Bol d’Or Mirabaud: 40 Mastbrüche im 60 Knoten-Sturm – Rauschefahrt bis der Mast kommt

Apokalypse

Die Bol d’Or Mirabaud 2019, das wichtigste Langstreckenrennen der Schweiz auf dem Genfer See, wird als eines der härtesten in die 81-jährige Geschichte der Regatta eingehen.

Laut Wetterstation sollen bis zu 60 Knoten starke Böen über den See gerauscht sein. Wohl 40 Masten sind gebrochen,  Segler stürzten über Bord, 212 von 465 Booten gaben auf. Mehrere Schiffe sanken, gleich fünf M2-Katamarane kenterten, ebenso die große Libera “Principessa”. Teilnehmer sprechen von Bedingungen mit apokalyptischen Ausmaßen.

Das ganze Video (7 :43 min) wie der Sturm einsetzt, die Surprise beschleunigt und schließlich der Mast bricht:

Bol d'Or

Eine Yacht wird noch unter Gennaker erwischt. © Loris Von Siebenthal

Während unabhängig von der Regatta eine Frau verstarb, als ein Ausflugsboot vor Vésenaz im Sturm versank, soll es unter den Seglern keinen ernsthaften Unfall gegeben haben. Die Veranstalter loben die “großartige Seemannschaft” der Teilnehmer und machen wohl drei Kreuze, dass es keine schweren Verletzungen gab.

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Die Sturmfront schiebt sich über den genfer See. © Loris Von Siebenthal

Das Sicherheitskonzept habe bestens funktioniert erklärte Rodolphe Gautier, Präsident des Organisationskomitees. “Die über den See verteilten Rettungsteams haben hervorragende Arbeit geleistet und taten alles, um die Sicherheit der Besatzungen zu gewährleisten. Météo Suisse hat die Situation sehr genau vorhergesagt und die Informationen an die Wettbewerber weitergegeben. Die Segler waren also bereit, als die starken Winde einsetzten, und sie haben die Situation gut gemeistert. Sie folgten den Anweisungen auch in den extremsten Situationen. Mein Dank an die freiwilligen Helfer.  Hut ab vor ihrer  entschlossenen Arbeit.”

Bol d'Or

Dieses Vorsegel hat es hinter sich. © Loris Von Siebenthal

Der Moment, als der Sturm über den See jagt, sieht sehr beängstigend aus. Besonders die Flotte der 101 Yachten in der Suprise Einheitsklasse wurde schwer gebeutelt. Das Video oben zeigt, wie eine Surprise ihr Rigg verliert.

Bol d'Or

Die Böenwalze rollt über eine Yacht. © Loris Von Siebenthal

Aber am Ende gab es auch in diesem Jahr wieder Ergebnisse, und es zählte, wer die 65,5 Meilen von Genf nach Le Bouveret und wieder zurück am schnellsten bewältigte. Yann Guichard und sein Team “Ladycat Powered by Spindrift Racing” führte den Décision 35 Kain 10 Stunden und 36 Minuten über den See und behauptete einen Vorsprung von knapp drei Minuten auf den nächsten D35 sowie gut sechs Minuten auf Ernesto Bertarelli mit Alinghi. Guichard hatte früh die Führung übernommen und dem Sturm getrotzt, obwohl er das Großsegel nicht bergen konnte, weil das Fallenschloss blockierte.

Bol d'Or

Die Katamarane versuchen schnellstmöglich ihre Großsegel zu bergen. © Loris Von Siebenthal

 

Tipp: Thorsten Paech

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

5 Kommentare zu „Bol d’Or Mirabaud: 40 Mastbrüche im 60 Knoten-Sturm – Rauschefahrt bis der Mast kommt“

  1. avatar Lukas Abegg sagt:

    Ich finde es toll, dass auch Beiträge aus der Schweiz erstellt werden.
    Jedoch bin ich mir fast sicher das im Video keine Surprise zu sehen ist, sondern eine Grand Surprise, was doch einen erheblichen Unterschied macht.
    Meines erachten sollte dies in einer Segelzeitschrift richtig stehen.
    Und die Wetterbedingungen im Haut Lac, dem obersten Ende des Sees waren mit bis zu 120kmh Wind, 2m Wellen, Blitz und Hagel etwas vom extremsten, was ich auf dem Kielschwert bis jetzt ausgestanden habe.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 2

  2. avatar Segler sagt:

    Ein eindrucksvolles Video, vielen Dank für’s Teilen. Als die ersten Verfolger Sonnenschüsse gefahren sind, wäre es vielleicht klug gewesen, schnell das Groß zu bergen. Aber wohlmöglich war es dafür ja auch schon zu spät und man hat sich gesagt “Augen zu und durch”

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  3. avatar Wilfried sagt:

    Es hat überhaupt nichts mit guter Seemannschaft zu tun unter vollem Groß abzulaufen bis der Mast bricht oder von einer solchen Gewitterwolke mit Gennaker erwischt zu werden. Die Libera die komplett die Segelgeborgen hat und abläuft bis alles durch ist die handelt verantwortungsvoll. Ich hoffe das keine Versicherung solche Schäden reguliert.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 14

    • avatar Holgerson sagt:

      Es war ja ziemlich klar, dass sich hier schnell wieder Experten finden, die nach Sichtung eines! Videos genau wissen, wie man es doch lieber besser gemacht hätte. Mit einem Kielschiff und einer offenbar recht eingespielten Crew kann man diese Entscheidung durchaus treffen (dass das Vorschiff nicht unbedingt der sicherste Platz ist, war dort offenbar recht schnell klar..). Mit einer Libera wird das sicherlich kein erfahrener Skipper ausprobieren, der Vergleich hinkt ziemlich… Ich wünsche dir, dass du beim Anschauen solcher Videos etwas Freude empfindest, anstatt anderen gleich das Schlimmste für den Versicherungsfall zu wünschen. Es war eine Regatta und es wurde niemand verletzt..
      Grüße

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 13 Daumen runter 0

  4. avatar Andreas Borrink sagt:

    Es ist allgemein zu beobachten, dass Bootshandling und Seemannschaft (auch auf einem See) stetig an Bedeutung verlieren. Offenbar wird das in den Segelschulen nicht mehr gelehrt und von den “alten Hasen” nicht ausreichend weitergegegeben. Da verwundert es kaum, wenn so eine durchziehende Front zu derart vielen Havarien und Schäden führt.

    Auch hier im Verein machen wie die Erfahrung, dass ein Fürerschein zwar toll aussieht, aber keinewegs zum Führen eines Bootes – geschweige denn einer Yacht – befähigt. Dazu siehe auch das Elbe-Lotsenkutter-Desaster, das man nicht einmal kommentieren mag. Interne Schulungen und Prüfungen sind bei uns die Folge, damit es wenigstens nicht zum Schlimmsten kommt.

    Denn merke: auch ein See, der an 360 Tagen im Jahr ein Amfängerparadies ist, eignet sich an den restlichen 5 Tagen zum Ertrinken! Nur gut, dass die Segler offenbar exclusiv für sie abgestellte Schutzengel haben……

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 8 Daumen runter 15

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