Boris Herrmann gibt Einblicke in das Bordleben auf “Neutrogena”

Zum Mittag gibt es Walfisch aus der Tüte

Ryan serviert Boris das Frühstück an Bord der "Neutrogena". Die wilde Rauschefahrt ist erst einmal vorbei. © Boris Herrann Racing

Boris Herrmann und Ryan Breymaier haben in der Nacht viel Boden verloren. Ihr etwas östlicher Kurs hat sie zu nahe an eine Flautenzone gebracht, die sie innerhalb eines Tages fast 70 Meilen auf die bis dahin unmittelbar vor ihnen platzierte “Groupe Bel” verlieren ließ. “Renault”, die vor zwei Tagen noch 220 Meilen zurück lag, ist jetzt bis auf 70 Meilen wieder herangekommen.

Während die beiden Boote an der Spitze schon Richtung Notstopp in Brasilien abdrehen parkt die Crew der “Neutrogena” in der Flaute und ärgert sich, dass die “Groupe Bel” eben noch fast Bord an Bord lag und doch knapp vor ihnen dem Einfluss der Doldrums entwischt zu sein scheint.

Karte vom 14.1. "Neutrogena" (rot) hat auf die Spitze verloren. "Renault" (gelb) und "Gaes" haben von hintern aufgeschlossen.

Aber Boris Herrmann macht gute Miene zum bösen Spiel. Die Flautenzeit gibt ihm die Zeit, seine Gedanken aufzuschreiben. “Ich sitze etwas zusammengesackt auf der Rettungsinsel und schaue auf das bizarre Wolkengebilde, hinter dem die Sonne gerade untergegangen ist. Etwas Flamencomusik trällert dezent in meinen Ohrstöpseln. Langsam esse ich mein superheißes Chickencurry. Mit einem Metalllöffel – ich habe nämlich einen, im Gegensatz zu Ryan. Der hat sich einen Plastiklöffel eingesteckt.

Er schläft jetzt gerade auf dem Spi im Vorschiff unter der offenen Luke, halbtot nach einem zwanzig Stunden Arbeitstag. Doch darüber später mehr. Erstmal genieße ich den ersten Moment langsamen Atmens. Dasitzen, essen und betrachten. Wenn ich mich betrachte, stelle ich zufrieden fest, dass ich gut dufte, nach meiner ersten Seewasserdusche heute.

Um wirklich sicherzustellen, dass ich nicht frieren würde, hab ich bis hier, 50 Meilen vorm Äquator, gewartet. Hier ist die See weicheiige 30 Grad warm – und im übrigen Tiefblau, wie man sich das sonst eher in großer Tiefe vorstellt. Bei meiner Eimerdusche vorhin dachte ich ebenso zufrieden:

Die ersten beiden Yachten drehen schon Richtung Brasilien ab. Bald muss das Feld nach Südosten steuern.

Eigentlich geht der Törn jetzt erst richtig los, so einmal komplett in unserem Element gesalbt, wirklich angekommen hier draußen. Die ersten erheblichen Probleme und Mutproben haben wir be- und diesen Tag überstanden, also jetzt kann der Südost-Passat kommen und das Rennen zum Southern Ocean, unserer Destination, starten.

Voller Güte lächle ich beim Verspeisen meines Chickencurries. Der Hersteller gewinnt Tag für Tag meine Sympathien. Die Firma ist aus Tromsö in Norwegen und schreibt auf ihre knall-orangene Verpackung, aus der ich gerade mit meinem Metalllöffel löffle: „Vilkommen til var restaurant!“. Das Zeug schmeckt wirklich nicht schlecht. Das Auge isst zwar bekanntlich mit – und bei diesem warmem Orange und dem netten Spruch, dazu ein Foto der norwegischen Alpenlandschaft – da geht es einem runter, wie Superchickencurry.

Die Firma beliefert das norwegische Militär. Mit denen würde ich mich nicht anlegen! Wir haben allerdings auch ein ungewöhnliches Gericht von denen im Sortiment: Walfischkasserolle. Ein Skandal? Nein, ein Übersetzungsfehler, nehme ich an. Gemeint ist wohl “Seewolf”. Die übersetzen das aber fälschlich mit “Walfish” anstatt “Wolffish”.

Silbrig hat sich das Abendlicht auf uns und die ölige See herabgesetzt. Mild ist das Licht und die Luft. Alles ist mild. Ich bin ja meist eh mild aber sogar Ryan war heute abend mild, so erschöpft kaum noch imstande auf dem in der Flaute schwankenden Schiff nach vorne zu laufen.

Auch in dieser Hinsicht sind wir im Rennen angekommen: Die Nerven liegen nicht mehr sofort bei jedem kleinen Windloch blank. Wir sehen die Opfermeldungen von „der Front“: Schiffe, die Probleme haben – was uns zugleich bewusst macht, dass wir Schwein haben mit unserem Gefährt und allem. Mit unserer Zuversicht, es nonstop schaffen zu werden.

In der Wertung der Nonstop Weltumsegler in diesem Rennen sind ja nun schon drei ausgefallen. “President”, “Virbac” heute und “Foncia”. Wir haben kaum Informationen hier, denn an Land denkt man ja an alles und vor allem das Publikum – aber uns mal zu erzählen, was da bei den anderen abgeht, vergisst man leicht. Trotzdem, Ryans Frau hält ihn etwas auf dem laufenden und er erzählt es mir….”

Der Rest des interessanten Artikels, wird auf der Website von Boris Herrmann fortgesetzt. Dabei schreibt er über die vielen kleinen Arbeiten an Bord, die zu völliger Erschöpfung führen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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