Alinghi-Chef Ernesto Bertarelli: Verbitterte Worte über die America’s-Cup-Premiere

"Ist doch klar, wer gewinnt"

Ernesto Bertarelli sieht immer noch im Ärger zurück. © Martin Kobel

Die Segelgemeinde ist gespalten bei der Beurteilung der „Revolution im Segelsport“, die Larry Ellison mit dem America´s Cup bewirken will. Aber für den ehemaligen Cupgewinner Ernesto Bertarelli ist die Sache klar. Im Interview mit dem italienischen Wirtschaftmagazin IlSole24Ore lässt der Alinghi-Chef kein gutes Haar an der Ellison-Veranstaltung:

Auf die Frage nach seiner Meinung antwortet er, dass der America’s Cup in Valencia der beste aller Zeiten war. „Zwölf Teams im Wasser und wenigstens fünf, die in der Lage waren zu gewinnen. Diesmal ist doch das Ergebnis der nächsten Auflage vorher klar. Wenn das US-Team eine solche Kontrolle über den Wettkampf hat, bleibt nicht viel Raum für die Herausforderer.“

Er sei auch sehr skeptisch bezüglich des Interesses in Amerika. Ohne England oder Italien sei es doch nicht spannend. „In Valencia 2007 haben wir insgesamt sechs Millionen Zuschauer erreicht und am Fernsehen über vier Milliarden. Dabei garantierten wir den Teams eine Beteiligung an den Einnahmen entsprechend ihrer Platzierung.“

Befragt zu der Abwesenheit der italienischen Teams verweist Bertarelli auf Patrizio Bertelli. Er könne die Antwort wohl besser geben. Aber mit Luna Rossa fehle das einzige italienische Team mit einer eigenen Geschichte und Tradition. „Sie haben so wie wir entschieden, lieber bei er Extreme Sailing Series mitzumachen neben den anderen Teams auf höchstem Niveau.“

Und was ist mit Mascalzone Latino? „Die haben ihre historische Verantwortlichkeit als Repräsentant der Herausfoderer nicht erfüllt und es den Amerikanern erlaubt, die Regeln ohne jegliche Kontrolle zu schreiben, um danach die Szene zu verlassen.“

Auf die Frage, ob er ausschließe, dass Alinghi sich jemals wieder im America’s Cup engagiere sagt Bertarelli: „Wir haben den Cup zweimal gewonnen und ihn das erste Mal in 156 Jahren nach Europa gebracht. Unser Weg führt uns nun in andere Bereiche des Rennsegelns, wo wir unseren Spaß haben und Resultate bringen.“

Bertarelli hat das über-den-eigenen-Schatten-springen sicher nicht erfunden. Seine Aussagen klingen immer noch verbittert und längst nicht altersweise, und das mag man auch verstehen. Der lange Streit mit Ellison ging schwer an die Substanz und ist immer noch präsent. Klar, dass er sich nicht die Blöße gibt, bei der US Veranstaltung teilzunehmen. Allein das würde den nächsten Cup zu einem Erfolg machen.

Dabei unterhält Alinghi durch die Teilnahme bei der Extreme Sailing Series und der Décision 35 Katamaran-Serie ein sehr konkurrenzfähiges Team, mit dem er schnell auch wieder in die höchste Liga aufsteigen könnte. Schwer zu glauben, dass er sich tatsächlich aufs Altenteil zurückzieht. Dieses Duell mit Ellison ist noch unfinished business. Vielleicht macht uns Alinghi irgendwann wieder viel Spaß. 

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Carsten Kemmling

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10 Kommentare zu „Alinghi-Chef Ernesto Bertarelli: Verbitterte Worte über die America’s-Cup-Premiere“

  1. avatar Marc sagt:

    Dauert halt ein bischen bis sich die beiden Kinder wieder vertragen. Nun spielt man halt erst einmal mit anderen Förmchen und irgendwann ist dann vergessen, das der andere einem die Schüppe weggenommen hat. Und dann wird auch wieder zusammen im Sandkasten gespielt 😉

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  2. avatar Philipp sagt:

    Mhh… verbittert hin oder her – er sagt ein paar richtige Dinge. Es waere wirklich langweilig wenn der aktuelle Cup zu einer One Man Show verkommt.
    Auf der anderen Seite finde ich das neue Format sehr spannend. Leider merkt man halt, dass einfach noch die Erfahrung mit den neuen Booten und der komplexen Technik fehlt. Auch wenn die ersten Rennen teilweise spannend waren, fand ich die mediale Aufbereitung deutlich schlechter als beim Med Cup. Aber man wird wohl einfach abwarten und Tee trinken muessen…

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  3. avatar Seven sagt:

    Boa …..diese elendige Disskusion ob der 34.AC nun besser ist oder nicht…………..geht mir mittlerweile richtig auf die nerven. Er ist anders ! Punkt ! Ob gut oder besser oder verrat an der Idee ? Egal, kann doch jeder für sich endscheiden……..
    …….das mit der Meinungsfreiheit wird zu oft falsch verstanden: Man kann eine eigene meinung haben ,man muss sie aber nicht jedem auf die Nase binden!
    Die ,die es mögen sollen sich das Spektael ansehen und die ,die Ihn doof finden brauchen sich es ja nicht antun!
    Danke . 🙂

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 8 Daumen runter 9

  4. avatar bläck sagt:

    Wenn Dir die Diskussionen über`s Segeln in einer Segelzeitung / einem Segelforum auf die Nerven gehen, solltest Du es ev. mal mit Golf versuchen.

    Da wird bestimmt nicht über Golf geredet, getrascht, gestänkert über andere etc. und gelästert…

    Kann mich aber auch täuschen.

    Ich denke, das gehört nun mal zum Spiel. Das Gerede. Immerhin sind es ja nicht zwei dumme Menschen (B und E) die sich da verbal die Fäuste geben, sondern zwei die ziemlich viel erreicht haben in diesem Metier.

    Klar, mit Geld. Und ?

    Gruss

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  5. avatar stefan sagt:

    …naja, wenn sich hier darüber beklagt wird, dass die Sache zu einer “One Man Show verkommt”, dann möchte ich an die letzten 2-3 ACs mit den IACC erinnern. Da gab es immer eine deutliche Zweiklassengesellschaft.

    Die Erfolge der letzten 6 Teams im LVC gegen die die ersten 5 Teams in den Round Robins waren sehr spärlich.

    Ich finde es zeugt von wenig Sportsgeist, wenn man als Verlierer sich beleidigt zurück zieht. Was haben denn die Kiwis gemacht, nachdem E.B. ihnen das halbe Team geklaut und dann den Cup abgenommen hat?Die hätten allen Grund gehabt beleidigt zu sein. Aber nein, die waren sofort wieder dabei, genauso wie sie auch jetzt dabei sind. Es ist schon beschämend für eine Land wie Deutschland, wenn man sieht dass ein Land wie Neuseeland es über Jahrzehnte schafft in so einem Event wie dem AC mitzumischen. Neuseeland ist immerhin so bevölkerungsreich wie der Großraum Berlin und hat ein BIP von 1,5x dessen Berlins. Aber vielleicht wird ja dort einfach nicht so viel gejammert, sondern Dinge angepackt.

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    • avatar rodeo sagt:

      .. vor allen dingen wird da wesentlich mehr gesegelt als im grossraum berlin 😉

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    • avatar bläck sagt:

      ….das ist ja wohl eine Frage der jeweiligen Sportkultur eines Landes. Neuseeland ist gegenüber Deutschland oder gar der Schweiz eben eine echte Segelnation. Die tun nicht nur so, die segeln halt einfach. Bei uns (D oder CH) wird dafür gerne diskutiert….auch ein Sport.

      In Neuseeland geht die Familie am Wochenende mit zwei Jollen auf dem Autodach und eine im Trailer eben zum Segeln. Wir gehen in den Biergarten zum diskutieren.

      Dafür können sie nicht Skifahren…..

      🙂

      Gruss

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      • avatar Matthias sagt:

        Off topic: Es gibt durchaus Verrückte, die in unserem Sommer und im NZ-Winter nach Neuseeland zum Snowboarden und Skifahren fliegen. Aber deswegen können die Kiwis selbst immer noch nicht Skifahren 😉

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  6. avatar Holger sagt:

    Auch wenn er beleidigt ist, ich bin sicher das er Recht hat. Zu den 72ern werden noch max 4 dabei sein. Und dann macht OR im Finale ernst. Das wird eine Farce

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    • avatar stefan sagt:

      …natürlich macht OR im Finale ernst. Was soll der Cup-Inhaber denn sonst im Finale machen? Natürlich nutzt ein AC-Inhaber alle Vorteile die sich ihm bieten um den Cup zu verteidigen. Dazu gehört auch, das Format und die Yachten zu wählen. Das heutzutage dabei auch versucht wird der Veranstaltung einen Event-Charakter zu geben um es dem einen oder anderen Team zu erleichtern Sponsoren zu finden, ist ein Zugeständnis vom Cup-Inhaber. In seinem Interesse ist dies jedoch nicht. Dem Cup-Inhaber kann es egal sein, ob es einen oder zehn Herausforderer gibt. Segeln tut er in jedem Fall nur gegen einen. Im Gegenteil, je mehr Herausforderer es gibt, desto stärker wird der letztendliche Finalherausforderer, da er mit viel Wettkampfzeit ins Finale einzieht. Der Cup-Inhaber dagegen kann nur gegen sich selbst trainieren und das kann, wie man 2003 gesehen hat auch deutlich nach hinten losgehen.
      Alinghi hat dann ab 2004 mit den ACT-Events eine Regel neugeschaffen, die dem Cup-Verteidiger einen ungeheuren Vorteil verschafft -> Der Cup-Inhaber darf seit dem in einer Eventserie gegen die Herausforderer segeln. Das hat es in den 152 Jahren vorher nie gegeben.

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