Brest Atlantiques: Kollision nahe der Südatlantik-Eisgrenze – Ruder gebrochen bei “Sodebo”

Erst wollte er nicht, nun kann er nicht

Der Ultim Sodebo von Thomas Coville hat einen Schaden erlitten. Er raste gegen Treibgut. Der neue Mittecockpit Trimaran kann damit seine Konkurrenzfähigkeit nicht mehr beweisen.

“Sodebo”, der neueste Ultim, hat nun auch einen Schaden erlitten © Alex Courcoux

Man kann Thomas Coville sicher nicht vorwerfen, seinen neuen vermeintlichen Wunder-Trimaran “Sodebo” unbedacht aufs Spiel zu setzen. Eigentlich kam die Atlantik-Regatta der Ultim-Klasse zu früh für den Neubau. Coville konnte noch nicht ausreichend testen, welche Lastspitzen der 100 Fußer aushalten kann.

Aber die Teilnahme an der Brest-Atlantique-Regatta war wichtig für die Klasse – damit es überhaupt eine Klasse gibt. Damit es überhaupt zu einem Wettbewerb kommt und die Sponsoren etwas Öffentlichkeit für ihr Engagement erhalten.

Die jüngsten Onboard Bilder vom führenden Gitana-Team:

Einen echter Wettkampf mit “Macif” und “Edmond Rothschild” hat “Sodebo” allerdings bisher verweigert. Man mochte sich wünschen, dass Coville vielleicht einmal kurzzeitig das vermeintliche Potenzial seines Giganten zeigen und damit die Sinnhaftigkeit des revolutionären Design-Ansatzes mit dem Cockpit vor dem Mast beweisen könnte.

“Sodebo”, grün, ist nur noch langsam unterwegs. Der Rothschild Tri führt vor “Macif auf dem Weg zur Wendemarke bei Kapstadt.

Ob er das wirklich nicht wollte? Die Konkurrenz ließ ihn ja sogar kampflos passieren durch ihre Reparatur-Stopps. Aber dann gab Coville die Führung wieder ab, als er umdrehte, seinerseits auf hoher See pausierte und eine Starkwind-Zelle durchziehen ließ.

Oder konnte er nicht?  Hat “Sodebo” vielleicht gar nicht das Potenzial, das man erwarten sollte, wenn die besten Designer der Welt, ihre Erkenntnisse in ein solches Projekt einfließen lassen?

Bei 35 Knoten Ruder abgerissen

Jedenfalls haben Thomas Coville und Jean-Luc Nélias ab sofort keine Chance mehr, den beiden Konkurrenten “Macif” und “Rothschild” Paroli zu bieten. 120 Meilen nördlich der Eiszone, mitten im Südatlantik, knallte “Sodebo” bei einem Speed von 35 Knoten mit dem Steuerbordruder gegen ein unbekanntes im Wasser treibendes Objekt. Das Ruder riss ab.

Sie haben ihre Geschwindigkeit auf zuletzt 18 Knoten reduziert und befinden sich weiterhin auf dem Weg nach Kapstadt. Gott sei Dank hat ein Ultim Trimaran drei Ruder. Aber die Manövrierfähigkeit ist stark eingeschränkt. Der Schaden soll erst noch begutachtet werden. Möglicherweise erwägt “Sodebo” in Kapstadt eine Reparatur.

Ob das Banque Populaire Team noch einmal mit einem Ruder aushilft? Das Macif-Team hatte ein Profil des havarierten BP-Trimarans nach Rio gebracht und dort am Mittelrumpf von Gabarts Tri installiert. Vielleicht liegt auch irgendwo noch ein Steuerbordruder des BP-Wracks herum.

Neue Grenzen

Nach diesem dritten Schaden an einem der vier Trimarane stellt sich die Frage, ob solche Rennmaschinen – auch IMOCAs – überhaupt noch einigermaßen kontrolliert über die Weltmeere rasen können. Es scheint kaum noch möglich, den Slalom durch den Müll im Meer unbehelligt überstehen zu können. Wale und – so weit südlich im Atlantik – Eis stellen weitere Risiken dar.

Der Mensch mag die Technik immer mehr in den Griff bekommen. Der Speed und die Material-Verlässlichkeit wird permanent verbessert. Anderseits zeigt nun die zunehmende Meeresverschmutzung neue Grenzen auf. Eine bedenkliche Entwicklung.

Tracker Brest Atlantique

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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