Boris Herrmann Talk: Der neue Vendée Globe Zyklus ist gestartet – Keine Zeit für Urlaub

"Es zählt jeder Tag"

Boris Herrmann spricht im Talk mit Johannes B. Kerner über die nächsten Schritte seines Projektes. Die Weichen für einen IMOCA Neubau sind gestellt.

Es läuft für Boris Herrmann. Nach seinen Auftritten beim ZDF Sportstudio, dem Tagesspiegel, oder Markus Lanz hat er seine Bekanntheit in Deutschland weiter steigern können. Und offenbar zahlt sich das für den Profisegler nun auch in barer Münze aus.

“Ich habe mich schon wieder voll in die Arbeit gestürzt für den nächsten Zyklus”, sagt Herrmann in der Talksendung “Bestbesetzung” mit Johannes B. Kerner, ein Format, das sein Oktober 2019 exklusiv für Telekom-Magenta-Kunden ausgestrahlt wird. 60 Minuten lang unterhält sich der Moderator jeweils mit Sport- und Show-Größen wie Jürgen Klopp, Dirk Nowitzki oder Boris Becker. In der neunten Episode folgt Boris Herrmann auf Ina Müller. Das Studio ist beim NRV an der Alster aufgebaut.

Boris Herrmann spricht mit Johannes B. Kerner im NRV.

Bei Kerner sagt Herrmann unter anderem: “Ich will in vier Jahren wieder dabei sein und dafür ein neues Schiff bauen.” Dabei bekräftigt er auch seine Absicht, dass er nach wie vor nicht nur die Vendée Globe im Auge hat, sondern auch The Ocean Race, das Etappenrennen mit Fünfer-Crew um die Welt, das 2022 starten soll.

“Es dauert fast 18 Monate, ein neues Boot zu bauen und da zählt schon jetzt wieder jeder Tag. Bis Ende April will ich die wichtigsten Verträge unterschrieben haben und die wichtigsten Partner für das neue Projekt committen.” Dann müsse die Werft anfangen, das Material zu ordern und die Architekten mit dem Zeichnen beginnen. “Das dauert. Und dann plane ich im Mai Urlaub zu machen.”

“Schneller als ich meinem Schiff zugemutet hätte”

Interessant sind Herrmanns Aussagen auch zum Unglück von Kevin Escoffier. Dabei erklärt er noch einmal, wie es seiner Meinung nach zum Durchbrechen des IMOCA kommen konnte. “Sein Schiff war das leichteste der Flotte und hatte immer schon Schwierigkeiten und war so ein bisschen ein Sorgenkind.” Escoffier – selber ein Ingenieur – habe es deshalb vorher verstärkt. Aber das sei wohl nicht genug gewesen. “Dann ist er tatsächlich bei diesen harschen Bedingungen sehr, sehr schnell gesegelt – deutlich schneller als ich meinem Schiff zugemutet hätte.”

“Bestbesetzung” die Sendung im Magenta TV mit Boris Herrmann. © Telekom

Dann sei es ihm wegen des schnellen Sinkens nicht gelungen, die Notfallausrüstung zu greifen und hatte keinen weitreichenden Peilsender dabei. Nur in seinem schnell geschnappten Überlebensanzug sei nach dem von ihm absolvierten Volvo Ocean Race ein kleiner, schwacher Notfallsender in der Tasche. Den habe schließlich Jean le Cam geortet. Das Unglück hätte sonst wohl sehr bitter ausgehen können.

Herrmann lässt auch noch einmal seinen persönlichen Angstmoment Revue passieren, den Aufstieg in den Mast. Eine Stunde habe die Kletteraktion bis zum Topp gedauert. Insgesamt verbrachte er zwei Stunden mit der Aktion.

Warum das Fallenschloss versagte

Dabei erklärt diesmal genauer, was der Grund für den Ausflug war. Das Fallenschloss des großen Spis hatte sich verklemmt und er ließ sich nicht bergen. Ein erstaunliches Problem, mit dem auch zahlreiche Konkurrenten zu kämpfen hatten. Einer der wichtigsten Ausrüster ist die Firma Karver, die ein Großteil der Flotte ausrüstet und Wert darauf legt, dass die meisten Probleme nicht mit ihren Produkten zustande gekommen seien. Hier und hier erklärt sie per Video, wie ihr System funktioniert.

Herrmann sagt nun im Interview, warum sein System offenbar versagte. Während der Leichtwindphase im St. Helena Hoch habe sich an dem unbenutzten am Mastfuß eingepickten Verschluss das Salz von der Sonne in den Beschlag eingebrannt und sei dann nicht mehr ausreichend geschmeidig gewesen. Später habe er diese Verkrustung immer mit einen Tropfen Öl vor dem Hissen verhindert.

Auch für die Zusammenstoß mit dem Fischerboot liefert der Skipper eine neue Erklärung. Die Radar-, AIS- und Videoüberwachungssysteme hätten keinen Alarm geschlagen, weil der Kabelstrang im Mast beschädigt war, durch den die Geräte gespeist werden. Kurz vor der Kollision müsse der Schutzmantel durch die schlagenden Fallen im Mast aufgerieben worden und Kontakte unterbrochen sein. Deshalb sei er nicht gewarnt worden.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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