Andrew Simpson: Ein Leben für den Segelsport

"Einer der Besten"

Der britische Verband RYA nimmt Abschied von Simpson:

Mit Andrew Simpson ist ein Großer des Sports gegangen. Als Vorschoter des überragenden Finn Dinghy Goldmedaillen Gewinners Iain Percy stand er in dessen Schatten. Aber Simpson war selber ein exzellenter Steuermann.

Andrew Simpson Iain Percy

Andrew Simpson hängte sich bei seinem besten Kumpel Iain Percy voll rein. © Marina Könitzer

Simpson war nach Platz sechs bei der Laser WM (99), als Vize-Europameister (01) und WM-Sechster (04) im Finn die ideale Ergänzung zu seinem Sandkasten-Buddy Iain Percy. Schon im ersten gemeinsamen Star-Jahr 2007 holte das Team jeweils WM und EM Bronze. Ein Jahr später folgte der glorreiche Olympiasieg nach dem legendären Starboot Finale von Qingdao (Video).

Danach schien alles auf eine erfolgreiche Titelverteidigung hinzudeuten. Die Erfolge als Weltmeister 2010 und Vize-Weltmeister 2012 zeigten in die diese Richtung. Auch bei der Olympia-Serie vor heimischem Publikum lief alles nach Plan. Mit acht Punkten Vorsprung gingen sie in das Medalrace. Aber die Schweden schnappten ihnen das Gold noch weg.

Riesige Enttäuschung

Trotz gewonnener Silbermedaille vor keinen Geringeren als den Brasilianern Scheidt/Prada war die Enttäuschung riesengroß. Das gebeugte Haupt von Simpson war eines der traurigsten Bilder aus Weymouth.

Der Mann hat gelernt, mit Niederlagen umzugehen. Er wuchs seglerisch an der Seite von Ben Ainslie und eben Iain Percy auf. Man könnte sagen: Pech gehabt. Denn 2000 schnappte ihm Percy den Finn-Olympiastartplatz weg und 2004 dann Ainslie.

Aber Simpson haderte nicht mit dem Schicksal, sondern half als Sparringspartner seinem Freund Percy, Gold zu gewinnen und tat vier Jahre später das Gleiche für Ainslie. “Sie sind beide fantastische Segler”, sagte Simpson einmal bei einer Veranstaltung des britischen Verbandes RYA.

“Sie arbeiteten härter”

“Manchmal ist man froh darüber, gegen solche Ausnahme-Typen segeln zu dürfen, aber dann will man sie auch wieder öfter schlagen. Erst später habe ich verstanden, warum sie dieses kleine bisschen besser sind als ich. Es hat wohl nicht mit größerem Talent zu tun. Sie arbeiteten einfach härter.”

Solche ehrliche Aussagen machen deutlich, was die Weggefährten an ihrem Freund schätzten. Percy: “Ich habe meinen engsten Freund verloren, den freundlichsten und großartigsten Menschen, den ich je traf. Ich kann nicht glauben, dass er nicht mehr unter uns ist. Unsere Gedanken sind bei seiner Frau und den beiden Söhnen. Andrew hat mehr Freunde als irgendjemand. Wir werden weiterhin seine Familie mit ganzem Herzen unterstützen.”

Ainslie sagt: “Das ist so eine Tragödie. Andrew war einer der besten Menschen, die man wohl je kennenlernen kann. Der einzige Trost kann man vielleicht darin finden, dass er bei einer Sache starb, die er liebte. Ich habe so wunderbare Gedanken an die Zeit, in der wir während der Segelzeit zusammen aufwuchsen. Ich werde ihn so sehr vermissen.”

Percy holte den Kumpel spät zum Team

Percy mag das Schicksal besonders verfluchen. Nach dem Abgang von Terry Hutchinson bei Artemis wurde er zum Sport-Direktor befördert und holte als solcher erst im März Simpson zum Team. Schon beim unglücklichen +39 America’s Cup Team stand der Freund 2007 an seiner Seite. Und ebenso bei der hoffnungsvollen britischen AC-Herausforderung mit dem Origin Team, die schließlich doch gekippt wurde.

Simpson hatte längst die Weichen für ein neues Leben mit seiner jungen Familie gestellt, da er ohnehin nicht mehr mit einer weiteren Starboot-Kampagne rechnen durfte. Der Star soll in Rio nicht mehr olympisch sein. So hatte er mit seinem Schwager die Firma GoCarbon gegründet, die edle Möbel aus Holz und Karbon herstellt. Mit dem Anruf seines Trauzeugen Percy konnte er so spät vor dem Cup nicht mehr rechnen. Er wird sich gefreut haben.

Farewell!

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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Ein Kommentar „Andrew Simpson: Ein Leben für den Segelsport“

  1. avatar Leon sagt:

    Guter Bericht!
    Aber meines Wissens ist der Star doch 2016 wieder dabei. Die Brasilianer haben doch eine der beiden Wildcards genutzt.

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