Boris Herrmann: “Malizia” segelt auf Rang 12 ins Ziel – Neue Flügel wären hilfreich

Vorgeschmack auf die große Runde

Boris Herrmann und Will Harris haben die Transat Jacques Vabre einen Tag und zehn Stunden hinter den Siegern auf Rang 12 beendet. Es fehlte ihnen das glückliche Händchen.

Nach dem Höhenflug um die Transatlantik-Überquerung mit Greta Thunberg ist Boris Herrmann wieder ziemlich hart auf dem Boden gelandet. Für die Transat Jacques Vabre, die als wichtiger Test vor der Vendée Globe im nächsten Jahr zählt, hatte das Malizia-Team einen Platz unter den Topp Fünf anvisiert, da ist Rang 12 eine Enttäuschung.

Der deutsche Skipper lässt sich das aber nicht anmerken. Noch auf dem Atlantik bringt er die Vorfreude auf die Vendée zum Ausdruck und kündigt dabei an, “Malizia” möglicherweise einen Satz neuer Tragflächen zu verpassen. Es sei allerdings noch nichts entschieden:

Es könnte auf jeden Fall  hilfreich sein. Zu Beginn dieser Transatlantik-Regatta konnte “Malizia” allerdings durchaus mithalten, bis die fatale, unglückliche Entscheidung zugunsten der West-Option fiel. Auf dem Weg nach Süden konnte sich das deutsch-britische Skipper-Duo mit Wind von Steuerbord mehr als zwei Tage lang Seite an Seite mit der neuen “Hugo Boss” halten bevor diese havarierte.

Und auch der parallele Vergleich mit “Bureau Vallée 2”, dem letztmaligen Vendée-Sieger (ex “Banque Populaire”) fiel nahezu unentschieden aus. Beim Einfahren in die Doldrums verringerte sich sogar der Rückstand auf den angestrebten fünften Platz auf rund 50 Meilen, aber “Malizia” segelte fast exakt auf der Spur der schwer gebeutelten “Charal” in die Flaute. Sie löste sich nicht wie erhofft auf. Links und rechts zogen die Gegner davon.

Will Harris und Boris Herrmann haben die TJV auf Rang 12 beendet. © Malizia

Neue Tragflächen würden in solchen Situationen nicht helfen. Schließlich segelte die alte “Hugo Boss”(“11th hour”) mit einem Foil-Paar der “Maliza”-Generation auch auf Platz fünf. Aber was Charlie Enright und Pascal Bidégorry beim Reach entlang der brasilianischen Küste erleben mussten, gibt einen Vorgeschmack darauf, wie es bei der großen Runde im nächsten Jahr aussehen wird.

“Charal” und “Advens” waren teilweise zwei bis drei Knoten schneller und vermasselten dem US-Skipper den Podiumsplatz. Bei der großen Runde um die Welt sind die Raumschots-Anteile noch stärker ausgeprägt, und wenn auch im Southern Ocean effektiv gefoilt werden kann, werden die Leistungs-Unterschiede zwischen den alten und neuen Foil-Generationen noch dramatischer ausfallen.

Die Form des Malizia-Flügels unterscheidet sich deutlich von denen der aktuellen Generation. © Malizia

Dass es mehr um die Form der Flügel als das Alter der Yachten geht, zeigt der starke zweite Platz von “PRB” (Bj 2009), deren Crew sich schließlich doch noch der heranstürmenden “Charal” erwehren konnte. Und auch Samantha Davies bestätigte mit ihrer neun Jahre alten stark modifizierten und mit Mega-Foils gepimpten “Initiatives-Cœur”, dass sie im Flug-Modus den Abstand zu den neuesten Fliegern stabil halten konnte.

Foil, IMOCA, Boris Herrmann, Sam Davies

Ist jetzt Sam Davies so klein oder das Foil wirklich so gigantisch? © initiative coeur/zedda

Bei der Vendée Globe werden 2020 unter den 37 Teilnehmern nun vermutlich neun neue Konstruktionen an den Start gehen, und weitere Skipper ihre IMOCAs mit langen Flügeln aufrüsten. Vielleicht gelingt es auch Boris Herrmann, das Budget für eine solche Investition zusammenzubekommen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Boris Herrmann: “Malizia” segelt auf Rang 12 ins Ziel – Neue Flügel wären hilfreich“

  1. avatar T.B. sagt:

    Wie viele andere auch, beobachte ich Boris Kariere seit dem Portimao Global Race mit Felix Oehme mit der Class 40. Seit dem hat er sich kontinuierlich weiter entwickelt. Gerade auch in der Breite des Ozean-Segelns. Sowohl Einhand, Zweihand wie auch mit Crew (Maserati) oder auf Mulihulls.
    Seit längerem jetzt das Engagement mit Malizia / Yacht Club de Monaco. Das kontinuierlich entwickelt wird. Dazu der PR-Stunt mit Greta über den Atlantik, der ihn schlagartig auch bei nicht Seglern bekannt gemacht hat. Das Ergebnis bei diesem Rennen liegt im Rahmen des Erwartbaren wenn man das Nicht-Glück des Westausflugs berücksichtigt.
    Jetzt scheint sich zu entscheiden ob er im nächsten Jahr bei der Vendee nur mitfahren wird oder ernsthaft im Vorderfeld mitmischen kann. Nur mitfahren wäre ohne Frage auch ein großer Erfolg! Aber Vorne mitmischen wäre einfach cooler. Von seine Fähigkeiten ist es ihm zuzutrauen.
    Was er braucht sind neue Foils bzw. ein Foil-Programm. Das wird kosten…. Ein Großteil scheint gesichert, aber es fehlt wohl noch was.
    Also, liebe Vorstände der Deutschen Industrie, lieber Mittelstand, liebe Top-Entscheider….. hier ist endlich mal ein wirklich vielversprechender, bekannter, eloquenter und telegener junger Mann aus Deutschland der es schaffen kann. Ein besseres Werbegesicht kann man sich kam backen.
    Wie wäre es mal mit einer kleinen Investition, bei der man eigentlich nicht verlieren kann.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 19 Daumen runter 2

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