America’s Cup San Francisco Video: Russell Coutts kracht ins Startboot

"Manchmal gibt es eine Lücke, manchmal nicht..."

Jimmy Spithill bemühte sich, die Situation herunterzuspielen, die seinem Chef Russell Coutts den Tag gekostet hat. “Es war eine sehr risikoreiche Strategie. Manchmal gibt es eine Lücke, manchmal nicht.” Für Coutts gab es sie am dritten Tag der America’s Cup World Series nicht.

Verschätzt. Russell Coutts steckt im Startschiff. © Chris Cameron/ETNZ

Verschätzt. Russell Coutts steckt im Startschiff. © Chris Cameron/ETNZ

Der Oracle Racing CEO war stark in den Match Races gesegelt und bis in das Halbfinale vorgedrungen. Da mag er auch für die Fleetraces etwas übermütig geworden sein. Im dritten Rennen, dem ersten des Tages, wählte er die Startstrategie des Lückensuchers.

Noch 30 Sekunden vor dem Start lauerte Coutts weit hinter der Linie, sah zu, wie sich das Feld aufteilte und peilte schließlich eine Lücke direkt unter dem Startboot an. Zu seinem Optimismus mag beigetragen haben, dass derjenige, der die Lücke schließen konnte, sein verdienter Mitarbeiter James Spithill war.

Der Steuerbord-Bug hat etwas abbekommen. © ACEA

Der Steuerbord-Bug hat etwas abbekommen. © ACEA

Jedenfalls raste Coutts los, erreichte 18 Knoten, während die Konkurrenz bei knapp über 10 Knoten um die Positionen kämpfte, und sah im letzen Moment, wie Freund Spithill diesen wunderschöne Spalt mit einem kleinen Wegschubser seiner Pinne von AC45-Katamaran-Breite auf Opti-Breite schrumpfen ließ. Mit Fullspeed raste der Neuseeländer in das Startboot. “Ich konnte nicht anders”, sagt Spithill. “Die Franzosen luvten uns hoch. Zu spät sah ich Russell und seine Jungs mit 20 Knoten heranrauschen.”

Kohlefaser-Fetzen. Die Spur am Startschiff. © Gilles Martin-Raget

Kohlefaser-Fetzen. Die Spur am Startschiff. © Gilles Martin-Raget

Schon starten Spekulationen, ob der Crash möglicherweise Berechnung war. Jedenfalls garantiert er Action und Aufmerksamkeit zum richtigen Zeitpunkt. Der Wind ist in San Francisco bisher nicht so stark, wie erhofft. Die Kenterungen fehlen. Und das Fernsehen lauert. Das Regattaergebnis ist für Coutts egal. Es geht für ihn um Beachtung der Rennserie, um die Gunst der US-Medien.

Aber vermutlich ist dieser Verdacht zu weit gegriffen. Vermutlich war es ein normaler Rennunfall. Vermutlich verschätzte sich der Altmeister einfach ein wenig, als er es noch einmal allen zeigen wollte.

Dazu hat er am Sonntag die Möglichkeit, wenn er im Match Race Finale erneut gegen seinen Untergebenen Spithill antritt. Wenn er Revanche nehmen wollte, wäre das die beste Gelegenheit.

30 Sekunden vor dem Start lauert Coutts oben in Luv auf eine Lücke an der Startlinie.

30 Sekunden vor dem Start lauert Coutts oben in Luv auf eine Lücke an der Startlinie.

15 Sekunden vor dem Start beginnt Coutts mit der Beschleunigung. Energy kommt von Lee. Darüber liegt noch Spithill. Er ist nicht zu sehen, weil das Tracker Signal ausgefallen ist.

15 Sekunden vor dem Start beginnt Coutts mit der Beschleunigung. Energy kommt von Lee. Darüber liegt noch Spithill. Er ist nicht zu sehen, weil das Tracker Signal ausgefallen ist.

Eine Sekunde vor dem Start ist Coutts mit 18 Knoten der Schnellste im Feld. Spithill (unsichtbar ohne Trackersignal) liegt in Luv über Energy vor Coutts.

Eine Sekunde vor dem Start ist Coutts mit 18 Knoten der Schnellste im Feld. Spithill (unsichtbar ohne Trackersignal) liegt in Luv über Energy vor Coutts.

Beim Start steckt Coutts im Startschiff. Das Feld rast davon.

Beim Start steckt Coutts im Startschiff. Das Feld rast davon.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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9 Kommentare zu „America’s Cup San Francisco Video: Russell Coutts kracht ins Startboot“

  1. avatar jorgo sagt:

    Riskante Start-Taktik wenn man sich den Windwinkel zur Linie ansieht. Legen die ihre Startlinie eigentlich immer so (ich habe das bisher nicht verfolgt …. )?

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  2. avatar Alex sagt:

    Die Teams sollten mal über Wechselnasen wie in der Formel 1 nachdenken.
    Getauscht wird dann vom Schlaucher aus, wie bei den Radprofis.

    Kommt im TV bestimmt auch klasse. 😉

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  3. avatar Stefan Z sagt:

    Helmpflicht auf dem Startschiff.

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  4. avatar Wilfried sagt:

    Das zweite Video zeigt doch eindrücklich das Spithill auch plötzlich den heranrasenden Coutts sieht und noch ruckartig abfällt. Aber da ist die Lücke schon lange zu. Kleiner Blackout von Coutts oder er wollte Teamsegeln und Spithill hat es nicht mitbekommen.

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  5. avatar Andreas Ju sagt:

    Fahren die eigentlich auch schon mit Prallschutzwesten wie die Kiter? Könnte empfehlenswert sein!

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    • avatar Spezailist sagt:

      Ja das tun Sie. Die Crew ist mit allen Protectoren ausgerüstet…ob die Dinger auch schussicher sind?

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  6. avatar Stefan sagt:

    Das erinnert mich alles ein Bißchen zu sehr an die Formel 1 vor 20, 30 Jahren.
    Nur eine Frage des Zufalls, wann mal jemand zu Tode kommt, so wie es hier darauf angelegt wird.
    Zum Kotzen und hoffentlich ganz schnell nur noch eine Episode. Ganz übler Weg, segeln zur Gladiatorenarena zu machen, nur um Medien- und Sponsoreninteresse zu pushen.
    Saudumm, widerwärtig.

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    • avatar Klaus sagt:

      Es wurden in diesem merkwürdigen AC Zirkus schon diverse Überschläge und andere Crashs inszeniert. So darf man dies wohl auch einordnen. Für mich hat der AC seine Attraktivität längst verloren.

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