Big Picture: INEOS Team UK hat sein America’s Cup Design angepasst – Status der Teams

Neuer Wulst

Die Rümpfe der vier neuen AC75-Cupper für den America’s Cup wiesen einen signifikanten Unterschied auf: Den Wulst unter dem Rumpf. Nun haben die Briten auch einen.

Das INEOS Team UK weist nun auch einen Wulst unter dem Rumpf auf. © INEOS Team UK

INEOS Team UK

Der aerodynamisch optimierte flache Rumpf des britischen INEOS Teams. © INEOS Team UK

Die America’s Cup-Welt scheint in der Corona-Krise stillzustehen. Aber wie sehr hinter den Kulissen doch gewerkelt wird, zeigt das Beispiel des britischen Teams INEOS Team. Jüngste Bilder vom AC75 lassen einen neuen Wulst unter dem Rumpf erkennen, den auch schon das jeweilige Boot der Neuseeländer und Italiener aufweist.

Rumpf mit ausgeprägtem Wulst. Der neue Luna-Rossa-Renner. © SegelReporter

Zu Beginn sahen Beobachter in diesem Unterschied einen anderen Design-Pfad der Briten und Amerikaner. Das fehlende Feature deute darauf hin, dass sich deren Designer im Lowrider-Modus mehr Formstabilität erhoffen. Ainslie und Hutchinson, die Skipper beider Teams haben aber längst deutlich gemacht, dass der Wulst nichts anderes ein Zeichen dafür ist, wie groß der Vorsprung von Verteidiger Team New Zealand und dem Challenger of Record Luna Rossa war. Beide Teams haben die Regeln für das America’s-Cup-Protokoll definiert und sich naturgemäß schon lange vor dem Eintritt der weiteren Herausforderer mit dem Design beschäftigt.

Der “Buckel” am Unterwasserschiff bei Team New Zealand.

Ein wichtiges Resultat der Entwicklung hin zum schnellsten Design ist die Optimierung des aerodynamischen Endplatteneffektes. Demnach ist es essentiell, den Abstand zwischen dem Wasser und dem Boot im Flugmodus möglichst gering zu halten. Denn darunter findet ein bremsender Druckausgleich statt. Der Wulst verringert diesen Effekt, und nun haben sich die Briten eben auch einen besorgt – auch wenn er weniger elegant, wie angeklebt aussieht. Damit ist aber wohl klar, dass alle AC75-Konstruktionen der zweiten Generation einen solches Design-Merkmal aufweisen werden. Auch die Amerikaner werden nachziehen. Das Hutchinson schon deutlich gemacht.

Status der America’s Cup Teams

Das neue Bild der Briten zeigt aber auch, dass es ihnen offenbar möglich war, auch während der Corona-Zeit in gewissem Rahmen weiterzuarbeiten. Das ist den Italienern nicht möglich, deren Persico-Werft sich im Corona-Hotspot Bergamo befindet.

Auch die Neuseeländer mussten für fünf Wochen die Arbeiten an ihrem Neubau einstellen. Und ihr aktueller AC75 befindet sich immer noch auf dem Weg zurück von Europa, wo er bei der inzwischen abgesagten World Series in Cagliari und Portsmouth eingesetzt werden sollte. Nun ist das Emirates Team Neuseeland aber noch Monate davon entfernt, damit in Auckland zu segeln. Allerdings wird in Neuseeland die Lockerung des Corona-Lockdowns von Level 4 auf 3 vorbereitet. Damit könnte sich die Lage für die Kiwis wieder etwas entspannen.

Luna Rossa könnte trotz der Probleme in Italien als erstes Team wieder auf dem Wasser sein, auch wenn es von der Krise vermutlich am stärksten zurückgeworfen wurde. Aber ihre Basis ist operationsbereit, wenn sich die Lage im Land wieder etwas entspannt. Das Team hat angedeutet, dass es nun die Reise nach Auckland bis zum letzten Quartal des Jahres aufschieben will. Es will den Sommer in Sardinien nutzen, um das Maximum aus seinem Testprogramm herauszuholen.

American Magic hat bekannt gegeben in seinem Florida-Standort Pensacola zu bleiben und nicht wieder zur Basis nach Newport umzuziehen. Der Bau des zweiten AC75 in Rhode Island soll dank der Unterstützung durch den Gouverneur des Bundesstaates und die Rhode Island Marine Trade Association kaum beeinträchtigt worden sein. Es soll Anfang September fertig werden und direkt nach Neuseeland geflogen werden, ohne in den USA zu segeln.

Die Briten sollen beim Bau ihres neuen AC75 ebenfalls gut im Zeitplan liegen. Ainslie hat bekundet, dass die Werft Carrington Boats in Hampshire rund um die Uhr habe arbeiten können. Es ist aer noch nicht klar, ob man den Sommer vor Großbritannien trainiere oder möglichst früh nach Auckland reise. Das hängt offenbar von den Corona-Beschränkungen ab. Der britische Stützpunkt in Auckland ist jedenfalls im Vergleich zu den anderen Herausforderern am weitesten fortgeschritten.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Big Picture: INEOS Team UK hat sein America’s Cup Design angepasst – Status der Teams“

  1. avatar seven sagt:

    Der schlanke Wulst hat vor allem die Aufgabe, in der Beschleunigungsphase die benetzte Fläche zu verringern und mehr Speed zu ermöglichen, um die Kiste schneller auf die Foils zu stellen.

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  2. avatar seven sagt:

    Ainslie:

    “The Kiwi boat has a bustle to help the boat to induce foiling in its acceleration phase. The Italians also have a bustle, but it is a more aggressive boat than the New Zealand boat.”

    Ainslie acknowledged that the Kiwis were impressive accelerating into foiling, a transition which is seen as a key to the outcome of races.

    https://www.stuff.co.nz/sport/americas-cup/119347742/americas-cup-have-luna-rossa-pushed-boat-design-harder-than-team-new-zealand

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

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