America’s Cup World Series Cascais Video: Spithill hält sich höflich zurück

Auf die Bremse gedrückt?

Es sah komisch aus, als James Spithill die Führung abgab. Nach einem exzellenten Start holte er sich die Innenposition an der ersten Marke, baute den Vorsprung vor dem Wind gegenüber Team Kollege Russell Coutts aus und lag am Leetor fast eine Minute vor dem Team New Zealand.

Larry Ellison verfolgt die letzte Fleetrace-Niederlage seines Teams aus der Gast-Position am Heck. © G. Martin-Raget

Das abschließende Fleetrace der America’s Cup World Series in Cascais schien zu einer Oracle Show zu werden. Aber das konnte nicht im Sinn des America’s Cup Verteidigers sein. Es wäre ein falsches Zeichen.

Die Szene achtet sehr genau darauf, ob sich der Vorwurf bestätigt, dass sich Oracle mit dem Wechsel vom Mono zum Multihull nichts weiter als einen uneinholbaren Vorsprung für die Titelverteidigung sichern wollte. Deshalb liegt der Verdacht liegt nahe, dass Spithill kurz auf die Bremse drückte. Und wenn er selber nicht darauf kam, mag Boss Ellison auf dem On-Board-Gastplatz hinter Spithill einen Fingerzeig gegeben haben.

1:38 Minuten nach der zweiten Luvtor Rundung liegt Spithill noch 170 Meter in Führung.

Jedenfalls hatten die Kiwis den Rückstand nach der Kreuz auf die Hälfte reduziert. Und vor dem Wind segeln sie ansatzlos vorbei, als Spithill sich mit einer zusätzlichen verlustreichen Halse in eine erstaunliche Position manövriert.

Bei fünf bis neun Knoten Wind kommen erstaunliche Speedunterschiede bei Katamaranen zustande. Führungen lösen sich in Nichts auf und vielleicht tut man Spithill unrecht. Vielleicht hat das Oracle Team wirklich einfach nur schlecht gesegelt.

Knapp eine Minute später ist Oracles Führung mit Larry Ellison an Bord fast dahin..

Aber die Niederlage des Verteidigers tut der Veranstaltung gut. Und das weiß auch ein Larry Ellison. Es besteht die Hoffnung, dass diese Regattaserie einmal einen so großen sportlichen Wert bekommt, dass niemand auf den Gedanken kommt, ein Sieg könnte weggeschenkt werden.

(Die Startphase beginnt im Video ab Minute 28:00)

Nach der Halse hat Spithill von rechts kommend Vorfahrt. Die Neuseeländer luven schon, um hinter dem Heck zu passieren. Aber Spithill halst kurz danach, anstatt bis zur Anliegelinie zu segeln.

Die Pressemitteilung: Neun Boote waren am Start und sorgten für eine intensive Wettfahrt. Die Windverhältnisse waren anspruchsvoll, auf dem Regattakurs waren Windstärke und -druck sehr variabel, entsprechend viele Überholmöglichkeiten ergaben sich.

Zunächst verschaffte sich ORACLE Racing Spithill einen deutlichen Vorsprung, konnte diesen aber nicht verteidigen. Denn in der zweiten Runde fand der neuseeländische Skipper Dean Barker auf seiner Kursseite den besseren Wind und eroberte die Führung.

Nach der verlustreichen zusätzlichen Halse von Spithill rasen die Kiwis in Lee durch und gewinnen das Rennen.

„Für uns war das fantastisch“, sagte Barker. „Von Anfang bis Ende war das ein sehr schwieriges Rennen, denn die Brise war zu keinem Zeitpunkt stabil. Es gab große ‚Löcher’ auf dem Regattafeld, und daher ging es vor allem darum, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein.“

Auch Artemis Racing arbeitete sich von einer der hinteren Positionen zu Beginn des Rennens nach vorne und verwies ORACLE Racing Spithill letztlich auf Rang drei.

„Die Jungs haben ihre Sache wirklich gut gemacht und uns zurück ins Rennen gekämpft”, sagte Artemis-Racing-Skipper Terry Hutchinson. „Das war wahrscheinlich unsere beste Teamleistung während der gesamten Regatta. Ein tolles Finish für Artemis.“

Das Emirates Team New Zealand feiert seinen Sieg im entscheidenden Fleetrace vor Cascais. © G. Martin-Raget

Das größte Erfolgserlebnis war allerdings dem spanischen Green Comm Racing vorbehalten. Zu Beginn der Wettfahrt noch hoffnungslos abgeschlagen, arbeiteten sich Vasilij Zbogar und seine Crew aus Dinghy-Champions auf der letzten Bahn Schritt für Schritt nach vorn und eroberten noch den fünften Rang – eine bemerkenswerte Leistung der Crew aus Neulingen auf diesen Booten.

„Was für ein Tag für unser Team. Wir sind als letztes Team hier angekommen und waren in den ersten drei Rennen Letzter. Danach haben wir uns jeden Tag gesteigert“, sagte Zbogar. „Wir wurden Achter, dann Siebter und Sechster und jetzt Fünfter. Heute hat sich unser Teamgeist deutlich gezeigt – wir geben niemals auf und kämpfen bis zum Schluss. Heute sind wir mit den Verbesserungen zufrieden, nicht aber mit dem Ergebnis. Wir sind ein Team aus Siegertypen und erst dann glücklich, wenn wir gewonnen haben.“

Big Brother an Bord. Larry Ellison testet den Gast-Platz auf dem AC45 Katamaran seines Angestellten. © G. Martin Raget

Mit dem AC45-Katamaran feierte in Cascais auch das neue Gastsegler-Programm sein Debüt: Jedes Team hatte einen privilegierten Gast mit an Bord. Unter anderem standen in dieser Woche Yves Carcelle, Chairman und CEO von Louis Vuitton, Popsänger Little Boots und die portugiesische Tourismus-Staatssekretärin Cecilia Meireles auf der Liste der VIP-Gäste, ebenso wie prominente Segler, darunter der ehemalige Cup-Sieger John Bertrand, Paul Cayard und Torbjorn Tornqvist, der CEO bzw. Teamchef von Artemis sowie ORACLE Racing Gründer und Teamchef Larry Ellison, der heute mit ORACLE Racing Spithill segelte.

„Wir haben einen großartigen Start erwischt, doch dann konnten Artemis und das Team New Zealand uns noch überholen, aber darum geht es ja beim Segeln mit diesen Booten“, sagte Ellison.

„Dadurch werden die Rennen viel aufregender. Es geht nicht mehr länger nur darum, den Start zu gewinnen. Du musst das Rennen gewinnen. Und genau das haben wir uns davon versprochen, als wir uns entschieden, beim nächsten America’s Cup auf Multihulls zu setzen. Die Wettfahrten sind sehr umkämpft, und genau das wollen die Leute sehen. Sie wollen enge Rennen und die besten Segler auf den schnellsten Booten sehen.“

Die nächste Station der America’s Cup World Series ist das englische Plymouth, wo vom 10. bis 18. September dieselben neun Teams antreten werden. Im November wird in San Diego im US-Bundesstaat Kalifornien gesegelt.

America’s Cup World Series Cascais – Endstand nach dem Rennen am Sonntag

Team Rang Punkte
Emirates Team New Zealand 1 10
Artemis Racing 2 9
ORACLE Racing Spithill 3 8
ORACLE Racing Coutts 4 7
Green Comm Racing 5 6
Aleph 6 5
Team Korea 7 4
Energy Team 8 3
China Team 9 3

Cascais AC Match Race Championship – Endstand nach den Rennen am Samstag

Team Rang Punkte
ORACLE Racing Spithill 1 10
Emirates Team New Zealand 2 9
Artemis Racing 3 8
Team Korea 4 7
ORACLE Racing Coutts 5 6
Team Energy 6 5
Green Comm Racing 7 4
Aleph 8 3
China Team 9 3

Eventseite

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://northsails.com/sailing/de/byt-til-nyt-dag

14 Kommentare zu „America’s Cup World Series Cascais Video: Spithill hält sich höflich zurück“

  1. avatar bowman sagt:

    … und dann hat Larry noch gesagt: “Jimmy, laß den Hutch auch noch durch, den brauch ich als CoR.”

    Böse, böse Verschwörung – Ich kann’s nicht glauben, wer braucht eigentlich so einen Quatsch?

    Segelreporter berichtet? – erklärt? – steckt an? Das ist Segel-B..-Zeitung, zum Abgewöhnen. Wirklich schade.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 8 Daumen runter 29

  2. avatar John sagt:

    Sowas kann man in einer Glosse schreiben, aber nicht in einem normalen Artikel. Schließe mich dem Bowman an.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 9 Daumen runter 28

  3. avatar Marc sagt:

    Jetzt geschieht dem armen Carsten aber Unrecht. Nur weil er eine Vermutung anstellt ist es ja nicht gleich Bildzeitungsniveau. Er hat doch danach geschrieben, das Spithill vielleicht auch nur schlecht gesegelt ist. Erstaunlich war es aber schon wie leicht er Barker in Lee hat durchrauschen lassen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 24 Daumen runter 2

  4. avatar John sagt:

    Das kann ja sein – aber es ist meiner Meinung nach ein komischer Stil, wenn man als Leser nicht trennen kann, wo Bericht, Reportage, Kommentar, Glosse oder Satire anfängt bzw. aufhört.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 8 Daumen runter 12

  5. avatar Wilfried sagt:

    das ist ja auch kein Wirtschaftsblatt-obwohl da auch ganz gut spekuliert wird- sondern eine Sportseite. Ich glaube auch, dass da für die Spannung getrickst wird. Es gab ja auch noch ein race wo TNZ souverän führte und plötzlich Oracle weiß leider nicht mehr ob Spithill oder Coutts urplötzlich auf der Kreuz schneller und höher fuhr und da war der Vorsprung plötzlich wieder weg.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 15 Daumen runter 1

  6. avatar hanseatic sagt:

    @bowman und john
    Leute jetzt kommt mal wieder runter! Konstruktive Kritik ist sicher auch bei Carsten gefragt. Schließlich steckt das Ganze hier – auch Carstens jounalistische Arbeit – immer noch in den Kinderschuhen. Eure überagressiven Angriffe bringen Carsten sicher nicht weiter – und das wollt ihr doch auch oder? Also, piano und konstruktiv bitte. Ist für alle von Vorteil 😉

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 0

    • avatar bowman sagt:

      Entschuldige mal bitte, aber was ist denn hier passiert? Da fährt Spithill eine Halse, um die rechte Seite, die gerade wieder mehr Wind hat, abzudecken, eine Halse, die Carsten nicht gefahren wäre, sondern er wäre bis zur Layline durchgegangen, und die Schlussfolgerung. die er daraus zieht,ist, dass Spithill auf Anweisung von Larry nicht voll fährt?

      Und so etwas darf man nicht als Quatsch bezeichnen. Er kann ja gerne diskutieren, ob das Manöver gut war, warum Kostecki – wie der Reporter sagte – auf die rechte Seite wollte, und vieles mehr. Aber hier gleich Betrug rufen? Dann kann man sich auch bei jedem zweiten Tor in der Bundesliga fragen, ob das mit rechten Dingen zugeht, nur weil jemand vorher einen blöden Fehler gemacht hat.

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 3 Daumen runter 17

      • avatar Lyr sagt:

        das haben BLOGs so an sich… das der Verfasser ab und zu auch mal seine Meinung durchblicken lässt.
        Da kann man komplett andere Ansicht sein (was immer eine Bereicherung darstellt), aber gewählter sollte man sich ausdrücken.

        grüße

        Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

        • avatar bowman sagt:

          Dann habe ich etwas falsch verstanden. Ich dachte immer, das sei hier nicht “bloß ein BLOG”.

          Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 3

  7. avatar John sagt:

    Das hat man halt davon, wenn man die Kommentarfunktion aktiviert. 🙂

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 2

    • avatar Egon sagt:

      Macht doch nichts, anhand der “Daumen hoch/Daumen runter”-Zähler kann man doch wunderbar erkennen, was der Rest der Bevölkerung so über den jeweiligen Kommentar denkt. 😉

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  8. avatar seasailor sagt:

    Klassisches Katamaranüberholmanöver! Genau deshalb macht es Sinn auf Katamaren den Cup auszusegeln, weil es bis zum Schluss spannend ist. Die Unterstellung, ETNZ hat den Sieg geschenkt bekommen ist eine Beleidung für deren großartige seglerische Leistung in diesem Rennen. Ich kann die Verärgerung von Bowman verstehen!

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 5

  9. avatar jason sagt:

    Klassisches Katamaranueberholmanoever?
    Wenn man bis dahin aber 1 Minute auf den Gegner wartet, hat das sicher nichts mit der tollen segelleistung von etnz in diesem rennen zu tun.
    Das war wohl eher dem taktischen Fehler (gewollt oder auch nicht) von Oracle geschuldet.
    Wie auch immer, diese aggressiven Kommentare von bowman und John sind hier voellig überzogen.
    Auch ohne den SR Artikel hat ich während des Rennens selber ein komisches Gefühl.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 3

  10. avatar Holger sagt:

    Auch wenn Carsten den Stil Reportage/Kommentar nicht trennt, äußert er doch eine Vermutung, die sicher viele hier auch haben. Mich hat sehr verwirrt, wie souverän OR das Matchrace gewonnen hat, als zum einzigen Male in der Woche zu zeigen war, wo der Hammer hängt. Nach dem ersten Regatten waren die Abstände doch so enorm groß, dass dies diesem AC nicht gut getan hätte, ebensowenig wie der Dauersieger Spithill (den ich auch für einen großartigen Sportler halte).

    Bei diesem Event ging es doch um gar nichts, außer um die Markteinführung eines neuen Produkts. Und sowas wird immer vom Marketing gesteuert. Klar ist doch, dass Ellison kein Interesse an OR Dominanz haben kann, er braucht noch weitere Starter und OR als Alleinherrscher wäre da ungünstig. Dieses Format hat so viele Mängel, Schwächen und Peinlichkeiten, dass Ellison nicht noch Langweile gebrauchen kann.

    Vergessen wir nicht: Ellison ist ein brillanter Marketingmann.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 3

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *