Louis Vuitton Trophy in Maddalena

Bug abgerissen, Punkte weg. Der Crash im Video

Bertrand Pacé (49) erlebte bei der Louis Vuitton Trophy im spanischen La Maddalena einen der peinlichsten Momente seiner langen Segelkarriere. Der ex B-Boot Steuermann vom Team New Zeland (2003) und BMW Oracle (2007), der schon 1986 seinen ersten America´s Cup segelte, krachte mit dem Bug seines Leih-Cuppers in die Seite der von Francesco Brunis Azzurra Team geführten Yacht. Beide von BMW Oracle zur Verfügung gestellten Schiffe sind so stark beschädigt, dass sie im Verlauf der Regatta nicht mehr eingesetzt werden können.

Der Vorfall ereignete sich in der Vorstartphase. Das neu formierte französische ALEPH Team lag bis dahin mit zwei Siegen in der Round Robin gegen BMW Oracle und Team Origin und einer Niederlage gegen Artemis sehr gut im Rennen. Gegen Azzurra sollte der dritte Sieg her. Beide Teams kämpften um die Startposition in Lee an der Tonne. Sie segeln in Schlangenlinien. ALEPH, das hintere Boot versucht, seinen Bug in Lee neben das Heck der Italiener zu schieben und eine Überlappung herzustellen.

Das vordere Boot wäre dann ausweichpflichtig (übrigens nur vor dem Start). Es müsste anluven. Bis maximal in den Wind. Es hätte die Leeposition verloren. Francesco Bruni versucht, diese Überlappung zu verhindern, indem er als vorderes Boot stark abfällt und beschleunigt. Pacé luvt dann wieder an, um sich in Luv zu positionieren. Bruni reagiert seinerseits mit einem Luvmanöver, um den Abstand zum Luvboot möglichst gering zu halten. Dann hätte er nach nach dem Start die sichere Leestellung inne. Durch diese taktischen und regeltechnischen Vorgaben kommen die mehrfachen Pendelbewegungen der beiden Boote im Vorstart zustande. Auf Englisch nennt man das “Fishtailing”, weil die Boote mit ihren Hecks wie Fische mit ihren Schwänzen wackeln.

Die Kollision kommt zustande als Pacé zum wiederholten Male hinter dem Heck von Bruni abfallen will. Er achtet dabei auf die Handzeichen des Vorschiffsmann Gilles André, der vorne auf dem Bug steht und anzeigt, ob der Weg zum Druchschwingen frei ist. “Es gab irgendwie ein Missverständnis zwischen den beiden”, sagt Frederik Guilmin, der neue Taktiker von Pacé. Der Steuermann fällt mit Schwung ab. Dieses Manöver ist nur von Erfolg gekrönt, wenn es mit maximalem Speed erfolgt.

Es kracht. Der US-Cupper mit dem italienischen Team wirft seitlich eine große Welle auf. Der Azzurra Stratege Tom Burnham und der On-Board-Schiedsrichter im Heck werden heftig zur Seite geschleudert. Burnham erleidet eine Fleischwunde, die genäht werden muss. Der Bug der USA 98 knickt ab und die Steuerbord-Seite der USA 87 wird eingedrückt. Es ist die heftigste Kollision zweier Boote der International America´s Cup Class überhaupt.

Beide Boote können bei dieser Louis Vuitton Trophy nicht mehr eingesetzt werden. Der Bug der USA 98 muss völlig neu gebaut werden. An ihm hängen große Lasten durch die enorme Vorstagspannung. Der Schaden an der USA 87 sieht auf den ersten Blick geringer aus, aber den gesamten Rumpf entlang ziehen sich Risse, die genau untersucht werden müssen.

Für die Franzosen war es wohl das Aus bei dieser Regatta. Denn neben dem verlorenen Rennen und dem automatischen Punktabzug wegen der Verursachung des großen Schadens hat die Jury dem Team zwei weitere Punkte abgezogen. Dem liegt die Regel 14 zugrunde, bei der es um die generelle Pflicht geht, Kollisionen zu vermeiden.

Die Regatta wird nun mit den verbleibenden zwei Yachten von Mascalzone Latino fortgesetzt. Das Programm muss gekürzt werden. All4One Taktiker Jochen Schümann liegt mit 2:2 punktgleich mit drei weiteren Teams auf Rang drei. Artemis führt mit 3:0 Punkten. Hier die aktuellen Ergebnisse.

Die Website

Das Video vom Crash

Carsten Kemmling
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Andreas John

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