BWR: Die Führenden parken, “Foncia” rast durch die Außenkurve

Entspannt an die Spitze?

Loick Peyron und Jean Pierre Dick sind auf den Bildschirmen noch verschwunden aber im Foto zeigen sie sich. © FNOB

Die Geschwindigkeit an der Spitze der Flotte des Barcelona World Races hat sich deutlich verlangsamt. Die führenden Spanier auf „Estrella Damm“ haben in der vergangenen Nacht gerade einmal 28 Meilen zurücklegen können. Der Durchschnitt-Speed in der Stunde vor dem Positionsreport um 3:30 Uhr UTC betrug 0,8 Knoten. Boris Herrmann kann dagegen aufschließen und hat den Rückstand von über 300 Meilen auf jetzt 161 Meilen fast halbiert. Aber auch „Neutrogena“ muss noch durch die Flaute des St. Helena Hochs.

Michel Desjoyeaux und Francois Gabart versammeln sich zum gemütlichen Mittagessen. © FNOB

Nur „Foncia“ erreicht nach wie vor auf seinem weiten westlichen Umweg um die Flautenzone einen Stunden-Durchschnitt von über 15 Knoten. Möglicherweise segelt auch „Virbac-Paprec“ in diesem Bereich. Jean Pierre Dick und Loick Peyron befinden sich aber immer noch unter ihrem Deckmantel. Haben sie sich vielleicht doch im letzten Augenblick für die Ost-Option entschieden.

Profi-Segler Jörg Riechers kommentiert: „Das Problem bei so komplex schwierigen Bedingungen wie zur Zeit mit dem St. Helena Hoch ist, dass die Wetter-Modelle unter Umständen stark differieren. Je nachdem wann das Model vorsieht, dass sich das Hoch wieder auf seine “normale” Position begibt, ergibt sich eine andere Strategie. Ich habe mir eben nochmal das Ugrib Model angesehen und so wie ich es sehe sind “Foncia” und “Virbac” im Vorteil, da im Westen immer noch mehr Wind ist.“

Karte vom 19.1. "Foncia" hat links die Außenkurve genommen, "Virbac" segelt noch mit Tarnkappe und die Spitze parkt.

Es geht um die Berechnung der Zuggeschwindigkeit des Hochs. „Die Bewegung eines Hochs ist im Vergleich zu Tiefs viel schwieriger“, sagt „Mare.de“ Skipper Riechers. „ Hochdruckgebiete dehnen sich unberechenbar aus, werden dann auch wieder komprimiert. So wie Wabbelblasen. Die schöne Strategie kann ganz schnell für die Tonne sein.“

Die Wetterkarte auf dem Tracker sei nicht so gut, sagt Riechers. „Die Teams bekommen viel genauere GRIB Files gemailt, so oft wie ihr Router an Land sie schicken mag. Gemeinhin ist auch eine Analyse des Wetters pro Tag gestattet, so war es jedenfalls bei der Route du Rhum. Diese Infos müssen öffentlich zugängig auf einer Website einsehbar sein. Allerdings kennen meistens nur die Teams ihre eigene URL.“

Der weg zum Tor südlich von Afrika ist noch weit. "Foncia" liegt 330 Meilen zurück auf Rang neun, aber sie wird im Süden zuerst die West-Ost-Schnellstraße erreichen mit starken Westwinden. Ob das den Umweg wett macht?

Insofern ist jetzt die spannende Frage, ob sich der große Umweg der „Foncia“ auszahlt. Die Erfolgsformel würde sich gemein anhören für die Konkurrenz: Schiff leicht lädiert, Boxenstopp in Recife möglicherweise inklusive Luder, schöne warme Dusche, Beine hoch, Cappucino und Zigarette mit den Kollegen von „Virbac“, bei schönem Wind wieder raus auf See, Blinker rechts am Hoch vorbei, tolle Rauschefahrt im 20 Knoten-Bereich, und am ersten Tor wieder in Führung … Respekt!

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Carsten Kemmling

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5 Kommentare zu „BWR: Die Führenden parken, “Foncia” rast durch die Außenkurve“

  1. avatar Wilfried sagt:

    ich meinte in den früheren Infos gelesen zu haben, dass externes Routing nicht erlaubt sei um zu verhindern, dass hier von Land ferngesteuerte Teams um die Welt rasen. Was stimmt denn jetzt? Nebenbei hochaufgelöste Gribdaten auf einem nur dem jeweiligen Team bekannten “öffentlichen” URL wäre ja ein schlechter Scherz.

    Zum zweiten noch eine Frage? Ist nicht der einzige Grund das St. Helena Hoch so eng zu nehmen das extrem östlich liegende erste Tor? Sonst war doch immer die Grundregel mit möglichst hoher Geschwindigkeit Süd zu machen bis man aufs erste Tief aufspringen kann und dann im tiefen Süden den Vorteil des kürzeren Weges zu nutzen. Den Weg der jetzt von den meisten gesegelt wird wurde doch früher nur bei kalkulierbar sehr schwachem St. Helena-Hoch genutzt.

    Eine Fachmeinung fände ich sehr interssant.

    Gruß Wilfried

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  2. avatar Jörg sagt:

    Die Grib Daten die auf einer Website hinterlegt werden sind ja kein externes Routing. Es gibt ja verschiedene Modelle wie z.B. das europäische Wettermodel (welches was kostet) oder UGrib (welches kostenfrei ist). Diese werden dort auf der Website hinterlegt und so prepariert das sie “leichter” sind also weniger MB haben, was sehr viel SatCom Kosten spart. Diese Gribs die man normalesweise 2mal pro Tag bekommt (morgens und abends) gibt man denn in das Routing Programm ein (Adrena oder MaxSea), dieses Schlägt denn eine Route vor. Nun ist es am Skipper dem Routing Programm zu glauben oder nicht oder es nach seinen Erfahrungen zu modifiziren, d.h. man schlägt dem Programm einen alternativ Zwangswegpunkt auf der Route vor und rechnet nochmal neu. Manchmal kommen da erstaunliche Ergebnisse heraus, die viel besser sind als das erste Routing.
    Die andere Variante ist, dass der Veranstalter den Teams ein Wetterpaket schickt wie beim AG2r und ich glaube auch beim Volvo Ocean Race. Die Arbeit und der Ablauf sind aber der Gleiche wie mit der URL auf die man die Infos bekommt. Aber externes Routing ist es in beiden Fällen nicht.

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  3. avatar Sven sagt:

    Ähh ..wo ist denn das das Gate………find ich nicht auf dem Rachetracker! Was muss man da anklicken?
    Danke im vorraus für die Hilfe
    Sven

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  4. avatar Ole H. sagt:

    @ sven:
    du mußt rechts die Informacion de capas anschalten und die ruta orthodro — bla. Ich finde diese Version des Trackers nen ziemlichen M… – im Gegensatz zum Portimao Race letztes Jahr.

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  5. avatar Jan sagt:

    Das ist ja Wahnsinn, wie sich das alles mit letzten Update zusammengeschoben hat, wa?
    Wie es jetzt aussieht haben die Schiffe ganz im Osten noch den größten Vorteil aus der Sache.
    Boris investiert auch schon ne Menge nach Osten, aber ob das reichen wird ist zu bezweifeln.
    Die Führung ist total verraucht mitten im Hoch.
    Foncia und Virbac könnten recht behalten, aber ich setze viel auf die Schiffe ganz im Osten…

    Man ist das spannend(Fast wie ein Neustart), mal sehen wie es morgen früh aussieht.

    jan

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