Big Picture: “Tatigkeiten im Freien vermeiden” – Olympiasegler bei WMs in Australien

Dicke Luft

Paige Riley versucht, mit einer Atemmaske der schlechten Luft im Umkreis von Melbourne zu trotzen. © Laser AUS

Dieser Tage treffen Spitzensegler aus aller Welt in Melbourne ein, um sich auf die Weltmeisterschaften der Olympiaklassen im Laser, Laser Radial, 49er, 49erFX und Nacra17 vorzubereiten. Dabei dürften sie insbesondere von einem Bild verschreckt werden, das Laser Radial ex Weltmeisterin Paige Riley mit einer Atemschutzmaske zeigt.

Die Amerikanerin, die 2006 zum ISAF World Sailor of the Year gewählt wurde, und nun im Alter von 30 Jahren nach zwei Olympia-Teilnahmen endlich die ersehnte Medaille gewinnen will, hat sich mit dem Mundschutz gegen die “dicke Luft” gewappnet.

In der vergangenen Woche nahm sie bei den australischen Meisterschaften teil und konnte unter dem Einfluss der durch die Buschfeuer schwer belastete Luft kaum ihre erhoffte Leistung erbringen.

Die Situation in Australien hatte sich zwar Ende vergangener Woche ein wenig entspannt, am Wochenende fachten starke Winde und hohe Temperaturen aber weitere Feuer an. Die Behörden forderten fast eine Virtelmillionen Australier auf, sich in Sicherheit zu bringen. Gerade im Bundesstaat Victoria zu dem auch Melbourne gehört, ist die Lage kritisch.

“Anstrengende Tätigkeiten im Freien vermeiden”

Das Auswärtige Amt in Deutschland rät: “Halten Sie sich in von Rauch und Haze betroffenen Regionen möglichst in klimatisierten Räumen auf und vermeiden Sie anstrengende Aktivitäten im Freien.”

Die Brände würden lokal zum Teil starke Luftverschmutzungen verursachen. Die Rauchentwicklung könne je nach Wetterlage die Luftqualität auch in weit vom Brandherd entfernten Gebieten erheblich beeinträchtigen.

“In einigen Gegenden, insbesondere in New South Wales, in Victoria und im Hauptstadtbezirk ACT, ist die Luftbelastung immer wieder auch über längere Zeiträume auf einem gefährlichen Niveau”, heißt es weiter beim Auswärtigen Amt. “Chronische Atemwegserkrankungen und andere Lungenfunktionseinschränkungen können sich erheblich verschlechtern.”

Riley’s Geheimnis

Da dürfte es auch auf dem Wasser nicht viel Spaß machen. Während allerdings die Tennisspieler kurz vor dem Beginn der Australian Open in Melbourne am 20.1. um ihre Gesundheit sorgen und Superstar Novak Djokovic als Präsident des ATP-Spielerrats eine mögliche Verschiebung als Option ins Spiel bringt, geben sich die Segler entspannter. Eine Absage der für viele internationale Segler wichtigsten Regatta der Saison, bei der wichtige Weichen für die Olympiateilnahme gestellt werden, wird bisher nicht diskutiert.

Das Gros dürfte die Situation auch nicht so dramatisch wie Paige Riley empfinden. Denn die Laserseglerin deckte im vergangenen Jahr ein lange gehütetes Geheimnis um ihre angeschlagene Gesundheit auf. Die Amerikanerin, die einmal als beste Seglerin der Welt gefeiert wurde, dann aber in den vergangenen zehn Jahren mit überraschenden sportlichen Rückschlägen zu kämpfen hatte, erklärte, dass sie an einer seltenen Autoimmunkrankheit leidet. Gerade die Lungen bereiten Probleme.

Dennoch wolle sie eine dritte Olympiateilnahme anstreben und Menschen Mut machen, dass man auch mit einem chronischen Leiden, Leistung bringen kann. Bei Bedingungen wie zurzeit in Australien kommt sie aber offensichtlich an ihre Grenzen.

Bis zur WM bleibt aber noch etwas Zeit. Erst starten die Laser-Männer am 9. Februar. Die Radial Frauen sind erst am 21.2. dran.

Segler spenden für Opfer

Die 49er und Nacra17 sind ebenfalls in der Port Phillips Bay unterwegs, allerdings gut 70 Kilometer westlich von Melbourne in Geelong. Sie starten am 30. Januar zur WM 2020. Zurzeit ist die Lage dort entspannter als noch vor wenigen Tagen.

Die aktuelle Feuer-Karte von Victoria. Die Situation rund um Melbourne hat sich entspannt. © vic emergency

Viele Segler haben dennoch kein gutes Gefühl, ihren Sport in unmittelbarer Nähe zum Katastrophengebiet auszuüben. Einige haben sich einer Spendenaktion angeschlossen, die Feuer-Opfern in der Umgebung hilft, darunter Erik Heil und Victoria Jurczok.

Der Initiator schreibt: “Tausende Australier leiden! Wir gehen hier in Geelong segeln und es gibt Verwüstung nur ein paar hundert Kilometer entfernt! Helfen wir den Einheimischen, über diese harte Zeit zu kommen! Deine Spende an die Rote Kreuz Katastrophenhilfe hilft unseren Notfall-Teams, ihre Arbeit zu erledigen…”

Segelyachten unter rötlich, dunstigem Himmel im Einfluss der australischen Buschfeuer.© Joel Turner

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Big Picture: “Tatigkeiten im Freien vermeiden” – Olympiasegler bei WMs in Australien“

  1. avatar Laser-Fan sagt:

    Die Laser Seglerinnen vor Ort (Sandringham Yacht Club) informieren sich auch über die Luftqualität unter folgendem link, welcher diverse Messstationen im Staate Victoria verlinkt.
    link: https://www.epa.vic.gov.au/for-community/airwatch?siteId=d56ede8c-637a-41e9-a055-f53198e9456a , hier direkt für Brighton, aber man kann dann in der Übersichtkarte diverse Stationen aufrufen.
    Die Seglerinnen sind also schon durch die Bedingungen während der Australian Nationals sensibilisiert.

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    • avatar Carsten Kemmling sagt:

      Thx für die Info. Alles schwer zu glauben. Kann mich an meine erste Laser WM annodazumal beim Sandringham Yacht Club erinnern. Strahlender Himmel, blaues Wasser, toller Wind… Hoffentlich entspannt sich die Lage bald

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