SR sprach mit dem zweiten deutschen Einhandsegler bei der Route du Rhum

Axel Strauss: "Absolute Euphorie"

Schön aber langsam. Sonnenuntergang in der Biskaya bei einem Trainingstörn der "Tzu Hang" © Axel Strauss

Der Segelamateur Axel Strauss liegt zurzeit auf einem sensationellen zehnten Platz bei der Route du Rhum, obwohl er schon mit einigen Problemen zu kämpfen hatte, wie er in seinem Blog von Bord beschreibt. Ein Fischernetz verhedderte sich an Kiel und Ruder. Beim Aufstieg 16 Meter hoch in den schwingenden Mast fehlten zwei Meter, um das Solentfall zu bergen.

Schließlich klappte es. Er schreibt von Bord: “Und jetzt die good news: ich habe nur wenige Plätze veloren, ich habe immer noch gute Laune, ich habe genug Wind um mit der Trinquettte segeln zu können, UND: ich habe kurz vor Sonnenuntergang das Solentfall an Deck bekommen!!! Mit dem “kleinen” Spifall und einem angetapten Drahthaken habe ich beim ersten Versuch den Schäkel in 18 Meter Höhe geangelt und konnte das Fall vorsichtig herunterziehen. Absolute Euphorie.”

SegelReporter sprach vor dem Start der Route du Rhum mit Axel Strauss. Hier seine Selbstvorstellung: “Bis zur deutschen Shorthand-Hochsee Macht angesicht zweier Yachten bei der Route du Rhum ist es noch weit, aber zumindest tut sich etwas.

der 50-Jährige Axel Strauss hat sich mit der Teilnahme bei der Route du Rhum einen Traum erfüllt und liegt zu Beginn exzellent im Rennen. © Axel Strauss

Der Vorsprung, den die Franzosen haben, und den die Spanier sich gerade erarbeiten ist ziemlich groß. Aber darum geht es mir ja eigentlich nicht.

Ich bin vor zwei Jahren in die Class 40 eingestiegen, weil mich das Konzept von Anfang an überzeugt hat: Das Boot ist groß genug, um fast überall hinsegeln zu können, bringt viel Spaß und Speed beim Segeln, ist aber durch seine Größe und die Vermessungsregeln für Normalsterbliche (oder kleinere Sponsoren) gerade noch zu bezahlen….obwohl ich da langsam ins Zweifel komme….

Im Moment ist es noch möglich, auch mit älteren Booten eine gute Platzierung zu erreichen. Ich denke, dass wird sich bald ändern, wenn die neuen Prototypen ins Feld kommen. Bis jetzt ist mein „Project“ selbstfinanziert, ohne Sponsor. Ich bin mein eigener Preparateur, teils weil es Spaß macht, teils aus Kostengründen.

Die ersten Regatten mit der Class40 im vergangenen Jahr liefen überraschend gut, wir hatten einen Podestplatz in der recht gut besetzten Doublehanded-Regatta zu denAzoren, ein mittelmäßiges Fastnet und einen vierten Platz im 1000 Milles Brittany Ferries.

Dieses Jahr steht die Route du Rhum im Mittelpunkt. Ich möchte und muss mich auf diese Regatta beschränken, da meine zeitlichen und finanziellen Mittel nicht für mehr ausreichen. Die Balance zwischen Familie, Job und Class 40 zu finden, ist nicht immer leicht.

Klar, dass ich hier Kompromisse machen muss, aber besser eine Route du Rhum mit Kompromissen, als zuhause bleiben und zuschauen.

Die Aussichten fürs Rennen: Ein grosses Feld, viele neue Gesichter (und Boote) und ein langes Rennen. Man muss erstmal ankommen, wenig Schrott bauen und das Boot gut vorbereiten (da haben wir mit unserer deutschen Gründlichkeit vielleicht Vorteile), und keine fetten Fehler machen. Gas geben muss man sowieso, denn alle wollen gewinnen. Mal sehen….

Meine Vorbereitung: Im Juli habe ich die Qualifikation bestritten und ein intensives Solotraining absolviert. Im August arbeiten und Geldverdienen, dann im September wieder Training, im Oktober nochmals ein Mini Refit vor dem Rennen, und dann geht es los.

Nach der Route du Rhum werde ich noch in diesem Jahr mit einer Crew (oder auch solo, wenn sich niemand findet) wieder nach Europa zurücksegeln.

Zu meinem Hintergrund: Ich werde dieses Jahr 50, bin verheiratet ohne Kids und eigentlich von Beruf Schreiner. Das wurde mir dann irgendwann zu staubig, und seit  20 Jahren arbeite ich jetzt in der Segel-“Branche“. Ausbildung, Überführungen, Sozialprojekte auf Traditionsschiffen, große Privatyachten.

Seit einigen Jahren arbeite ich für einen großen Sportverband in Zürich in der Segelausbildung.”

Axel Strauss Homepage

Der Blog

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „SR sprach mit dem zweiten deutschen Einhandsegler bei der Route du Rhum“

  1. avatar Peter Pan sagt:

    Toller Typ!

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  2. avatar oliver sagt:

    Klingt super sympatisch. Bringt doch bitte mehr von Ihm
    Gruss Oliver

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