Big Picture America’s Cup: Nur Luna Rossa segelt seinen Cupper – Amis setzen auf Risiko

Auf dem Sprung

Ein Aufsehen erregendes Bild aus Cagliari erinnert daran, dass Luna Rossa zurzeit das einzige America’s Cup Team ist, das mit seinem AC75 segelt. Die Amerikaner verpacken ihr Schiff für Auckland und hoffen auf die Grenzöffnung.

Luna Rossa beim Raketenstart? Eher ist beim Anstellwinkel des Hauptfoils ein Fehler passiert. © Luna Rossa

Von den vier America’s Cup Team kann alleine Luna Rossa zurzeit seinen AC75-Foiler bewegen. Italien ist zwar schwer von der Corona getroffen, und besonders der Bau des zweiten Cuppers im Krisen-Zentrum Bergamo soll deutlich beeinträchtigt worden sein, aber Luna Rossa war zuerst wieder auf dem Wasser.

Das Team informiert: Durch die Installation von Elektromotoren auf dem Schiff, die insbesondere die Grinderarbeit übernehmen, sei es gelungen, die Crewstärke auf fünf Personen zu reduzieren und aktuelle Abstandsregeln auch an Bord einzuhalten. Möglicherweise reagieren die Systeme aber noch nicht, wie gewünscht. Vielleicht ist das der Grund für das spektakuläre, aktuelle Bild vom Training in Cagliari. Offenbar führt ein zu steiler Anstellwinkel des Hauptfoils zu dem Sprung aus dem Wasser.

Krise bei Prada

Für Luna Rossa ist das Bild aber auch ein Zeichen: Wir leben noch. Denn die jüngsten Nachrichten von Hauptsponsor Prada, dem Team-Eigner Patricio Bertelli vorsteht, sind ernüchternd. Man verfüge zwar über Reserven, könne aber keine Dividenden an die Aktionäre zahlen. Bei geschlossenen Läden lässt sich Mode schwer verkaufen.

Aber Prada hilft auch in der Krise. Die Produktion in Montone wurde auf die Produktion medizinischer Ausrüstung umgesgellt. Nach einer Anfrage der Verwaltung Toscana seien bisher 80.000 medizinische Schutzanzüge und 110.000 Masken für das medizinische Personal produziert worden.

Masken aus dem 3D-Drucker

Auch das britische INEOS Team UK hat sich in die allgemeine Bewältigung der Crona-Krise in England einbinden lassen. Ben Ainslies Frau Georgie einen internen Beitrag zum Stand der Dinge in England:

Das Team unterstützt den National Health Service (NHS) im Land beim Kampf gegen die Corona Pandemie. Es produziert mit dem 3D-Drucker 100 Masken/Schilde am Tag und medizinische Schutzausrüstung. Team-Eigner Jim Ratcliffe hat mit seiner INEOS Firma eine führende Rolle bei der Versorgung des Landes mit Desinfektionsmitteln eingenommen. Aufs Wasser darf Ainslie mit seinem Team aber noch nicht.

Das waren noch Zeiten, als das INEOS Team UK noch in Cagliari sein Segel setzen durfte. © Lloyd Images / Mark Lloyd

Dieses Schicksal hat er mit den Amerikanern gemein. Das jüngste Segelvideo stammt von der vergangenen Woche, aber die Bilder datieren noch aus dem September:

Das Schiff war für den Transport nach Italien verpackt und ist dann auch am Stützpunkt in Pensacola/Forida nicht mehr aufs Wasser gegangen. Eigentlich sollte es zurück nach Newport. Auch aus Versicherungsgründen kann es wegen des Beginns der Hurrikan-Saison nicht länger als bis Mai in Florida bleiben. Aber Newport ist nun auch keine Option mehr.

Auf dem Weg nach Neuseeland

Teamchef Terry Hutchinson hat nun angekündigt, dass der AC75 heute Pensacola in Richtung Neuseeland verlässt. Der Frachter mit dem Cupper und 32 Containern voller Ausrüstung benötige etwa 33 Tage. Es ist eine mutige Entscheidung. Denn noch sind die Grenzen dicht. Das American Magic Team pokert aber, dass die Beschränkungen während des Transport-Zeitraums aufgehoben werden.

American Magic’s AC75 “Defiant” bei seinen letzten Segelstunden in Pensacola. © Will Ricketson

Bis dahin dürfen nur Neuseeländer einreisen. Aber immerhin neun Team-Mitglieder besitzen Pässe für das Land, unter anderem Steuermann Dean Barker. Sie sind bereits auf dem Weg, um sich in ihrem Heimatland in die Quarantäne zu begeben und dann die Aufgaben für das Team von Auckland aus zu übernehmen.

Hutchinson bestätigt eine gewisse Nervosität in Bezug auf die Entscheidung. Es sei kein gutes Gefühl, einen Großteil der Kontrolle abgegeben zu haben. Aber nun hofft er sogar, mit dem AC75 früher in Auckland  auf dem Wasser zu sein, als die Kiwis selber. Deren Schiff befindet sich immer noch auf dem Rücktransport von Europa.

Nur 1500 Infektionen

Die Amerikaner setzen damit auch die neuseeländische Regierung unter Druck, auf keinen Fall an eine Absage des America’s Cups zu denken. Die Corona-Zahlen entwickeln sich in dem kleinen Land aber tatsächlich auch so positiv, dass die ersten Lockerungen beschlossen wurden. Es wurden knapp 1500 Infektionsfälle gezählt, 21 Menschen sind gestorben. In diesem Sinn ist auch Hutchinsons Lob zu verstehen. Neuseeland habe eine großartige Arbeit geleistet und der Welt gezeigt, wie das COVID-19-Virus bekämpft und praktisch eliminiert werden könne.

Das Testboot der Neuseeländer. © ETNZ

Deshalb segelt das Heimteam auch schon wieder seit gut zehn Tagen. Emirates Team New Zealand wurde als Wirtschaftsunternehmen eingestuft, dem nach der Level-3-Lockerung   Aktivitäten unter bestimmten Auflagen erlaubt sind. Dafür entwickelten die Team-Techniker zum Beispiel Geräte, die GPS basiert mit einer Alarm-Funktion beim Abstand-Halten helfen sollen. Allerdings kann es nur sein kleineres Testboot “Te Kaahu” benutzen.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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