Clipper Race: Neuer Unglücksfall auf See – Simon Speirs stirbt nach Mann-über-Bord-Manöver

"Tückischer Ort"

Das Clipper Race steht zurzeit unter keinem guten Stern. Der Brite Simon Speirs (60) ist nach einem Mann-Über-Bord-Unfall auf See beigesetzt worden.

Das gerne als härteste Amateur-Regatta der Welt beworbene Clipper Race hat in kürzester Zeit einen weiteren Todesfall zu verzeichnen. Der pensionierte Grundstück-Verwalter Simon Speirs (60) aus dem britischen Brostol ist auf der Yacht “GREAT Britain” über Bord gegangen und konnte nur noch tot geborgen werden.

Speirs half bei einem Segelwechsel auf dem Vordeck des 70 Fußers, als er sich bei rauhen Seebedingungen bis zu 40 Knoten Wind nicht mehr halten konnte. Die Yacht segelte seit sechs Tagen die dritte Etappe des Clipper Races im Indischen Ozeam zwischen Südafika und Australien.

Clipper Race

Der 70 Fußer “GREAT Britain, auf dem Speirs zu Tode kam. © Clipper Race

Wie es in einem Statement der organisierenden Firma Clipper Ventures heißt, soll der Mann mit seiner Lifeline eingepickt gewesen aber dennoch vom Schiff getrennt worden sein. 36 Minuten trieb er im aufgewühlten Wasser und konnte von seiner Crew nur noch bewusstlos geborgen werden. Ein Allgemein-Mediziner und zwei weitere medizinisch ausgebildete Segler an Bord versuchten, ihn zu reanimieren, aber er hat sein Bewusstsein nicht wiedererlangt.

Auf See beigesetzt

Der Verunglückte trug seine Rettungsweste inklusive schwerem Ölzeug und AIS Seenot-Signal. Warum seine Lifeline brach, konnte bisher nicht geklärt werden. Umfangreiche Untersuchungen sind eingeleitet worden. Speirs wurde auf See beigesetzt.

Der Mann war ein erfahrener Segler, der insbesondere einen 40-jährigen Jollen-Hintergrund aufweist aber auch eine Lizenz als Coastal Skipper besaß. Er absolvierte zusätzlich zum obligatorische vierwöchigen Clipper-Race-Training den zweiwöchigen Lehrgang für das Clipper Race Coxswain Certificate (CRCC) und qualifizierte sich damit als Bootsführer.

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Der verunglückte Simon Speirs (60). © Clipper Race

Außerdem wurde die Yacht “GREAT Britain” gut gesegelt. Sie hatte die erste Etappe gewonnen und lag auch bei dieser Etappe aussichtsreich im Rennen. Nun sind noch mehr als 1000 Meilen bis nach Fremantle in Australien zu bewältigen.

Dritter Todesfall

In der 20-jährigen Geschichte des Clipper Races ist es damit in kürzester Zeit zu drei Todesfällen gekommen. Bei dem Rennen 2015-2016 starben Andrew Ashman und Sarah Young (40)   bei verschiedenen Vorfällen nacheinander tragischerweise auf der selben Yacht.

Die Clipper Race Organisatoren waren nach intensiver Untersuchung durch die Marine Accident Investigation Branch von einer Schuld entlastet worden. Und sie hatten weitere Verbesserungen bei zur Verbesserung vorgenommen.  So sind inzwischen die Reling-Zwischenräume mit Sicherheitsnetzen verkleidet, um die Gefahr des Überbordgehens zu reduzieren. Außerdem verfügen alle Segler über persönliche Rettungssender mit AIS-Alarm.

Greenings ist kurz nach dem Start des Clipper Races in Kapstadt aufgelaufen. © Clipper Race

Aber das Rennen steht doch immer wieder in den Schlagzeilen, wie zuletzt im Falle der Unglücksyacht “Greenings”, die bei Kapstadt auflief und verloren ging. Das Schiff wird inzwischen als Totalverlust verzeichnet. Renn-Organisator Robin Knox-Johnston ärgert sich mit den südafrikanischen Behörden über die Entsorgung des Wracks von den Felsen.

Aktuell gibt es eine weitere Notsituation auf einer anderen Yacht der Flotte. Auf “Garmin” leidet ein Crewmitglied unter akuten Bauch-Problemen, die erforderten, dass ein Flugzeug der Royal Australian Air Force ein Paket mit dringend benötigten medizinischen  Hilfsmitteln abwarf. Der Segler befindet sich unter intensiver Aufsicht durch externe Ärzte der Clipper-Organisation.

Die Reaktion der Skipper

Derweil übermitteln die Skipper der Flotte die große Betroffenheit ihrer Crews an die Angehörigen des Verunglückten Speirs. “Visit Seattle“-Skipper, Nikki Henderson sagt: “Ich weiß nicht, ob es Linderung verschafft, wenn man weiß, dass er getan hat, was er liebte – Dieser Ozean ist einer der magischsten und tückischsten Orte dieser Welt.”

Der deutsche Skipper Chris Kobusch von “Qingdao”, der für diese Etappe den Joker  ausgespielt hat, und damit um die doppelte Punktzahl segelt, hat seine Crew für eine Zeit des Gedenkens im Cockpit versammelt. Er schreibt: “Unsere Gedanken sind mit seiner Familie und Andy Burns mit seinem Team. Wir wünschen euch eine sichere und schnelle Passage nach Fremantle und werden da sein, um euch zu unterstützten.”

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Die Qingdao-Crew unter dem deutschen Skipper Kobusch hält in Gedenken an Simon Speirs einen Momen inne. © Clipper Ventures

Speirs Skipper Andy Burns grübelt, ob er und seine 16-köpfige Crew noch mehr hätte tun können um diesen schrecklichen Moment zu verhindern und stellt sich die Frage: “Was wäre wenn…” immer wieder.  Aber der Zusammenhalt der Crew und der Clipper-Race-Familie helfe bei der Verarbeitung. Er könne nur beten, dass so etwas nie wieder passiert. 

Speirs sei einer seiner engsten Vertrauten gewesen, wenn es darum ging Entscheidungen zur Sicherheit und dem Wohl zu treffen. Gerade die Sicherheit habe bei ihm immer eine der wichtigsten Rollen gespielt. Dabei ist der Brite schon einhand um die Isle of Wight gesegelt und habe abenteuerliche Ausdauerstrecken auf dem Rad absolviert.

 

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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