Aufgelaufen: Untersuchung der Clipper-Race-Strandung abgeschlossen – Aus Fehlern lernen

"Mangelhafte Planung"

Ende Oktober 2017 ist der 72 Fußer “Greenings” kurz nach dem Start der 3. Clipper-Race-Etappe aufgelaufen und konnte nicht mehr gerettet werden. Der Untersuchungsbericht zieht einen erstaunlichen Schluss.

Hoch und trocken liegt “Greenings” am Strand und kann nicht mehr gerettet werden.

Das Marine Accident Investigation Branch (MAIB) hat die Untersuchung des Unglücks um die gestrandete Clipper-Race-Yacht “Greenings” abgeschlossen. Das Schiff  war nur wenige Meilen nach dem Start zur dritten Clipper-Race-Etappe Kapstadt – Perth kurz nach dem Einbruch der Dunkelheit aufgelaufen. Die Crew musste abgeborgen werden.

Der Mast wird mit einem Gerüst abgebaut. © Clipper Ventures

© Clipper Ventures

Die unter britischer Flagge fahrende Yacht konnte nicht mehr vom Strand gezogen werden. Das Wrack wurde in seine Einzelteile zerlegt und abtransportiert um keinen Plastikmüll zu hinterlassen.

Greenings, Clipper

Das halb zerlegte Wrack der “Greenings” am Strand vor Kapstadt. © Clipper Ventures

Der traurige Rest der “Greenings”. © Clipper Ventures

Der Bericht der Untersuchungsbehörde MAIB erkennt “mangelhafte Planung” als Grund für die fatale Strandung. “Keinem Crewmitglied wurde die Verantwortung für die Navigation übertragen”, heißt es in dem aktuell veröffentlichten Bericht. “Informationen über die Wassertiefe waren am Steuerstand nicht verfügbar und kein sicherer Weg war zuvor auf Papier- oder elektronischen Karten vorberechnet worden.”

Keine Tiefen-Angaben

Dabei wurde bemängelt, dass der Skipper der einzige professionelle Segler an Bord war. Er sei auch selber für die Navigation verantwortlich gewesen. Er habe bei 20 bis 25 Knoten westlichen Winden eine Halse angeordnet, und das Manöver forderte die Aufmerksamkeit der gesamten Crew. Deshalb sei sie abgelenkt gewesen, habe keine Tiefen-Angaben gehabt und in der Dunkelheit sei niemand die Gefahr der Strandung bewusst gewesen.

Greenings ist kurz nach dem Start des Clipper Races in Kapstadt aufgelaufen. © Clipper Race

Eigentlich gab es eine generelle Anweisung der Rennleitung, jeweils in der Nacht einen Abstand von mindestens zehn Meilen zum Land einzuhalten – inzwischen wurde die Vorgabe auf 20 Meilen erhöht. Die “Greenings”-Crew hat sie ignoriert, wie allerdings in dieser Unglücksnacht auch sieben weitere Schiffe der insgesamt zwölf Boote starken Clipper-Flotte. Sie sind dem britischen Boot, das die ersten beiden Etappen gewonnen hatte, auf seiner Route gefolgt und eine weitere Yacht sei einem Auflaufen sehr nahe gekommen. Sie konnte sich noch im letzten Moment mit einer Halse aus der kritischen Situation befreien.

Das MAIB betont insbesondere den Punkt der ungenügend professionellen Crewbesetzung, weil es nach einer Untersuchung der Todesfälle von Andrew Ashman und Sarah Young beim Clipper-Race 2015-16 gefordert hatte, auf dem 72-Fußern mehr als einen Profi an Bord einzusetzen.

Stattdessen führte die Organisation die Position der Steuermänner ein, die im Vorfeld eine spezielle Ausbildung bekamen. Im Falle der Strandung war der “Greenings”-Steuermann nicht auf Wache. 

Navigationsdisplay am Steuerstand

Die Untersuchungskomission empfiehlt, dass insbesondere die Möglichkeiten für den Skipper und Wachführer verbessert werden, an Deck Einsicht in die Positionierung zu bekommen. Das soll durch ein zusätzliches Display in der Nähe des Steuerstandes erreicht werden. Auch müsse die technische Kommunikation zwischen Steuermann und Navigator unter Deck verbessert werden. Ebenfalls sei die Aufgabe des jeweiligen Navigators auf Wache nicht ausreichend definiert.

Es war anfangs noch nicht klar, ob das Schiff geborgen werden kann. © Clipper Race

Das MAIB bemängelt auch, dass der Skipper nach dem Auflaufen zu lange für den Notruf gebraucht habe. Er ging erst nach 50 Minuten raus.

Segel-Legende Sir Robin Knox-Johnston, Gründer und Vorsitzender von Clipper-Ventures, glaubt, dass dieser Unfall für alle Seglern ein großer Lerneffekt sei. “Wir haben für unsere Skipper und Wettfahrtleiter neue Richtlinien erarbeitet, derzufolge die geplanten Routen in schwierigen Gebieten zuvor auf ihre Qualität geprüft werden. Dadurch glauben wir, erheblich das Risiko reduzieren zu können um ein solches Unglück in Zukunft zu verhindern.”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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2 Kommentare zu „Aufgelaufen: Untersuchung der Clipper-Race-Strandung abgeschlossen – Aus Fehlern lernen“

  1. avatar pjotr sagt:

    großer lerneffekt zu erwarten? wohl eher nicht. “profi-skipper”? das war ja wohl auch schettino… und der vom team vestas… sicherheit kann man m.e. nach nicht in form von “besserer” software und mehr anzeigen kaufen. ich vermute mal dass das problem daran liegt dass den “profi-skippern” einfach irgendwas wichtiges fehlt. vielleicht sowas wie eine gewisse ernsthaftigkeit und ein gefühl dafür dass es nicht nur um “fun” und gewinne, d.h. kohle geht.

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  2. avatar Bernd sagt:

    Möglich, ich kann allerdings sagen dass keiner der Skipper es des Geldes wegen macht. Dafür ist die Verantwortung zu groß und der Verdienst zu gering
    Und Anzeigen sind natürlich nicht alles, wären aber definitiv sehr hilfreich.

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