Brest Atlantiques: Zwei 100-Fußer stoppen in Brasilien – Schäden an Ruder und Schwert

Jetzt gehen sie wieder kaputt

Der Maxi Edmond de Rothschild hat in Salvador de Bahia, wo gerade die IMOCAs einlaufen, einen Reparaturstopp eingelegt. “Macif” muss später in Rio sein Ruder tauschen.

Jetzt gehen sie doch wieder kaputt. Zwei von vier Trimaranen, die bei der Regatta Brest Atlantiques Wendemarken vor Rio de Janeiro und Kapstadt umsegeln sollen, müssen  Reparaturstopps vor Brasilien einlegen.

Erst kollidierte “Macif” mit einem Hindernis im Wasser und beschädigte das Mittelruder, kurze Zeit später raste auch der führende Rothschild-Trimaran mit dem Schwert gegen Treibgut. Franck Cammas und Charles Caudrelier liegen nun vor dem Hafen von Salvador de Bahia, wo gerade die IMOCA-Flotte ihre Transat Jacques Vabre beendet, und versuchen mit ihrem Team den Schaden zu beheben. Gabart und Gahinet wollen das Ruder in Rio wechseln.

Der Rothschild-Tri ist zum IMOCA-Ziel-Hafen Salvador de Bahia abgedreht. Macif (blau) macht seinen Pittstopp in Rio

Durch diese Pittstopps der beiden führenden Ultims werden der neue Trimaran “Sodebo” und “Actual Leader” vorbeiziehen.

Das Technik-Team des Gitana-Rennstalls ist gestern aus Lorient in Salvador angekommen und hat die Ausrüstung vorbereitet, die für die Reparaturarbeiten notwendig sind. Offenbar ist nur die Außenhaut des Schwertes beschädigt, und dadurch wird bei den hohen Geschwindigkeiten der Widerstand erheblich erhöht.

Dem Rennen tut dieser Stopp auch gut, da das Macif-Team schon früher angekündigt hat,  stoppen zu müssen. Bei dieser Regatta geht es weniger um den Sieg, als um den Beweis, dass mit diesen schnellsten Hochsee-Rennyachten der Welt elektrisierender Sport möglich ist. Die Veranstalter formen ein Produkt, die Sponsoren benötigen einen Gegenwert.

Edmond de Rothschild mit den Doldrums im Rücken. © Yann Riou

Bisher könnte das durchaus gelungen sein. Der spektakuläre Start bei Starkwind in der Biskaya sorgte für dramatische Bilder, und danach sorgten die Onboard-Reporter erstmals für Einblicke, wie diese irren Rennmaschinen von einer Zweihand-Crew dauerhaft über 40 Knoten schnell gesegelt werden können.

Thomas Coville. bei der Nachtschicht. © Martin Keruzoré

Mit der zunehmenden Verschmutzung der Weltmeere wird die Gefahr eines Zusammenstoßes mit Treibgut allerdings immer größer. François Gabart erklärt, wie das Ruder gebrochen ist:

“Wir fuhren relativ schnell, mit etwa 35-40 Knoten, als wir etwas ziemlich Hartes trafen. Es gab einen plötzlichen lauten Knall, und es brach ein Stück vom Mittelrumpf-Ruder ab. Glücklicherweise haben wir insgesamt drei Ruder auf unseren Ultim Trimarans, so dass wir immer noch die beiden Ruder an den Schwimmern als Backups haben. So können wir weiterhin schnell geradeaus fahren. Aber es gibt Situationen, in denen das Boot schwer zu manövrieren ist, und kurz davor ist, aus dem Ruder zu laufen. Das habe ich im vergangenen Jahr bei der Route du Rhum erlebt, nachdem wir ein Ruder am Schwimmer verloren hatten.”

Einblicke in den neuen Mittelcockpit-Racer “Sodebo”. © Martin Keruzoré

François Gabart und Gwénolé Gahinet nehmen deshalb die Reparaturen in Rio vor, wo sie am Mittwoch ankommen sollen. Ohnehin führt die Regatta um einen Wendepunkt vor der brasilianischen Stadt. Es muss also kein Umweg in Kauf genommen werden.

Das MACIF-Team kündigte an: “Angesichts der Logistik rund um diese Reparatur schien uns der Hafen von Rio der beste Kompromiss zu sein. Ein kleines Team ist nach Rio aufgebrochen. Das Ersatzruder wurde vom Banque-Populaire-Team zur Verfügung gestellt.”

Ein interessanter Aspekt dieser Veranstaltung ist die Leistungsfähigkeit des neuesten Trimarans im Club der Großen, “Sodebo”. Thomas Coville segelt bisher mit angezogener Handbremse, da die Limits des Neubaus offenbar noch nicht ausreichend bekannt sind. Nun wird er durch die Stopps der Konkurrenz dennoch bald in Führung liegen. Wird er weiterhin auf der Bremse stehen bleiben können, wenn die Kollegen wieder von hinten heran rauschen? Vielleicht mag er einmal kurz zeigen, wozu die neue “Sodebo” in der Lage ist.

Tracker Brest Atlantiques

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

6 Kommentare zu „Brest Atlantiques: Zwei 100-Fußer stoppen in Brasilien – Schäden an Ruder und Schwert“

  1. avatar Keine Name sagt:

    Zitat: “Mit der zunehmenden Verschmutzung der Weltmeere wird die Gefahr eines Zusammenstoßes mit Treibgut allerdings immer größer.”

    Ich tippe eher darauf, dass Ruder und Foils regelmäßig Meeressäuger zweiteilen. Aber das wird aus verständlichen Gründen nicht thematisiert, wäre ein öffentlicher Shitstorm in diesem Fall wohl das Ende des Sports in dieser Form.

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    • avatar Jost sagt:

      Es wird leider immer wieder viel zu viel spekuliert und zu wenig nach Fakten recherchiert. bei den hohen (35-40 knoten, entsprechend 65 bis 75 km/h) Geschwindigkeiten braucht es keine große “stehende” Masse um Schaeden am Ruder oder Schwert zu verursachen. Wenn es ein Container oder ein Wal gewesen wäre mit einer Masse ähnlich dem der Ultims, wären viel größere Schäden an den Schiffen entstanden.

      Die Häufigkeit der Schaeden ist nur zu einem kleinen Teil auf solche “großen” UFO zurück zu führen. Der wesentliche Einfluss sind die signifikant erhöhten Geschwindigkeiten. Da spielen schon “kleine” Teile eine Rolle, die bei 6-8 Knoten kaum eine Rolle spielen, oder nur Kratzer ergeben. Wenn die Geschwindigkeit 5 bis 7 mal so hoch ist, ist die kinetische Energie 25 – 50 mal so groß…. Einfache Physik.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 1

      • avatar Keine Name sagt:

        Es muss kein Wal sein. Delphin, Hai oder Schildkröte reichen ja schon, um solche Schäden zu verursachen. Die Tiere werden es kaum überleben.

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  2. avatar Harrie Jasses sagt:

    Fakten hierzu wären wirklich interessant. Es sollte im Intersse aller Beteiligten sein, herauszufinden womit die Boote wirklich kollidieren. Dann ließen sich ganz sicher auch Systeme entwickeln, um Kollisionen mit Tieren zu vermeiden bzw. Schäden mit Treibgut zu verringern. Ich halte solche Maßnahmen für ungleich wichtiger als das Herauskitzeln von noch mehr Geschwindigkeit.

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    • avatar Keine Name sagt:

      Bin ganz Deiner Meinung. Doch dazu braucht es öffentlichen Druck. Die Segler, Sponsoren und die Sportpresse haben sicher kein Interesse, dieses Problem anzugehen. Kostet nur Geld und bringt den Sport vielleicht in Verruf.

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  3. avatar Stopit sagt:

    Cool ist das schon lange nicht mehr, wenn diese Hochseemonster ihre Blutsspur durch die Meere ziehen.

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