Americas Cup: American Magic zurück im Rennen – Italiener dominant

Patriot fliegt wieder

Luna Rossa hat die ersten beiden Rennen des Prada-Cup-Halbfinales für sich entschieden. Das US-Team ist nach dem dramatischen Crash in der Round Robin noch nicht wieder ganz auf Kurs.

Das amerikanische Team ist zurück im Rennen! Nach der katastrophalen Kenterung vor zwei Wochen arbeitete das Team rund um die Uhr an der Instandsetzung des angeschlagenen „Patrioten“. Es musste nicht nur das Loch im Rumpf geflickt werden, sondern auch die gesamten Systeme im Boot ausgetauscht werden. Und tatsächlich haben sie es dann zum ersten Rennen im Halbfinale des Prada Cups an die Linie geschafft.

 

In Auckland wehte es dann mit 20 Knoten und mehr über den Rennkurs. Die Amerikaner wählten hier die kleinste Besegelung aus – selbst das Groß war eine Nummer kleiner und im Topp weit weniger ausgestellt als die Großsegel, die wir bisher auf den Booten gesehen haben. War es Respekt vor den Bedingungen? Die Sorge, wieder die Kontrolle zu verlieren? Doch es sollte sich zeigen, dass es eventuell genau das Gegenteil bewirkt hat.

Die Amerikaner wählten ein kleineres Großsegel, das im Topp weniger ausgestellt ist © COR 36 | Studio Borlenghi

Das erste Rennen

Breits bei der Einfahrt in die Startbox zeigt sich, dass die Amerikaner Probleme haben, ihr Boot zu kontrollieren. Während sie abfallen, fällt das Boot zum ersten Mal von den Foils. Die Italiener segeln hingegen smooth wie auf Schienen von der rechten Seite hinein.

Der Start sollte dann in diesem doch recht passiven Rennen der einzige taktische Augenschmaus bleiben. Beide Boote segeln nach rechts an die Begrenzung und wenden auf die Linie. Luna Rossa saugt sich in Lee an die Amerikaner ran, luvt hoch und kontrolliert von diesem Moment an den Start, gibt vor, wann die Boote auf die Linie abfallen können. Und wartet auf einen Fehler von American Magic, der dann auch erfolgt. Mit dem kleinen Großsegel reicht der Druck anscheinend nicht aus, um hoch am Wind auf den Foils zu bleiben. Darauf haben die Italiener gewartet, fallen sogleich ab und heizen auf die Linie zu. Die Amerikaner schaffen es zwar schnell wieder in den Flugmodus, aber die erste Lücke ist entstanden.

Luna Rossa zieht gleich am Start davon © COR 36 | Studio Borlenghi

Der Rest des Rennens verlief vergleichsweise unspektakulär, denn die Amerikaner unternahmen keine großen Anstrengungen anzugreifen. Sie wollten das Rennen nur halbwegs sauber beenden und wieder Vertrauen in das (neue) Boot gewinnen. Am zweiten Tonnenmanöver am Luvgate passiert es dann aber doch: American Magic verliert bei einem Bootsspeed von 53 Knoten (sic!) die Kontrolle, die Strömung am Ruder reißt ab, das Boot landet im Wasser. Die Crew ist sogar gezwungen, eine Wende zu fahren, anstatt zu halsen. Luna Rossa segelt hingegen den Kurs sauber ab, baut den Vorsprung immer weiter aus und segelt schließlich mit einem Vorsprung 2 Minuten und 43 Sekunden ins Ziel.

Italiener weiter dominant

Das zweite Rennen beginnt bei etwas weniger Wind, der sich jetzt auf etwa 18 Knoten eingependelt hat. Am Start wieder ein ähnliches Bild wie schon im ersten Rennen: Luna Rossa kontrolliert von Lee aus. American Magic bleibt aber dieses Mal auf den Foils und segelt kurz hinter Luna Rossa über die Linie. Dennoch segeln die Amerikaner wieder ein sehr passives Rennen, suchen kein einziges Mal den Split, probieren keinen Angriff auf die Italiener. Es sieht alles nach einem weiteren klaren Sieg für Luna Rossa aus. Am Leegate kommt dann kurzfristig wieder Spannung auf, als die Italiener mit 49 Knoten die Anströmung am Foil verlieren und mehr oder weniger weit nach Lee fliegen. Doch nach der kurzen Flugeinlage heizen sie gleich weiter. American Magic hat jetzt wieder Anschluss gefunden, doch Luna Rossa zieht ihnen einfach davon, baut den Vorsprung aus.

Beim Abfallen am Luvate reißt regelmäßig die Strömung am Ruder der Amerikaner ab © COR 36 | Studio Borlenghi

Die Amerikaner haben von nun an bei jedem Tonnenmanöver am Luvgate Schwierigkeiten. Jedes Mal reißt die Strömung während des Abfallens am Ruder ab und Patriot landet mit viel Spritzwasser im Bach. Es muss frustrierend für Dean Barker und die Crew sein, immer wieder an derselben Stelle einen Abflug hinzulegen. Kommentator Ken Read vermutet, dass es mit dem kleineren Großsegel zusammenhängt.

Francesco Bruni Steuermann von Luna Rossa Prada Pirelli ist trotz der kleinen Unstimmigkeit zufrieden mit dem Ergebnis. “Wir sind super glücklich. Besonders bei so viel Wind zu segeln macht richtig Spaß. Das Training und die Anpassungen am Boot machen sich bezahlt und wir werden jeden Tag schneller. Wir kommen aus einer schwierigen Phase in der wir unser Potential nicht voll ausgeschöpfen konnten. In der Vergangenheit hatte das Boot bei starkem Wind Probleme. Die Zahlen zeigen uns aber, dass sich unsere Leistung stark verbessert hat und heute auf dem Wasser haben wir den Unterschied auch gespürt.”

Luna Rossa gewinnt die ersten beiden Rennen des Prada Cups. © COR36 / Studio Borlenghi

American Magic vollbrachten an Land zwar ein Wunder, indem sie die Patriot wieder zusammensetzten, aber auf dem Wasser waren sie aber chancenlos. Im ersten Rennen ließ das US-Team sein Potenzial kurz durchblitzen, als mit 53,31 Knoten (fast 100 km/h) ein neuer Geschwindigkeitsrekord aufgestellt wurde. Das gibt Hoffnung für die kommenden Renntage.

Hier auch gut zu sehen: Das kleinere Großsegel © COR 36 | Studio Borlenghi

Terry Hutchinson, der Skipper und Geschäftsführer von American Magic, gibt sich als fairer Verlierer, bleibt dennoch kämpferisch. “Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch an Luna Rossa, die großartig gesegelt sind. Es war ein Tag mit schwierigen Bedingungen. Wir wissen, um Luna Rossa zu schlagen müssen wir besser segeln. Aber wenigstens hat sich das heute schon wie ein normaler Renntag angefühlt. Vor zwölf Tagen hätte ich das nicht für möglich gehalten. Es ist noch alles offen und wir haben noch Fleisch an den Knochen.”

 

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