America’s Cup: Viel Glück gehabt – Kiwi-Chef hält Luna Rossa für den leichtesten Gegner

"Amerikaner waren die Schnellsten"

Matteo de Nora, Team Principal beim Team New Zealand, überrascht mit der Aussage, dass er sich bei einem America’s-Cup-Duell mit den Briten oder Amerikanern mehr Sorgen gemacht hätte.

American Magic im Zweikampf mit Ineos Team UK © COR 36 | Studio Borlenghi

Viel wurde im Vorfeld des America’s Cups über die vermeintliche Überlegenheit von Team New Zealand gegenüber Luna Rossa spekuliert. Die Speed-Daten aus den Trainings suggerierten eine Chancenlosigkeit der Italiener, die es schließlich so nicht gegeben hat. Nach drei Tagen hieß es 3:3 und das Cup Match stand durchaus auf Messers Schneide. Haben sich alle Spezialisten getäuscht?

Mitnichten. Team New Zealand-Chef Matteo de Nora, der reiche Unterstützer im Hintergrund, hat bestätigt, dass sein Team Luna Rossa den “am wenigsten gefährlichen” Gegner für das America’s Cup-Match in Auckland gesehen hat.

Gegenüber dem Magazin Fare Vela sagte der Mann mit den italienischen Wurzeln über Luna Rossa: “Es war schön, Luna Rossa als Gegner zu haben. Meiner Meinung nach waren sie das am wenigsten gefährliche Team.”

Eine überraschend wenig höfliche Aussage, die auch mit der im Verlauf der Regatta immer schlechter werdenden Stimmung zwischen den Führungsfiguren der beiden Syndikate zu tun haben mag. Aber sie ist nicht von der Hand zu weisen. Denn die Italiener haben tatsächlich viel auf eine Karte gesetzt: Leichtwind.

Erstaunlich großer Unterschied zwischen den beiden Foils, TNZ (l.).© Giovanni Gambacciani

Allein der Unterschied bei der Foil-Größe lässt die Strategie erkennen, dass Luna Rossa auf ein schmales Wind-Fenster am unteren Ende des Limits von 6.5 Knoten setzte. Das war vielleicht weniger risikoreich, um die Herausforderer-Serie zu gewinnen. Denn früher im Jahr sagen die historischen Winddaten weniger Wind für Auckland vorher als später zum Zeitpunkt des Cup-Matches.

Alle Rennen im Luna-Rossa-Windbereich

Deshalb hatte Luna Rossa viel Glück, dass auch beim Finale unerwartet wenig Wind herrschte. Dabei war das Team konkurrenzfähiger als vorhergesehen. De Nora bestätigt: “Alle Rennen gegen uns fanden im Rahmen des von Luna Rossa angepeilten Windbereichs statt.” Deshalb sei er vor dem ersten Rennen ein wenig nervös gewesen. “Dann war ich aber erstaunt, wie leicht wir gewonnen haben.” Sobald der Wind stabiler wehte im oberen Windbereich verstärkten sich die Vorteile der Neuseeländer. Andererseits wurden sie auch bei leichterem Druck so gut, dass sie erstaunlicherweise genau das Rennen gewinnen konnten, bei dem beide Teams von den Tragflächen fielen.

De Nora sagt Amerikaner und Briten hatten Qualitäten, die es ihnen deutlich schwerer hätten machen können, den Cup zu verteidigen: “Die Amerikaner waren die Schnellsten und die Briten hatten das beste Team.” American Magic habe beim Prada-Cup häufig an der Spitze der Speed-Charts gestanden, aber nach der dramatischen Kenterung kamen sie nicht mehr in Fahrt. Auch INEOS Team UK sei sehr gefährlich aber schließlich dann doch zu sehr auf starken Wind ausgelegt gewesen.

Diese Einschätzung bestätigt die Vermutung, dass auch die Organisatoren der Cup-Regatta viel Glück gehabt haben. Sie konnten den Zuschauern lange Zeit eine gewisse Spannung über den Ausgang des finalen Duells bieten. Bei etwas stärkerem Wind hätte das Match deutlich langweiliger ausgesehen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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