BWR: Reparaturen auf vielen Schiffen. Spitze wird langsamer

Der Vollgas-Ritt fordert Tribut

"Mirabaud" bekommt Besuch von Delfinen. Sie müssen sich anstrengen, um den Speed zu halten. © Mirabaud

An der Spitze des Weltumsegler-Feldes macht sich langsam die Nähe zum Einfluss der innertropischen Konvergenzzone bemerkbar. Im sogenannten Kalmengürtel treffen die Passatwinde aus Nordost auf jene aus Südost und können den Wind praktisch vollkommen zum Erliegen bringen.

Situation am 12.1. Das Feld nähert sich der vermeintlichen Flautenzone und dem Abzweiger nach Südost. Statt wenig Wind wartet eine harte Kreuz.

Nach den aktuellen Vorhersagen zeichnet sich zwar kein absoluter Stillstand ab, aber die Geschwindigkeiten an der Spitze werden geringer. So weist „Virbac“ mit 12 Knoten die geringste Durchschnittsgeschwindigkeit des gesamten Feldes auf.

Die letzte Stunde vor dem Postitionsreport lag der Speed gar nur bei 9,3 Knoten. Das Feld wird also wieder zusammen geschoben. „Virbac“ verlor die Hälfte seines Vorsprungs auf „Foncia“, die nun nicht mehr so deutlich von dem beschädigten Bug gebremst wird.

„Neutrogena” hält sich nach wie vor gut. Die Konkurrenz mit den neueren Designs ist im direkten Vergleich zwar häufig einen Tick schneller, aber der Speed reicht aus, so dass sie bisher keine Harakiri-Taktik riskieren müssen, um sich vorne zu halten.

Dabei geben die Jungs alles bei den heftigen Bedingungen. „Ich kann mich kaum halten auf dem Navisitz. Geschweige denn am Ruder. Ryan wurde gestern von der Pinne weggerissen in den Heckkorb und hat sich dabei die Hüfte geprellt“, schreibt Boris Herrmann in seinem Blog.

"Virbac" unten wird langsamer. "Neutrogena" (oben, rot) hält noch Anschluss

„Es ist so affenlaut und es zischt und faucht und kracht an allen Enden. Geräusche aus den Rudern, der Kielaufhängung, dem Mast …“ Dabei erklärt er, wie Partner Ryan während der wilden Fahrt MacGuyver-mäßig den Hydrogenerator repariert hat, der nach einer Kollision mit Treibgut zerstört war. „Er hat geflext, laminiert, Matten geschnitten, Harz angemischt …“

Aber nicht nur das deutschamerikanische Team zollt der hohen Geschwindigkeit mit Defekten Tribut. Jetzt ist auch klar, warum „Mirabaud“ seinen dritten Platz an „Mapfre“ verlor. Das einzige Paar im Feld Michèle Paret und Dominique Wavre berichtet:

„Wir segelten bei voller Geschwindigkeit mit rund 25 Knoten, als plötzlich die Halterung am Kopf des Gennakers brach und das Segel sich loslöste. Der Gennaker fiel ins Wasser, und wir brauchten über zwei Stunden, bis wir ihn wieder an Bord hatten. Das hat unglaublich Kraft gekostet, wir sind komplett erledigt.

Wir werden in rund zwei Tagen den Kalmengürtel erreichen, und falls wir hier eine ruhige Periode haben, was noch alles andere als sicher ist, dann werden wir den Gennaker reparieren. Danach muss man ihn erneut am Mastkopf befestigen und dann das Segel einrollen, was absolut notwendig ist. Diesen Zeitpunkt können wir momentan aber noch nicht abschätzen“.

Seit diesem Zwischenfall lösen sich Dominique und Michèle stündlich am Steuer ab. Der Autopilot ist bei den extremen Bedingungen nicht mehr von Nutzen.

Dafür sehen die Skipper nun immer mehr Tiere. „In den vergangenen Tagen kamen wir bereits in den Genuss einiger Delfinschulen, Wale haben wir noch keine gesehen“, erzählt Skipperin Michèle. „Wir müssen uns in diesen Breitengraden auch gut vor den fliegenden Fischen schützen. Zum Teil springen sie sehr hoch und sind sehr schnell. Dabei können sie eine echte Gefahr darstellen, wenn man einen an den Kopf kriegt.“

Aber das Duo ist gut eingespielt, wenn es darum geht, Verletzungen zu versorgen. Dominique hat im rockenden Boot seiner Frau die Fäden von einer Handverletzung gezogen. Der Daumen war noch an Land operiert worden.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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2 Kommentare zu „BWR: Reparaturen auf vielen Schiffen. Spitze wird langsamer“

  1. avatar sven sagt:

    hier sieht man mal wieder, gewonnen hat das Rennen noch niemand, technische Probleme können jeden treffen.
    Ich drücke Boris & Ryan beide Daumen,

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  2. avatar Markus Hintz sagt:

    “Ankommen ist wesentlicher Bestandteil vom Gewinnen” so sagt man bei den Fivenseglern. Die Mischung aus solidem Material, bestem Segler und bestem Schrauber wird das Rennen machen. Jeder, der schon mal schnell gesegelt ist, weiß, das 25 Kn auf dem Wasser 250km/h auf der Straße entsprechen… das ist unglaublich!…Unsere Jungs haben reelle Chanchen. Alle 4 Daumen für Boris und Ryan…;-)

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