Barcelona World Race: Boris Herrmann holt auf im Sturm. “Hugo Boss” ankert.

"Neutrogena" kämpft mit 50 Knoten

Landunter auf "Neutrogena". Boris und Ryan kämpfen sich durch den Sturm und schlagen sich sehr gut. © FNOB

Boris Herrmann und Ryan Breymaier kämpfen sich zurzeit durch einen der heftigsten Stürme, den sie während des gesamten Barcelona World Races erlebt haben. Sie schrieben vor wenigen Minuten von Bord:

„Wir erleben gerade die schlimmste Stelle. Böen mit 50 Knoten, ansonsten 37 bis 45 Knoten. Wir segeln mit drei Reffs und dem kleinen Stagsegel. Der Kiel ist nur 15 Grad geneigt. Alles ist Okay an Bord. Hoffentlich geht es bald vorbei. Wir machen gute Fahrt Richtung Heimat. Mit bis zu 20 Knoten.“

Am Sonntag hatte Boris in einem Video (ENG) erklärt, wie extrem es zurzeit an Bord der „Neutrogena“ zugeht. Er spricht in die Kamera, während das Schiff sichtbar brutale Schläge aushalten muss. Hübsch, wie er sich einmal für einen besonders harten Schlag beim Interview-Partner entschuldigt. „Sorry!“

Situation am 14.3. "Neutrogena" (schwarz) wettert einen heftigen Sturm ab, kommt aber gut voran gegenüber "Renault" (grün) und dem direkten Gegner "Estrella Damm" (orange). "Mirabaud" (blau) humpelt Richtung Südamerika. "Hugo Boss" ankert bei den Falkland Inseln.

Herrmann spricht über die vergangenen verlustreichen Tage, in denen sie immer noch mit Reparaturarbeiten beschäftigt waren. Hinter den Falklands sei Ryan noch einmal ins Rigg geklettert, um das Solent-Stag am Mast zu befestigen. Er sei glücklich, dass man nun offenbar den Speed von „Estrella Damm“ halten könne.

Die Bedingungen nach dem Durchzug einer Front seien brutal gewesen. Bei nördlichen Winden seien die Wellen aus Osten gekommen. Dabei ist auch der Mast von „Mirabaud“ gebrochen. „Man versucht langsam zu segeln, aber die Wellen kommen genau von vorne. Wir steuern einen Winkel von 60 Grad, damit wir nicht über die Wellen springen.“

Der Kiel sein nur zu 18 Grad geneigt gewesen statt maximal 40, um Druck von der problematischen Kiel-Ramme zu nehmen. Schwierig werde es mit dem limitierten Kiel erst bei langen Raumschots-Kursen.

"Neutrogena" schlägt zurück. Nach Tagen großer Verluste liegt die Meilen-Linie nun höher, als die der direkten Konkurrenz. Besonders "Renault" (untere Linie) musste Federn lassen.

"Neutrogena" schlägt zurück. Nach Tagen großer Verluste liegt die Meilen-Linie nun höher, als die der direkten Konkurrenz. Besonders "Renault" (untere Linie) musste Federn lassen.

Der Tracker stützt die positiven Aussagen von Boris Herrmann. „Estrella Damm“ hatte sich schon vorbei geschoben, als „Neutrogena“ einen Kreuzschlag gen Westen absolvierte. Aber diese taktische Entscheidung zahlte sich nach der Wende aus. Der Vorsprung auf Platz fünf beträgt nun 104 Meilen.

Langsam kommt auch „Renault“ wieder in Reichweite. Herrmann und Breymaier konnten den Rückstand auf 200 Meilen halbieren, seit sich die Spanier mit einem langsamen Schlag hoch am Wind aus der Ost-Position wieder vor die Verfolger gelegt haben.

An der Spitze hat "Mapfre" (blau) in den vergangenen Tagen wieder auf "Virbac" aufgeholt, liegt aber immer noch 346 Meilen also fast zwei Tage zurück.

Dominique Wavre hat auf „Mirabaud“ derweil den gesamten Mast gekappt und versucht mit limitiertem Dieselvorrat sich und seine Freundin Michèle Paret aus der schlimmsten Sturm-Zone zu bringen. Er wolle den Wind abwettern und dann den Großbaum als Jury-Rigg setzen, um damit die 700 Meilen Richtung Südamerika zu segeln.

Bei zehn Knoten Speed gegen hohe Wellen sei die obere dritte Backbord-Saling gebrochen. Danach kamen sieben Meter Mast von oben. Dabei wurden weitere Salinge beschädigt und das gesamte Rigg wurde so instabil, dass Wavre den Wantenschneider ansetzte.

CTMJessJob

Auch das „Hugo Boss“-Team hat eine Reparaturpause eingelegt, nachdem es die Frauen von „Gaes“ bei Kap Horn passieren lassen musste. Die schwarzweiße Yacht ankert vor dem Hafen der Falkland Inseln, um die seit längerer Zeit beschädigte Großsegel-Schiene zu reparieren. Außerdem müssen Andy Meiklejohn und Wouter Verbraak wichtige Segel flicken. Der Ankerstopp ohne Hilfe von außen soll rund 24 Stunden dauern.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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