BWR: Die Spitze ist am Äquator. Thompson bleibt bei krankem Kind

In den Doldrums. "Wir sind fast schon durch."

Auch "Mapfre" gelingt die Passage der Doldrums schnell wie selten. © FNOB

Alex Thompson geht nicht mehr an Bord seines Schiffes „Hugo Boss“. Der Brite entschied, dem Neugeborenen und seiner Frau Kate zur Seite zu stehen. Sein Sohn Oscar leidet an einer Gefäßfehlbildung der Körperhauptschlagader. Der Zustand wird permanent von Ärzten überwacht, soll sich aber stabilisiert haben.

Die BWR Flotte am 13.1. "Neutrogen" (rot) hält den Anschluss an die Spitze.

Damit bekommt Thompson Ruf eine traurige Bestätigung. Der Mann steht in letzter Zeit nicht allzu häufig auf der Sonnenseite des Lebens. Der Kampf um die Gesundheit seines Sohnes an der Seite seiner Frau ist vermutlich der schwierigste, den er je zu bestehen hatte.

Sein Boot kommt immerhin in Fahrt. Im letzten Positionsreport war es das schnellste Schiff im Feld. Der holländische Ersatzmann Wouter Verbraak und Andy Meiklejohn aus Neuseeland haben die rote Laterne abgegeben und sich endlich an den schwächeren Schiffen im Feld vorbei geschoben. Der Rückstand zur Spitze beträgt allerdings schon über 600 Meilen. Und es besteht die Gefahr, dass „Hugo Boss“ nicht so gut durch die Doldrums kommt wie die Spitzengruppe.

Die Spitzengruppe am 13.1. "Foncia" dreht schon nach Westen Richtung Recife ab. "Neutrogena" (oben r) hält sich etwas östlicher.

Von dort häufen sich die Nachrichten, dass die Passage des notorischen Schwachwindgebietes am Äquator bei dieser Regatta ungewöhnlich zügig von statten geht. Dominique Wavre berichtet von der „Mirabaud“: „Ich habe die Doldrums schon etwa 30 Mal durchquert. Diesmal läuft es besser als ich mich erinnere. Wir sind schon fast durch.“

Allerdings kann sich der Schweizer kaum darüber freuen. Denn eigentlich hatte er auf eine Flautenphase mit ruhigem Wasser gehofft, in der er den großen Gennaker reparieren kann. Das Segel war vor einigen Tagen von oben gekommen und muss für eine Reparatur über das gesamte Deck ausgebreitet werden. Es fehlt der „Mirabaud“ zurzeit schmerzlich und erklärt, warum das Team etwas östlicher platziert ist als offenbar gewünscht. Ohne großen Gennaker kann Wavre nicht mehr so tief steuern wie geplant.

Aber auch Boris Herrmann und Ryan Breymaier steuern einen etwas direkteren und östlicheren Kurs als die Konkurrenz. Sie halten guten Anschluss und lauern auf ein Möglichkeit zum Angriff.

"Hugo Boss" (schwarz) hat die älteren Schiffe am Ende des Feldes endlich überholt. Die Kapverden Innenkurve von "Central Lechera Asturiana" (blau) hat sich nicht ausgezahlt. "Président" hat den Nothafen erreicht.

Jean Pierre Dick und Loick Peyron haben in der Nacht etwa eine Stunde vor „Foncia“ den Äquator passiert. Michel Desjoyeaux und Francois Gabart beginnen schon mit ihrer westlichen Positionierung Richtung Recife in Brasilien, wo sie ihren Boxenstopp vornehmen wollen. Das technische Team ist schon vor Ort und sucht noch nach der geeigneten Infrastruktur, um das Boot aus dem Wasser kranen zu können. Der Bug muss frei sein, um die neue Nase anlaminieren zu können.

Gabart berichtet von seiner ersten Doldrums Passage: „In wenigen Minuten verändert sich der Himmel voneinem hellen Grau zu tiefstem Schwarz. Der Wind verändert sich von 25 Knoten zu null aus verschiedenen Richtungen um dann wieder 30 bis 40 Knoten zu erreichen. Da bleibt nicht einmal genug Zeit für eine Dusche im Regen.“

Eventseite
Racetracker
laufende Ergebniss

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://northsails.com/sailing/de/

3 Kommentare zu „BWR: Die Spitze ist am Äquator. Thompson bleibt bei krankem Kind“

  1. avatar Christian sagt:

    seine Entscheidung ehrt Alex Thomson und ihm gebührt dafür Respekt. Der Mann hat aber auch so was von Pech. Hoffentlich gibt es jetzt mal Glück im Unglück.

    Möglicherweise wollte sein Erstzskipper die Hugo Boss nicht allzu hart pushen, um das Boot heil an Alex Thomson übergeben zu können. Sieht fast so aus, als legt er nun den Gashebel auf den Tisch. Es bleibt jedenfalls spannend.

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  2. avatar Manfred sagt:

    Warum die ganz persönliche Angelegenheit mit BT´s Kind in den einschlägigen Medien so ausgebreitet wird, erschließt sich mir nicht. Etwas mehr Zurückhaltung in dieser Angelegenheit könnte nicht schaden. Es geht um das BRW. Das hat Jörg Riechers ganz fabelhaft erkannt und geht in seiner Analyse nicht darauf ein. Danke.

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  3. avatar Jorgo sagt:

    Die Story hinter Story gehört auch dazu (wie bei den Beckhams, nur nicht so abgehoben).
    Segler sind auch Menschen – wenn er (BT) selbst das ok. findet, gehört das dazu.
    Ich finde das gut!

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *