Caribbean 600: Kenterung mit Happy End – MOD 70-Duell in der Karibik verschoben

Überschlag

Da dachte der Amerikaner Jason Carroll, er holt sich für das Caribbean 600 mit Francois Gabart mal einen echten Multihull-Super-Spezialisten an Bord, und prompt geht sein MOD 70 im Zweikampf mit Maserati kopfüber.

Die MOD 70-Trimarane galten einmal als Hoffnung der französischen Segelszene, die Begeisterung für den Hochseesport über die Grenzen ihres Landes hinaus zu exportieren. Die vermeintliche Erfolgsformel: Offshore-Spitzensport auf One Design Multihulls.

Besonders Vendée Globe Sieger Michel Desjoyeaux puschte die neue Klasse. Und selbst in Kiel zeigten sich die heißen Dreibeiner 2011. SegelReporter war mit an Bord (Reportage) und verfolgte auch die spektakuläre Atlantik-Premiere mit Interesse.

Aber dann wurde klar: Das sicherste Gefährt ist der Trimaran nicht. Das zeigt schon die Kenterung von Spindrift im Juli 2013 und der Überschlag von Virbac 2013 drei Monate später. 2015 erwischte es dann auch “Race for Water”.

Es wurde still um die Klasse. Die Profis orientierten sich anders und die spektakulären 100 Fuß Tris erschienen auf der Bildfläche. Als 2015 dann auch noch auf “Musandam Oman Sail” einen Segler ums Leben kam, waren die 70 Fußer endgültig als Unglücksboote verschrien.

 

Zwei Schiffe wurden dennoch bis heute intensiv gesegelt. Der Italiener Giovanni Soldini kaufte einen MOD 70 vom Rothschild Team, auf dem es ausgiebig Foils für den neuen 100 Fuß Tri getestet hatte und nutzt ihn für seine Aktivitäten für den treuen Sponsor Maserati.

Seit dieser Saison hat sich nun der Amerikaner Jason Carroll das verbliebene Schwesterschiff gekauft. Der Speed-Freak kommt aus der Melges-32-Klasse hat aber auch einen G32-Foiler in der Flotte und bewegte in den USA einen M32 Katamaran, mit dem die Match Race WM-Serie ausgetragen wurde.

Francois Gabart eingekauft

Nun hat er sich mit dem MOD 70 vergrößert und für die Traumregatta Carribbean 600 engagierte er keinen Geringeren als Francois Gabart, Einhand-um-die-Welt-Rekordhalter und Vendée Globe Sieger.

Am Wochenende wollten sie südlich von Antigua eigentlich nur ein wenig trainieren mit den Kollegen von “Maserati”. Aber dann passierte das, wofür diese Trimarane berüchtigt sind. Als sie Druck auf den führenden Soldini machen wollten, knallte eine Böe ins Rigg. Der Italiener schätzt, dass der Wind von 10 auf 27 Knoten aufgefrischt hat.

Der MOD 70 wird wieder aufgerichtet. Das hat noch nie geklappt. © Team Argo

Seine Beobachtung: “Sie wurden irgendwie unvorbereitet erwischt und kenterten nicht weit von uns entfernt.” Brian Thompson vom Argo Team erklärt: “Wir fierten sofort Traveller und Großschot, aber der Bug unterschnitt und das Foil in Lee wirkt dann ab einem gewissen Winkel gegenläufig. Es zieht das Vorschiff herunter. Als der vordere Beam im Wasser bremst, steigt das Heck mit den Rudern in der Luft, und wir verlieren die Steuerung. Es folgt der 90 Grad Überschlag.”

Zum ersten Mal erfolgreich aufgrichtet?

Normalerweise hält das Rigg den Aufschlag auf dem Wasser nicht aus. Aber es gelingt dem Team mit einem erfahrenen Bergungsunternehmen, den Trimaran nach einigen Stunden mit stehendem wieder aufzurichten. Zum ersten Mal überhaupt bei einem MOD 70, glauben Beobachter. Danach läuft die Zeit. Denn bis zum Start der Carribean 600 wird es knapp.

Giovanni Soldini bobachtet die Kollegen vom Schwester-Boot. © Maserati

Carroll und versucht zusammen mit Gegner Soldini auf eine Verschiebung des Multihull-Starts hinzuwirken, damit Argo die Reparaturarbeiten beenden kann. Aber es wurde nicht die notwendige Zahl der Stimmen dafür erreicht. Deshalb starten die beiden Boote als eigene Klasse dem Feld heute um 18.00 Uhr UTC hinterher.

“Wir freuen uns, dem Argo-Team die Teilnahme an diesem schönen Rennen zu ermöglichen”, sagt Giovanni Soldini. “Wir haben uns entschieden, den verspäteten Start zu akzeptieren, weil wir auf dem Wasser mit einem der stärksten Teams der Welt konkurrieren wollen. Ich bin sicher, es wird eine große Herausforderung.”

Soldini in Aktion mit seinem Maserati:

Wenn dieses Duell stattfinden kann, wäre es ein Segen für die Veranstaltung. Denn schon ein anderes spannendes Match im Feld musste im Vorfeld abgesagt werden. Die Maxi72 “Proteus”, einer der schnellsten Monohulls der Welt, wurde von Bellamente-Team herausgefordert, das einen neuen Maxi72 gebaut hat.

Es sind die selben Player, die auch das US-America’s Cup Team American Magic auf den Cup-Sieg 2021 vorbereiten. In der Maxi72-Klasse allerdings gehen die Gegner aus. “Proteus” kam im böigen Wind zwischen den karibischen Inseln das Rigg von oben. Nun wird es für Terry Hutchinson und Co schwierig, einen passenden Gegner auf dem Traumrevier zu finden.

Event Website Carribean 600

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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