Big Picture: Legendäres Bild vor Kapstadt – Wetterphänomen Seerauch

Spuren im Nebel

Legendärers Bild: Volvo 60s ziehen vor Kapstadt ihre Bahnen durch den Nebel. Ich glaube fest daran, dass wir im Medienboot neben der “Illbruck” zu sehen sind 🙂 © Daniel Forster

Ich bin über dieses legendäre Foto gestolpert, als wir vor Ort auf dem Wasser den Start zur zweiten Volvo Ocean Race-Etappe 2001 in Kapstadt verfolgten. Es markiert ein besonderes Phänomen.

“Illbruck” hat schon die erste Etappe gewonnen, und ich krieche mit dem Fotografen im brütend heißen gelben Kevlar-Rumpf von Michael Illbrucks Volvo 60 herum, um für ein Porträt den Details der Yacht und ihrem Erfolgsgeheimnis auf die Spur zu kommen.

Dann erfolgt der emotionale Abschied der Crew um John Kostecki mit Tony Kolb als einzigem Deutschen an Bord auf dem Weg nach Sydney. Auf dem Medienboot begleiten wir Journalisten die Flotte eine Zeitlang, und kaum ist das Kap der Guten Hoffnung gerundet, zieht eine Nebelwand über das Feld.

Die Hand vor Augen ist kaum zu erkennen. Sogenannter Seerauch hüllt die Schiffe ein. Das Phänomen entsteht durch eine Inversionswetterlage. Luftschichten unterschiedlicher Temperatur lagen übereinander. Das 16 Grad kalte Meerwasser verursacht “Dampf” in der 27 Grad warmen, feuchten Luft. Und die Inversion wirkt wie ein Deckel. Der laminare Luftstrom zwischen der Meeresoberfläche und der Inversionsschicht vermischt sich nicht mit der oberen Strömung. Deshalb kann der Wind die turbulenten Wirbel hinter den Segeln nicht wie üblich wegwehen. Sie werden als Spuren sichtbar.

Unheimliche Atmosphäre

Unten auf dem Wasser ist nicht viel von dem besonderen Phänomen zu merken. Es stellt sich wie normaler Nebel dar. Das ist schon unheimlich genug. Wir fahren lange Zeit sehr nahe neben der schemenhaft erkennbaren “Illbruck” her, die gut aus dem Start gekommen ist. Der Schall wird anders transportiert. Die Schoten knarzen lauter auf den Winschen, die knappen Kommandos klingen schärfer.

Aber nur über dem Feld, oben im Flugzeug, stellte sich die ganze Faszination der Szene dar. Dort fliegt der legendäre Schweizer Fotograf Daniel Forster und hält den Moment fest.

“Illbruck” auf der 8. Etappe von La Rochelle nach Göteborg
©Rick Tomlinson/VOR

Es ist der Auftakt zum zweiten Etappen-Gewinn der “Illbruck”, der schließlich zum größten Sieg einer deutschen Yacht bei einer der wichtigsten Segelregatten der Welt führt. Michael Illbruck hatte rund 20 Millionen Euro in die Volvo-Ocean-Race-Kampagne investiert, dem Amerikaner John Kostecki das Vertrauen geschenkt, und er wurde für seinen Mut belohnt.

Nach vier von neun möglichen Etappensiegen gewann das Boot vom Düsseldorfer Yacht Club vor der schwedischen “Assa Abloy” und “Amer Sports One” mit Grant Dalton. Im Nordatlantik holte der grünweiße Renner, der inzwischen als “Glashäger” bei Speedsailing im Chartermodus segelt, auch noch den 24-Stunden-Monohull-Weltrekord.

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Big Picture: Legendäres Bild vor Kapstadt – Wetterphänomen Seerauch“

  1. avatar Sascha sagt:

    Was am interessantesten ist, ist die Tatsache, daß man sehr deutlich die Randwirbel, die sog. Hufeisenwirbel hinter den Booten sehen kann! Dieser entsteht am Top der Segel durch die Umströmung von der Luvseite zur Leeseite (induzierter Widerstand). Theoretisch geht der Hufeisenwirbel bis ins unendliche in der Praxis zumindest einige Meilen, wie man auf den Bilder sehen kann. Die Wirbel können, abhängig von der Boots- bzw. Segelgröße Durchmesser von bis zu ca. 3-4 m erreichen!

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