Big Picture America’s Cup: Kiwi-Abflug – Wie die “Raketenstarts” zustande kommen

Landung geglückt

Team New Zealand mit seinem Testboot beim Sprung. Die Landung soll geglückt sein. © TNZ

Das Emirates Team New Zealand hat ein spektakuläres Foto von einer Testfahrt auf dem America’s Cup Revier veröffentlicht. Warum die Krakenfoiler immer öfter aus dem Wasser springen. Wie die AC75 funktionieren.

Der Sprung des 38 Fuß kleinen neuseeländischen America’s Cup Testboots “The Aihe” sieht wie die Einleitung eines schlimmen Unfalls aus. Schließlich hat das Schiffchen erst kürzlich gezeigt, dass es offenbar kaum langsamer als die große Ami-Yacht segelt, also wohl nahe an die 40 Knoten-Marke kommen kann.

Aber die Neuseeländer schreiben nur lapidar dazu: “Pushing the limits. Nailed the landing.🤙”. Die Landung soll also geglückt sein.

So langsam scheinen sich die Cup-Piloten an die Bocksprünge ihrer neuen Sportgeräte zu gewöhnen. Luna Rossa zeigte schließlich auch schon einen dieser spektakulären vermeintlichen Raketenstarts.

Luna Rossa beim Raketenstart? Eher ist beim Anstellwinkel des Hauptfoils ein Fehler passiert. © Luna Rossa

Danach erklärte Luna Rossa Coach Philippe Presti, wie es zu diesem Abflug gekommen ist. Der AC75 sei etwas zu hoch aus einer Halse gekommen und die Segel waren für den inkel etwas zu dicht. Normalerweise sollen es 130 Grad zur wahren Windrichtung sein, um danach auf etwa 140 Grad abzufallen.

Vor dem spektakulären Sprung betrug der Winkel aber eher 120 Grad. Dadurch verstärkte sich der Druck im Segel und entsprechend dazu die Krängung. Normalerweise hält die Rudertragfläche das Heck wie ein Höhenleitwerk beim Flugzeug im Wasser. Diesmal führt der plötzliche Querkraft zum Strömungsabriss am Ruderfoil.

Wenn das Ruder keinen “Grip” mehr im Wasser hat, kann es zu einem sogenannten “Stecker” kommen, wie ihn schon die Amerikaner mit ihrem Testboot zeigten, oder es passiert der “Raketenstart”, der eigentlich nach hinten losgeht.

Denn durch den Strömungsabriss sackt das Heck des Bootes, das sich vorher auf die Tragfläche stützte, plötzlich ab. Der Bug zeig gen Himmel. So ist wohl auch der Kontrollverlust beim Kiwi-Abflug zu erklären. 

Die italienischen Quantum-Experten erklären noch einmal das Prinzip:

Die Abflüge haben bisher längst nicht zu den spektakulären Crashes der America’s Cup Katamaran-Ära geführt. Offenbar haben die Teams da Problem gut verstanden und einigermaßen im Griff. Wenn es allerdings vor Auckland die Cup-Duelle starten, dürfte es öfter dazu kommen, dass die Crews ihre Komfortzone verlassen und unliebsame Windwinkel ertragen müssen.

Generell haben die Teams das neue AC75-Design aber deutlich besser in den Griff bekommen, als man angesichts des futuristischen Designs denken mochte. Denn die neue 2018 veröffentlichte AC75-Klassenregel hat Segelboote erschaffen, die anders sind als alles, was man bisher gesehen hat.

Die Organisatoren haben in einem Erklärvideo noch einmal zusammengefasst, was die neue America’s-Cup-Klasse ausmacht:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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