Brände um Melbourne: Segler schützen sich – “La Vagabonde” sammelt 50.000 Euro

"Fenster und Türen schließen"

In Melbourne wurden schon die ersten Tennisspiele bei der Qualifikation für die Australian Open verschoben. Eine Sportlerin gab nach einer Husten-Attacke auf. Nun versuchen sich, die Segler auf die Bedingungen einzustellen.

Nachdem die Laserseglerin Page Riley auf dem Wasser vor Melbourne mit einer Atemmaske gesehen worden war, konnte man noch denken, dass sie wegen einer chronischen Erkrankung sensibilisiert gewesen ist. Aber dann sind die australischen Jugendmeisterschaften bei Melbourne zur Hälfte beendet worden – weil der Wind zu schwach wehte und die Luft zu dreckig war.

Der amerikanische Lasersegler Chris Barnard

Die Wettfahrtleiterin sagte: “Wir kannten eigentlich die Segler, die Asthma oder andere gesundheitliche Probleme mit der Luft haben. Aber wir mussten auch in Betracht ziehen, dass weitere Sportler Reaktionen zeigen könnten, die wir nicht vorhersehen. Die Luftqualität lag im extrem negativen Bereich der Bewertungsskala.”

Die Luft-Situation bei den Laserseglern am Sandringham Yacht Club im Osten der Port Phillips Bay

Nun trainieren immer mehr Olympia-Aspiranten auf dem Gewässer um Melbourne, und wenn sie ihre wichtige Vorbereitungszeit auf die WM nicht verstreichen lassen wollen, müssen sie raus aufs Wasser. Dass sie die Bedingungen nicht ignorieren können, zeigen der österreichische Olympia-Bronze-Gewinner im Nacra17 Thomas Zajac und Partnerin Barbara Matz, die nun mit Mundschutz segeln.

Thomas Zajac und Barbara Matz mit Mundschutz auf dem WM Revier.© candidate

Sie schreiben: “Es fühlt sich so an, als wenn jemand Mund und Nase mit einer Hand verschließt, während du versuchst, Luft zu holen. Gebt uns bitte einen tiefen Atemzug mit frischer Luft.”

Auch an Land tragen die Segler den Schutz. © candidate

Die 49er-, 49erFX- und Nacra 17-Weltmeisterschaften 2020 dauern vom 10. bis 15. Februar und bis dahin wird erwartet, dass die Buschfeuer weiter brennen. Die  Gesundheitsgefährdung dürfte erst einmal bestehen bleiben. 

Bei den 49er und Nacras in Geelong im Westen der Port Phillips Bay herrscht auch dicke Luft.

Wenn die Umwelt-Behörde EPA die Situation als “hazardous”  (gefährlich) einstuft, definiert sie das so: “Die Luft ist extrem staubig oder rauchig. Jeder könnte Symptome wie Husten oder Kurzatmigkeit aufweisen – Bleiben Sie in geschlossenen Räumen, fern von Rauch und Staub. – Wenn Sie empfindlich auf Luftverschmutzung reagieren, bleiben Sie, wenn möglich, zu Hause und halten Sie die körperliche Aktivität so gering wie möglich. Schließen Sie Ihre Fenster und Türen, um Rauch und Staub von Ihrem Haus fernzuhalten.”

Die Österreicher versuchen, mit den Bedingungen klarzukommen. © candidate

Aber für die Segler geht es nicht nur um die eigene Belastung. Der australische 49er-Segler Joel Turner wirbt für eine Facebook-Rotkreuz-Spendenaktion mit dem Titel ‘Internationale Segler können Australiern helfen, die in Not sind’. Die unmittelbare Not der Einheimischen in der Nähe lässt sie nicht kalt.

Geld für Kangaroo Island

So geht es auch den Segel-Influenzern auf der “La Vagabonde”, die kürzlich Greta Thunberg über den Atlantik gebracht haben. Sie nutzen ihre Bekanntheit, um ihrem Heimatland zu helfen.  Elena Carausu hat vor fünf Tagen einen Spendenaufruf gestartet, der umgerechnet schon 50.000 Euro eingebracht hat.

Dabei geht es ihr insbesondere um Kangaroo Island, einer Insel bei Adelaide, westlich von Melbourne, wo 5000 Menschen leben und die zu einem Drittel als Nationalpark geschützt ist. Allein dort sollen in den vergangenen Wochen mehr als 32.000 Tiere ihr Leben verloren haben und die Hälfte der Vegatation ist verbrannt. Elena und Riley spenden selber umgerechnet 6000 Euro.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

3 Kommentare zu „Brände um Melbourne: Segler schützen sich – “La Vagabonde” sammelt 50.000 Euro“

  1. avatar Müller sagt:

    Die Bilder illustrieren das katastrophale Scheitern der Menschen im Angesicht ihrer selbst gebrauten Apokalypse ganz hervorragend… Maske ins Gesicht und schon kann die Party weiter gehen!

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  2. avatar Christof Becker sagt:

    Eine Elite jettet zum Segeln um die Welt, wechselt alle paar Jahre auf eine neue Bootsklasse und löst einen enormen Ressourchenverbrauch aus. Manchmal überredet diese Gruppe ein paar locals den Strand aufzuräumen und erklärt denen wie man die Welt rettet. Die CO 2 Diskussion führt zu nichts, wenn eine Green Mega Yacht nur über sein Co 2 Ausstoß beurteilt wird satt den Ressourcenverbruach als Problemauslöser zu sehen. Dummerweise führt diese Ressourcenorientierte Denkweise automatisch zu einem Verzicht. Und das will keiner. Damit wächst also die Wirtschaft schön weiter, zur Not mit Schutzmasken.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 1

  3. avatar ma sagt:

    Diese Feuer können nicht durch Verzicht,
    sondern nur durch angepasste Technik vor Ort gelöscht werden.
    Vernünftige bezahlbare Technik dafür ist vorhanden und steht bereit.

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 3

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