Bootstransporte: Vom Einzelkämpfer zum 60-Personen-Betrieb – Glogau feiert 35 Jahre

30 Sattelzüge, 45 Trailer

Torsten Glogau sitzt noch immer gerne am Lenker und chauffiert schicke Yachten durch Europa. Den Ex-Cupper “Outsider” brachte er von Düsseldorf bis nach Strande © Glogau

Mit einem großen Frühstück für alle Mitarbeiter feiert Familie Glogau heute das 35-jährige Bestehen ihres Yachttransportunternehmens. Und alle Fahrer, die gerade mit ihrer kostbaren Fracht auf Tour sind, bekommen eine Einladung zum Essen. Während Gründer Torsten Glogau 1985 allein mit einem LKW startete, sind bei dem Unternehmen heute rund 60 Mitarbeiter beschäftigt. SegelReporter sprach mit der frischgebackenen zweifachen Mutter Saskia Neumann-Glogau über spektakuläre Yachttransporte, den täglichen Kampf mit der Bürokratie und die Vorteile eines familiengeführten Unternehmens

Zusammen mit deinem Bruder leitest du als Geschäftsführerin in zweiter Generation das Familienunternehmen. Welche Vorteile entstehen durch diese Konstellation?
Unser Betrieb läuft 24/7, ohne Pause, auch am Wochenende. Da ist es gut, wenn man die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen kann. Bei uns hat der Übergang von der Gründergeneration, in dem Fall mein Vater Torsten, auf meinen Bruder Kolja und mich gut geklappt. Dabei haben wir die Aufgabengebiete schon frühzeitig aufgeteilt und sinnvoll strukturiert. Ich kümmere mich mehrheitlich um die kaufmännischen Bereiche, mein Bruder ist für den immer komplexer werdenden technischen Bereich verantwortlich. Eines unserer gemeinsamen Hauptanliegen ist es, einen engen Kontakt zu den Mitarbeitern herzustellen und zu halten, damit sich jeder bei uns wohlfühlt und eine gute Arbeit leisten kann. Mein Vater hat sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und übernimmt inzwischen wieder ausgewählte Fahrten. Er sitzt einfach gerne am Steuer eines großen Sattelschleppers!

Saskia Neumann-Glogau als kleines Mädchen hoch auf dem Bock © Glogau

Könnten dein Bruder und du selbst auch am Steuer eines großen LKW Platz nehmen und das große Gefährt sicher lenken?
Wir haben beide die entsprechenden Führerscheine und können einspringen, wenn es nötig ist. Ich denke, wenn man so ein Unternehmen leitet, ist es wichtig, diese elementare Seite unserer Dienstleistung selbst zu kennen und zu verstehen. Mein Vater, der in den 80er Jahren die deutschen Yachten „Diva“, „Pinta“ und „Rubin“ für ihren Einsatz beim Admiral’s Cup gefahren hat, konnte dieses Jahr nach der boot Düsseldorf die alte „Outsider“, die auf der Messe ausgestellt war, zurück nach Strande transportieren. Das hat ihn persönlich sehr gefreut und ihm richtig Spaß gebracht. Gerade bei diesen Einsätzen für die deutsche Segelszene, wo hinter den Namen der Schiffe Gesichter und Geschichten stecken, ist es toll, wenn wir eine professionelle Dienstleistung mit einem herzlichen, persönlichen Einsatz verknüpfen können. Und es sind genau diese Touren, für die sich mein Vater jetzt wieder gerne einteilen lässt.

Zu den besonders prestigereichen Aufträgen gehörte der Transport der “Fram IX” des norwegischen Königs © Glogau

Dein Vater fing vor 35 Jahren als Einzelkämpfer an, inzwischen ist das Unternehmen zu einem mittelständischen Betrieb herangewachsen. Wie viele Mitarbeiter beschäftigt ihr?
Neben 20 Mitarbeitern in der Verwaltung, der Disposition und der Werkstatt sind bei uns 40 Fahrer beschäftigt. Yachten oder auch Masten transportierten zu können gilt noch immer als besonders prestigeträchtiger Bereich in der Fahrerbranche. Unsere Touren sind abwechslungsreich, führen zu den schönsten Küsten und Häfen Europas und sind durch die verschiedenen Schifftstypen und Transportanforderungen nie so eintönig wie zum Beispiel der Transport von immergleichen Rotoren für Windkrafträder zum selben Zielort. Mehrfach wurden Fahrer von uns in der DMAX Serie „Asphaltcowboys“ vorgestellt, das hat uns bei den Fahrern noch einmal einen echten Popularitätsschub gegeben.

Wie groß ist euer Fuhrpark?
Wir haben 30 Sattelzüge, Zwei-, Drei- und Vierachser, dazu 45 Trailer und 15 Begleitfahrzeuge. Darin ist auch ein Großteil unseres Kapitals gebunden, ein Sattelschlepper ist bei uns rund 10 Jahre im Einsatz, die oft für höchst spezielle Transporte maßgefertigten Trailer sind länger dabei.

Die Glogau Firmenzentrale in Neumünster. Zum Fuhrpark des Unternehmens gehören 30 Sattelschlepper © Glogau

Wann sind eure auftragsstärksten Monate?
Neben der Messesaison in den Wintermonaten beginnt im Februar die Auslieferungssaison bei den Werften. Bis September fahren wir vor allem nach Greifswald, Giebelstadt, Haderslev oder auch in die Niederlande, nach Polen und vor allem an die Westküste Frankreichs und nach Italien, um werftneue Yachten abzuholen und in ihre neue Heimatmarina zu bringen. Viele der Transporte gehen in den Mittelmeerraum, nach Frankreich, Spanien, Griechenland und an die Adriaküste – überall dahin, wo Yachteigner Urlaub machen.  Das ganze Jahr über transportieren wir zudem Gebrauchtboote an ihren neuen Liegeplatz und Regattayachten von einem Event zum nächsten.

Ein beeindruckend langer, 56 Meter langer Mast wurde von Hamburg bis zur finnischen Werft Nautor’s Swan transportiert © Glogau

Wie viele Transporte wickelt ihr pro Jahr ab?
Jährlich haben wir rund 2.000 Transporte von Segel- und Motoryachten und Masten. Wir transportieren alles ab 28 Fuß Länge bis rund 70 Fuß Länge, wobei die Breite 7 Meter nicht überschreiten sollte. Unsere Transporte werden weniger durch die Länge und Breite als durch die Höhe der Schiffe begrenzt. Bei mehr als sechs Metern wird es sehr schwierig, weil nicht nur Bäume den Transport behindern, sondern vor allem die Brückenhöhen. Um den Verkehr möglichst wenig zu behindern sind unsere Fahrer mit ihren Transporten oft nachts unterwegs und nehmen große Umwege außerhalb von Ortschaften in Kauf. Das Gros der Schiffe, die wir transportieren, ist zwischen 45 und 50 Fuß lang.

Höher als sechs Meter dürfen die Schiffe nicht sein, die über die Strasse transportiert werden. © Glogau

Welcher Transport hat euch bisher am stärksten gefordert?
Unser kompliziertester Transport in den letzten Monaten war die Überführung einer Princess 60 Motoryacht aus den Niederlanden bis nach Kressbronn am Bodensee. Im Vorfeld des Transportes haben kurzfristige Straßensperrungen und Baumschnittarbeiten koordinieren müssen und den gesamten Weg der Yacht Kilometer für Kilometer detailliert vorbereitet. Zu den für Segler spektakulärsten und auch schönsten Transporten gehörten die „Ran“ von Niklas Zennström und die Yacht des deutschen America’s Cup Teams 2007 „United Internet Team Germany“.

Welche Herausforderungen seht ihr für die Zukunft?
Wir sehen einen immer weiter steigenden Verwaltungsaufwand, vor allem, weil für die Schwerlasttransporte immer neue Auflagen erlassen werden. Diese steigenden Kosten müssen wir leider auch auf die Kunden umlegen. Hinzu kommt eine Behinderung unserer täglichen Arbeit durch die vielen Baustellen, gerade auf den deutschen Straßen und Autobahnen. Unter dem Fachkräftemangel leiden wir noch nicht, unsere Mitarbeiter bleiben sehr lange bei uns. Aber wir sehen uns mit den steigenden Anforderungen an eine ausgewogene Work-Life-Balance konfrontiert – ein Anspruch, der gerade in einem Transportunternehmen, dass rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr beschäftigt ist, sehr schwierig ist. 

Die Transporte haben meist Überbreite, so dass Routen über Landstraße gewählt werden müssen © Glogau

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