, ob tatsächlich zu Einrümpfern gewechselt werden soll. Es ist wichtig, dass die Entscheidung relativ früh fällt, sonst machen sich die Neuseeländer und Italiener verdächtig, schon heimlich am neuen Boot zu arbeiten ohne dass die Konkurrenz starten kann.

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Carsten Kemmling

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3 Kommentare zu „America’s Cup: Verschärfte Nationen-Regel – Protokoll-Änderungen helfen besonders den Kiwis“

  1. avatar klogschieter sagt:

    Regatten im Sommer 2012. Sicher?

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  2. avatar Stefan sagt:

    Coutts ist 2001 von den Neuseeländern weg zu den Schweizern gewechselt.
    2007 fand dann der Wechsel zu Oracle statt.

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