Contender IDM Kiel: Bericht vom Deutschen Meister Christoph Engel

"Unfassbar. Ich bin Meister geworden"

Christoph Engel, neuer Deutscher Meister im Contender beim Pinend-Start. © Ralph Linow - www.saralin.de

Christoph Engel, neuer Deutscher Meister im Contender beim Pinend-Start. © Ralph Linow – www.saralin.de

Die Deutsche Meisterschaft hätte nicht spannender sein können! Nachdem ich vor zwei Wochen in Steinhude knapp hinter Christoph Homeier zweiter geworden war, fühlte ich mich gut für unsere Meisterschaft vorbereitet. Aber dass die Serie so gut startet hätte ich nicht gedacht!

Von Anfang an schien alles zu passen! Der Trimm, der Am-Wind-Speed und mit der Raumtechnik konnte ich die meisten Meter machen. So übernahm ich am ersten Tag die Führung. Christoph Homeier lag knapp hinter mir und zog dann am zweiten Tag vorbei. Wir lagen punktgleich 13 Punkte vor Backe auf dem ersten und zweiten Platz. Irgendwie schienen die beiden Titel Deutscher Meister und Vizemeister für uns schon sicher. Das war schon mehr als ich mir vorgenommen habe und ich war schon total glücklich!

Der dritte Tag sollte die Entscheidung bringen. Im ersten Rennen am letzten Tag geht Christoph schnell die Führung und ich muss mich nach der Startkreuz nach vorne kämpfen. Als vierter komme ich ins Ziel. Nie hätte ich gedacht, dass ich mich einmal so über einen vierten ärgere!

“Aggressiver starten”

Aber wenn Christoph das nächste Rennen gewinnt, ist er Deutscher Meister. Die Ausgangslage für das Finale: Ich müsste noch zwei Rennen vor Christoph durchs Ziel gehen und eins davon gewinnen.

Der wohl entscheidende Tipp kommt von Backe: „Du musst mal aggressiver starten! Du startest nicht schlecht, aber da ist noch mehr drin!“ Gesagt, getan! Die Linie leicht bevorteilt am Pinend und die letzten Rennen ging die Startkreuz immer über links – jetzt also alles oder nichts.

Nullstart! Anschlag links raus, auf der Layline zur Tonne! Und siehe da, dritter an der Luvtonne. Von Backe, der knapp hinter mir war nur ein knappes „Siehste, es geht doch!“. Auf den beiden Raumgänge war es an der Zeit, wieder Meter gut zu machen und die beiden Jörg‘s vor mir zu überholen! Es funktionierte, auch wenn die Böen von hinten das Feld auch immer wieder heranbrachten.

Ausleger hängt am Gummi-Zipfel

Auf der Kreuz dann vorsichtig auf Deckung gefahren. Christoph war nicht mehr zu sehen – ein völlig neues Bild! Kreuz und den Vormwinder gut überstanden.  Jetzt nur noch die Zielkreuz. Dann der Schock nach der letzten Wende: mein Pinnenausleger fühlt sich komisch an. Das Gummigelenk hängt nur noch an einem Zipfel. Ruhig bleiben und durchs Ziel fahren – geschafft! Erster! Wieder punktgleich!

Das heisst für das Finale, einfach nur vor Christoph durchs Ziel und der Titel ist deiner! Jetzt schnell den Pinnenausleger wechseln. Kurz vorm Start wird mir Ersatz vom Begleitboot gebracht. Passt nicht ganz, aber mit ein bisschen Tape läuft das!

Letzter Start, Christoph knapp über mir, ich wieder am Pinend. Diesmal mit noch knapperem Start. Hoffentlich nicht zu früh. An der Luvtonne vor Christoph. Jetzt heißt es decken, decken, decken! Christoph ist schnell auf der Kreuz. Ich darf ihn nicht durchbrechen lassen!

Raumschots läuft es wieder problemlos. An der Leetonne suche ich nach GER 551 – wo bleibt Sie???? Weg?! Kann nicht sein, irgendwas muss bei Christoph schief gelaufen sein. Weiter hinten als erwartet kommt er um die Tonne, legt wie erwartet sofort um und ich gehe mit. Er kommt immer näher. Auch vor dem Wind. Aber der Abstand muss doch reichen. Auch wenn er mit einer wahnsinniger Geschwindigkeit durchs Wasser fliegt…

“Neeeeein, ich bleibe im Wind stehen”

Die letzte Kreuz. Er legt um, ich wende auch und dann: Neeeeeein! Ich bleibe im Wind stehen, treibe kurz rückwärts,  das darf doch nicht passieren! Ruhig bleiben, Segel rausdrücken und wieder Fahrt aufnehmen.

Christoph legt um, ich peile zu ihm rüber. Das wird knapp! Verdammt!! Das kann doch nicht sein, dass er auf dieser kurzen Kreuz so viel aufholt! Ganz knapp komme ich noch vor ihm durch. Die nächste Wende funktioniert. Aber es wird immer enger. Die Zielflagge ist direkt über mir, Christoph kommt auf Backbordbug, ich auf Steuerbordbug, eine letzte Wende, raus ins Trapez, das Boot wieder grade reißen, die Hupe vom Zielschiff, Applaus von Wettfahrtleitung und Jury und zwei riesen Schreie! Ein Freudenschrei meinerseits, der andere von Christoph.

Es ist unfassbar, ich bin Deutscher Meister geworden!

Christoph ein Punkt hinter mir auf Platz zwei! Ein Traum von uns geht in Erfüllung: Doppelsieg bei der Deutschen für die Burschis! Backe auf dem Dritten, danach erst die Dänen! Ein tolles Event, schöner Wind und spannend wie nie zuvor!

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8 Kommentare zu „Contender IDM Kiel: Bericht vom Deutschen Meister Christoph Engel“

  1. avatar tom sagt:

    super geschrieben!!

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  2. avatar GüntherAhlas sagt:

    Da hat der Lehrling den Meister in die Schranken verwiesen!

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  3. avatar Uwe sagt:

    Es gefällt mir, dass die Contenderklasse für ihre IDM ein Seerevier gewählt hat.
    Die Finns dümpeln bei ihrer IDM seit 2 Tagen auf einem Flautenrevier herum:
    http://dtyc.de/IDM_Finn-1-108.htm

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 4

  4. avatar Holger sagt:

    Glückwunsch

    Meister + Vize würden doch zusammen gute 49er Team ergeben oder ??
    Backe hat sich ja seinerzeit mit Jörgi nicht getraut….

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    • avatar Oliver sagt:

      @Holgi: Stell den beiden doch mal einen 49er zum probieren. 🙂

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      • avatar Holger sagt:

        no problem – jederzeit machbar
        die große 49er Trainingsgruppe in Kiel nimmt gerne jederzeit gute Segler aus
        anderen Klassen mal mit testweise

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    • avatar Wilfried sagt:

      Vielleicht haben sie ja keinen Bock auf 49 er sondern segeln lieber Contender mit vielen gut besuchten Regatten im Norden und Dänemark

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