Big Picture: Um den geheimnisvollen Kirchturm kreuzen – Opti-Ausflug auf dem Reschensee

Der Turm im See

Ein Kirchturm mitten im Wasser? Auf dem Weg zum Gardasee sah Familie Unkelbach am Reschenpass in Südtirol dieses erstaunliche Wahrzeichen. Da wollte man bei nächsten unbedingt mal segeln. Gesagt getan.

Die Unkelbach Zwillinge am legendären Reschensee Kirchturm. © F. UnkelbachAuf dem Weg zur Optimist-Regatta am Gardasee pausierten die Düsseldorfer Zwillinge Loulou und Emmi Unkelbach (11) mit ihren Eltern am Reschensee und staunten über den markanten Turm, der aus dem Wasser ragte. Was es damit wohl auf sich hatte? Eine versunkene Kirche? Eine geheimnisvolle Stadt unter Wasser?

© F. Unkelbach

Das Rätsel um den das Wahrzeichen des Reschensees in Südtirol, der unter Seglern allenfalls eine Bedeutung für die Kufen-Sportler hat und schon mal ziemlich gefährlich werden kann, war schnell gelöst. Der “Turm im See” ist schließlich ein beliebtes Postkartenmotiv. Er gehört zu einer romanischen Kirche aus dem 14. Jahrhundert und wird für Touristen als “stummer Zeitzeuge einer verantwortungslosen See-Stauung kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges” beworben.

Der Kirchturm von Graun im Reschensee. © Noclador – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0

Der Reschensee ist mit seinem Umfang von 15,3 km und einer maximalen Tiefe von 45 Metern erst 1950 nach Plänen entstanden, die während der italienischen Faschismuszeit ausgearbeitet worden waren. Nach dem Errichten der Staumauer 1950 wurde rigoros das gesamte Dorf Graun und ein Großteil des Dorfes Reschen versenkt, um die durch Wasserkraft erzeugte Energie insbesondere in die Schweiz verkaufen zu können. 163 Häuser wurden zerstört, gut 150 Familien ihrer Existenz beraubt und etwa die Hälfte zur Auswanderung gezwungen. Die Entschädigungen waren bescheiden. Heute steht der Turm im Reschensee unter Denkmalschutz.

Die Unkelbachs nahmen sich vor, bei der nächsten Tour zum Gardasee, ihre Optis abzuladen und diesen Turm zu umsegeln. Nun war es so weit. Ein abenteuerliches Erlebnis für die beiden aufstrebenden B-Seglerinnen vom Düsseldorfer Yacht-Club, die bei der ersten Saison-Regatta am Baldeneysee auf den Plätzen zwei und drei landeten und am Gardasee in den Schulferien weiter an ihrer Form arbeiten wollen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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