Cammas Unfall: Doppelter Beinbruch auf GC32 – wie können solche Unfälle verhindert werden?

Fast den Fuß verloren

Franck Cammas hat sich bei dem Sturz von seinem Foiler Katamaran einen schweren Bruch zugezogen. Frankreichs Hoffnung für den America’s Cup wird eine lange Zeit ausfallen.

Franck Cammas

Es wird noch etwas dauern, bis Franck Cammas wieder lachen kann. © Marina Könitzer

Der Volvo Ocean Race Sieger Franck Cammas (42) hat nach seinem Unfall vor Quiberon die Notoperation an seinem Fuß überstanden. Aus dem Krankenhaus von Nantes erklären die Ärzte, dass der Eingriff vielversprechend verlaufen sei.

Erste Berichte über einen nahezu abgetrennten Fuß haben sich damit nicht bestätigt. Auch in Bezug auf die befürchteten Sehnen- und Nervenabrissen gab es Entwarnung. Cammas muss jetzt etwa drei Wochen im Krankenhaus verbleiben, bevor er die vier Monate dauernde Reha-Behandlung beginnt.

Franck Cammas mit Sophie de Turckheim beim Nacra 17 Segeln. © Yvan Zedda

Franck Cammas mit Sophie de Turckheim beim Nacra 17 Segeln. © Yvan Zedda

Damit ist sicher, dass er die Olympischen Spiele verpasst, auf die er sich im Nacra 17 mit Vorschoterin Sophie de Turckheim vorbereitet. Allerdings wären die Chancen verschwindend gering gewesen, da er für den Erhalt der französischen Olympiafahrkarte Billy Besson und Marie Riou hätte besiegen müssen. Die Überflieger der neuen Mixed Klasse haben alle bisherigen Nacra 17 Weltmeisterschaften gewonnen und gelten als nahezu unbesiegbar.

Fuß hätte steif bleiben können

Aber Cammas verliert Zeit. Er hängt schon jetzt mit dem Team France beim Wettlauf um den America’s Cup deutlich hinterher. Das französische Team gilt immer noch als unterfinanziert und hat im Gegensatz zur Konkurrenz weder einen AC 45 Katamaran in Betrieb – Oracle bereitet gerade sein drittes Test-Boot vor – noch segelt es schon auf dem Revier in Bermuda.

Doch im Moment dürfte sich der Franzose nach dem Schock erst einmal über die positive Prognose für seine Genesung freuen. Denn erste Vorhersagen gingen schon davon aus, dass der Fuß steif bleiben könnte.

Erste Hilfe für Franck Cammas am Steg bevor der Hubschrauber kommt. © ouest france

Erste Hilfe für Franck Cammas am Steg bevor der Hubschrauber kommt. © ouest france

Normalerweise verletzen sich Segler nicht, wenn sie Kontakt mit dem Ruderblatt ihres Schiffes haben. Aber in diesem Fall soll der GC32 Katamaran in der Startphase auf nahezu 50 km/h beschleunigt haben. Der Kontakt mit dem scharfen Profil-Vorderkante hat die Verletzung herbeigeführt.

Startduell mit Minoprio

Der Vorfall ereignete sich beim Duell mit dem neu zum Team gestoßenen neuseeländischen Match-Race-Weltmeister und Volvo-Ocean-Race-Zweiten Adam Minoprio, der nach der Auflösung des italienischen Luna Rossa Team gewechselt ist.

Der Wind erreichte 17 bis 18 Knoten als Cammas offenbar das Gleichgewicht auf dem Boot verlor. Coach Bertrand Pacé  erreichte mit seinem Motorboot zuerst den Verunglückten und brachte ihn an Land, wo eine halbe Stunde später der Helikopter eintraf.

Team Manager Bruno Dubois erklärt: “Es ist nicht einfach, die richtigen Worte für eine solche Krise zu finden. Wir arbeiten hart daran, den Rückstand auf die anderen Teams aufzuholen, aber der Weg bis zur ersten Cup Regatta 2017 ist immer noch lang. Wir behalten unsere Ziele weiter im Auge und hoffen natürlich, dass Franck schnell wieder zurückkehrt.”

Können solche Unfälle vermieden werden?

Offen bleibt die Frage, wie solche Unfälle in Zukunft verhindert werden können. Die GC32 Foiler sollen in der nächsten Saison im Rahmen der Extreme Sailing Series eingesetzt werden, und es gibt noch kaum Erfahrungen, wie sie auf den engen Stadtkursen funktionieren.

Bei der Bullit Racing Tour 2015 in Kiel hat es schon eine Kenterung gegeben, die sehr glimpflich verlaufen ist. Das Szenario, vom eigenen Foiler überfahren zu werden, stand bisher nicht auf der Gefahren-Liste. Eher kann man befürchten, dass über Bord gefallene Segler von achteraus folgenden Booten erwischt werden.

Vermutlich muss die Kleidung entsprechend angepasst werden. Die Segler benutzen schon Helme, aber möglicherweise hat Cammas nur die üblichen leichten Sport- oder Neoprenschuhe getragen, die am Knöchel-Bereich ungeschützt sind. Der Vorfall muss genau untersucht werden, um Ähnliches in Zukunft zu verhindern.

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Cammas Unfall: Doppelter Beinbruch auf GC32 – wie können solche Unfälle verhindert werden?“

  1. avatar Super-Spät-Segler sagt:

    Also was denn nun?

    Fast den Fuß verloren
    oder
    Erste Berichte über einen nahezu abgetrennten Fuß haben sich damit nicht bestätigt.

    Sensationsgeheische…

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