Laser Europameisterschaft in Estland

Angekommen in der Weltspitze. Philipp Buhl vierter im 148 Boote Feld

Philipp Buhl freut sich über einen von drei Tagessiegen bei der EM in Tallin.

Der 20-jährige ist stolz auf seine starke Leistung bei der EM mit fast 150 Teilnehmern

Der 20 Jahre alte Philipp Buhl aus Sonthofen hat nur knapp eine Medaille bei der Europameisterschaft der Laserklasse verpasst. Er sorgte aber mit dem vierten Platz gegen 148 Teilnehmer für einen der größten deutschen Laser-Erfolge in den vergangenen Jahren. Und auch der Lübecker Simon Grotelüschen schlug sich mit Rang sieben hervorragend in der Flotte mit WM Niveau. Nur die Neuseeländer fehlten aus der Weltspitze. Damit melden sich die deutschen Lasersegler, die bei den drei vergangenen Olympischen Spielen kein Boot schicken durften, unerwartet auf Weltniveau zurück.

“Ich hatte einfach nur einen Lauf”, erzählt Sportsoldat Buhl in Hamburg bei der Präsentation des neuen Sailing Team Germany Sponsors AUDI im Gespräch mit SEGELreporter. “Ich bin mental sehr stark”, fügt der Youngster hinzu, der fast zehn Jahr jünger ist als die Spitzensegler der internationalen Konkurrenz.

Buhl hatte besonders am dritten Tag in Tallin seinen großen Auftritt. “Endlich herrschten meine Lieblingsbedingungen. Starkwind. Da war ich noch genervt, als ich den ersten Start verpatzte. Aber dann bin ich durch das Feld gepflügt und habe noch gewonnen.” Insgesamt drei Tagessiege verbuchte er und wurde zweimal Tagesbester. Mit 85 Kilo gehört er zu den schwereren Seglern und kann bei Starkwind Gewicht und Athletik optimal in Speed umsetzen.

Aber das eigentlich Erfolgsgeheimnis dieser EM war die Tatsache, dass Buhl auch bei wenig Wind ganz vorne mitfahren kann. So folgten seine großen Stunden als die Gruppenphase beendet war und die Goldfleetsegler direkt aufeinander trafen. Diesmal herrschte wenig Wind, und er ersegelte dennoch zwei zweite Plätze. “Da hatte ich ein sehr gutes Gefühl für den Kurs. Kurz vor dem Start wechselte ich noch einmal meine Strategie für die erste Kreuz, und es passte optimal.” Plötzlich lag er auf Gesamtrang zwei.

Der letzte Tag verlief zwar mit den Plätzen 29 und 14 nicht optimal und er verlor die Bronzemedaille um drei Pünktchen an den Österreichischen Olympia-Silber-Gewinner von Athen Andreas Geritzer (33). Buhls Vater schreibt aus Tallin: “Der Finaltag begann für Philipp vermutlich in höherer innerer Anspannung. Er hatte sich unerwartet auf Medaillenkurs vorgekämpft. Eigentlich ist es für einen erst 20-Jährigen völlig ungewöhnlich und zu früh, in der extrem leistungsdichten Laser-Klasse bei einer Europameisterschaft der Erwachsenen am Ende auf einen Medaillenrang oder gar auf Gold zu segeln. Es wäre ganz und gar nicht nicht unmöglich gewesen. Aber es sollte letztendlich (noch) nicht sein, aus welchen Gründen auch immer. Die überragende Stärke der Vortage war indes etwas abgeflaut, und er verpasste am Ende ganz knapp die Bronze-Medaille.

Wahrscheinlich regten sich bei Philipp Buhl zumindest kurzfristig schon Gefühle der Enttäuschung. Zu Traurigkeit aber sah er ganz offensichtlich keinen Anlass. Ganz im Gegenteil. Er wähnte sich in guter Laune und äußerte große Zufriedenheit. Schließlich wusste er um seine sensationellen Abschnitte bei dieser für ihn unvergesslichen und sehr schönen sowie bestens organisierten EM in Tallinn, undankbarer vierter Platz hin oder her.”

Es hätte schließlich deutlich schlimmer kommen können wie für Malte Kamrath vom Verein Seglerhaus am Wannsee. Er wurde im vorletzten Rennen nach einem Protest in der Startphase disqualifiziert und bekam im Schluss-Lauf von der Jury seine zweite gelbe Flagge wegen Wriggens gezeigt und musste aufgeben. So war die mögliche Top Ten Platzierung vergeben.

Buhl führt sein starkes Ergebnis nicht auf besondere Umstände zurück. Für ihn zahlt sich das lange harte Training aus. Dabei bereitete er sich im Winter anders auf die Saison vor, als seine Kader-Kollegen Grotelüschen und Kamrath. So verzichtete der zweifache und amtierende Junioren Europameister auf die Winter-Regatten in Miami und Melbourne und ist auch überhaupt kein Freund von harten Wassereinheiten im kalten Kiel am DSV Stützpunkt. “Ich bin kein Freund von großen Trainingsumfängen. Es kommt nicht auf die Quantität an. Die Qualität ist wichtig.”

Dabei arbeitet er eng mit seinem Vater Friedl Buhl zusammen. Der FD-Segler vom Segelclub Alpsee-Immenstadt plant die Saison mit dem Sohn und ist sein engster Berater. “Wir arbeiten sehr gut miteinander.” Diese Verbindung ist wichtig, weil er nicht wie der Rest der deutschen Laser-Spitze vom Heinz-Nixdorf Kader unterstützt wird. Wegen des Nixdorf-Vertrags mit Ausrüster Marinepool hätte sich Buhl von seinem langjährigen Partner Helly Hansen trennen müssen. Das hatte er aber abgelehnt.

Dennoch trainiert er auch mit den deutschen Kollegen, macht aber teilweise eine eigene Saisonplanung. “Dabei geht es mir nicht mehr so sehr um die Vorbreitung auf einen Zielwettkampf. Ich möchte konstant gute Leistungen bringen, wie es die internationalen Spitzensegler auch tun. Dabei ist mein Ziel eigentlich die Top 18 bei internationalen Wettkämpfen. Und ich möchte einmal bei einem Weltcup das Medalrace erreichen. Vielleicht klappt es schon bei der Kieler Woche.”

Nach dem EM Erfolg liebäugelt der Nachwuchssegler sogar selbstbewusst mit einer Podium-Platzierung. Aber er weiß, dass in dem großen Laser-Feld schon viel zusammenpassen muss, um wieder in die Spitze zu fahren. “Am einfachsten wäre das bei einer Starkwind Woche.” Bei diesen Bedingungen gehört Buhl zu den besten der Welt. Das hat er in Tallin gezeigt. Und das ist eine sichere Grundlage für Erfolge im Laser.

Im Schatten der deutschen Männer kamen die Laser-Radial-Seglerinnen bei dieser Europameisterschaft nicht wie erhofft in Fahrt. Als beste DSV-Starterin belegte Franziska Goltz Platz 25. Insgesamt schlossen die Kroaten mit zwei Titelgewinnen bei den Männern und Frauen überragend ab vor den Briten mit zwei Silbermedaillen. Das ist die neue Hackordnung in der Laserklasse.

Endstand Laser-Europameisterschaft
Tallinn/Estland
(nach12 Wettfahrten, zwei Streicher):

1. Tonci Stipanovic (CRO), 49 Punkte
2. Paul Goodison (GBR), 59 Punkte
3. Andreas Geritzer (AUT), 64 Punkte
4. Philipp Buhl (Sonthofen, Segelclub Alpsee-Immenstadt), 67 Punkte
7. Simon Grotelüschen (Kiel, Lübecker Yacht-Club), 82 Punkte
26. Malte Kamrath (Kiel, Seglerhaus am Wannsee), 161 Punkte
Endstand Laser-Radial-Europameisterschaft
Tallinn/Estland
(nach11 Wettfahrten, zwei Streicher):

1. Tina Mihelic (CRO), 24 Punkte
2. Charlotte Dobson (GBR), 59 Punkte
3. Gintare Scheidt (LTU), 44 Punkte
25. Franziska Goltz (Kiel, Schweriner Segler-Verein), 137 Punkte
32. Anke Helbig (Brandenburg, Märkischer Segler-Verein Beetzsee), 174 Punkte

Ergebnisse Standard (offene Wertung)
Ergebnisse Frauen Radial

Das Video vom dritten Tag als Buhl zwei Rennen gewinnt

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