Blaues Band vom Balaton: Großregatta Ende Juli – Gäbler bereits im Training

Auf dem Plattensee geht’s rund

Der Segelsport in Ungarn kehrt zurück zur Normalität. Das Blaue Band vom Balaton (Kekszalag), laut Eigenwerbung das älteste Rund-um-Rennen Europas, soll am 30. Juli starten. Zum 50. Jubiläum vor zwei Jahren kamen über 600 Boote. Mitten in den Vorbereitungen auf einen Start auf dem Plattensee steckt auch Roland Gäbler mit seiner Crew von der „Black Jack“. Seit Mitte Juni segelt der Tornado-Bronzegewinner von 2000 mit dem Decision 35-Kat wieder Regatten auf dem Balaton und berichtet hier:

Seit Mitte Juni ist roland Gäbler mit seinem “Blac Jack”-Team wieder auf dem Wasser. Foto: Black Jack Team

Wird das noch was mit dem Segeln im Jahr 2020? Seit dem Kings Cup Anfang Dezember waren sechs Monate vergangen. Viele Regatten abgesagt. Einige verschoben. Kein Training auf dem Wasser möglich. Grenzen dicht. Dazu eine wochenlange Quarantäne inklusive Homeoffice und Fitnesstraining. Unser Team hat das diszipliniert durchgezogen, um spontan wieder durchstarten zu können.

Und plötzlich war der Tag da. Am 15. Juni wurden die Grenzen nach Ungarn geöffnet. Schnell alle Sachen packen und Abfahrt zum Balaton. Denn dort wartete schon das komplette Segelteam. Das Kranen des Schiffes war zügig erledigt, und die Segel schnell oben. Ein Tag Training und dann ab ins erste Rennen der Saison 2020.

Kekszalag, Balaton

Die Vorbereitungen auf das Blaue Band vom Balaton laufen. Die größte Binnensee-Regatta Europas bietet stets eine imposante Startlinie. © Szanto Aron

Mit Böen bis zu 6 Bft ging das auch gleich zackig los. Segel dicht und fliegender Start. Dass wir dabei auf ein Reff im Großsegel verzichtet hatten, wurde uns dann auf den raumen Kursen fast zum Verhängnis. Und auf der anderen Seite des Sees stand auch noch eine kurze steile Welle, die ein Unterschneiden nach dem anderen verursachte. Irgendwie schafften wir es dann doch ohne Kenterung um die Leemarke zu kommen.

Das „Team RSM“ mit Ihrem hochgetakelten AC45 machte es besser und lag klar vor uns auf einem langen Am-Wind-Kurs. Nach ein paar Kilometern ruppiger Fahrt fanden wir auch wieder zu unserem Rhythmus. Kurz vorm Ziel eroberten wir uns die Führung zurück und gingen als Sieger über die Ziellinie. Über dieses wilde Rennen und das Comeback haben wir uns besonders gefreut.

Flautensegeln gab es zur zweiten Regatta. Doch auch bei glattem See kommen die hochgetakelten Kats gut in Fahrt. Foto: Black Jack Team

Bei der zweiten Regatta, dem Silbernen Band des Balatons waren dann die Windbedingen komplett anders. Leichte Brise mit 1 bis 2 Bft. Dazu ein großer Dreieckskurs über den gesamten östlichen Teil des Sees. Trotz eines guten Starts setzen wir auf die falsche Seite der ersten Kreuz und lagen an der Wendemarke auf dem sechsten Platz. Also Kommando „Fast Forward“ und Aufholjagt starten.

Es lief gut an. 500 Meter vor dem Ziel lagen wir auf Platz vier. Nicht weit vor uns standen unsere Konkurrenten vor der Halbinsel Tihany in der kompletten Flaute. Die Frage: Auf welcher Seite wollen wir diese angreifen. Wir versuchten es über die Mitte des Sees, dort wo die Abdeckung geringer war. Doch der neue Wind setze so ein, dass wir ihn etwas zu spät erwischten. Wir hatten keine Chance mehr. Am Ende gingen wir als Fünfte durch Ziel.

Bei der dritten Regatta lief es dann besser. Wieder ordentlich Wind. Top Start und Erster an der Wendemarke. Und dann: Ein fieser Knoten in der Schot fest verklemmt im Block. Das Vorsegel flatterte im Wind. Wir kentern fast. Die Crew in voller Action. Und die Konkurrenz zieht vorbei. Nachdem wir alles wieder klariert hatten, kämpften wir uns noch bis auf Platz zwei vor. Aber wenn man erst mal vorne liegt, will man da auch bleiben. Nun ja, das ist eben Regattasegeln.

Das “MKB Prospex”-Team hatte wenig Glück bei der dritten Regatta und steckte beim Unterschneiden den gennakerbaum in den Schlamm des Plattensees. Foto: MKB Prospex / Kerekes Zsombor

Und manchmal ist es auch zu viel, wie es unsere härtesten Konkurrenten gezeigt haben. Das „MKB Prospex“-Team, ebenfalls ein Decision 35-Katamran, unterschnitt unter Gennaker und bohrte sich mit dem Gennakerbaum tief in den Schlamm. Zum Glück wurde niemand verletzt. Doch der Schaden am Boot war erheblich. Beim Unterschneiden hat der Bug den Grund berührt. Der Mast steckte dann auch noch fest im Schlamm. Das Freiziehen und Aufrichten dauert eine Stunde. Die Reparatur wird eine Woche dauern.

Rund eine Stunde dauerte es, bis der Kat wieder stand. Foto: MKB Prospex / Kerekes Zsombor

Für uns heißt es nun: Die Fehler sind analysiert. Jeder weiß was zu tun ist. Es wird weiter intensiv trainiert. Ende Juli soll es bei dem großen Blauen Band des Balatons besser laufen. Dort gehen rund 500 Boote an den Start. Seit 1934 wird das Rennen ausgetragen, in diesem Jahr wird es die 52. Auflage sein. Die Konkurrenz hat mächtig aufgerüstet. Es kommen weitere schnelle Katamarane dazu. Es wird richtig eng an der Startlinie. So spannend wie nie zuvor. Die Vielseitigkeit der Boote und deren Innovationen sind einmalig. Wir werden wie immer unser Allerbestes geben!

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