Corona-Irrsinn: Regatta in Sachsen erlaubt, aber ohne auswärtige Teilnehmer

"Ausgemachter Blödsinn"

Auch die Corona-Auflagen in Sachsen sind gelockert worden. Eine Regatta darf wieder stattfinden. Aber unter skurrilen Vorgaben. Segeln wird als Mannschaftssportart wie Fußball gewertet.

Sächsische Landesmeisterschaft im FD auf der Talsperre Pöhl. © SSVEP

Am übernächsten Wochenende im Juni startet die Sächsische Meisterschaft der Flying Dutchmen auf dem Pöhler See, eine der fünf wichtigsten deutschen Regatten der Klasse 2020. Wegen der anhaltenden Corona-Krise war lange Zeit nicht klar, ob sie stattfinden kann.

Die Verantwortlichen Organisatoren vom kleinen kaum 40 Mitglieder starken Segelsportverein “Einheit” Plauen (SSEP) bemühten sich intensiv in der Kommunikation mit der sächsischen Behörde, eine Genehmigung zu erhalten. Mehrfach wurde ihr Antrag in Bezug auf die geltenden Corona-Schutzverordnungen negativ beschieden. Aber die neue seit 6. Juni geltende Verordnung enthielt weitere Lockerungen.

So sind unter anderem “Familienfeiern jeglicher Art in Gaststätten oder angemieteten Räumlichkeiten mit bis zu 50 Personen aus dem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis zulässig”.

“Heute dann der Durchbruch – so glaubten wir”, berichtet Karsten Keil von der FD-Klassenvereinigung, einer der Organisatoren in Pöhl. Telefonisch sei der KV mitgeteilt worden, dass die neuen Regeln Wettkämpfe in Mannschaftsportarten wieder erlauben, also auch die Sächsische FD Meisterschaft. Es gibt aber einen Haken. Laut Interpretation der Behörde verbiete die “Verordnung zum Vollzug des Infektionsschutzgesetzes” die Austragung von bundesländerübergreifenden Wettkämpfen in Mannschaftssportarten. Es dürfen also nur Sachsen an der Regatta teilnehmen.

Einordnung als “Mannschaftssport”

Wie die Behördenvertreter auf die Einordnung des Zweimann-Segelsports als “Mannschaftssport” im Sinne von Fußball, Handball oder Basketball kommen, ist den Seglern allerdings schwer verständlich.

Rolf Albert, Sachse und einer der aktivsten deutschen FD-Segler, dem im vergangenen Jahr bei der WM in Neuseeland übel mitgespielt worden war, rechnet bei den geforderten Vorgaben nur noch mit der Teilnahme von maximal zwölf Crews.

“Das ist ausgemachter Blödsinn. Dennoch können wir es nicht ändern. Wir werden im eigenen Saft schmoren.” Interessant sei es aber auch, wie man mit Ausländern umgehen würde, die teilnehmen wollten. Sie sind in der Corona-Verordnung nicht erwähnt. “Und was ist mit meinem Schotten aus Kiel? Darf er? Eine in Dresden wohnende Mannschaft segelt für den VSaW. Dürfen sie? Ein heimisches Boot hat einen Thüringer Steuermann. Ein anderes einen bayerischen Vorschoter. Das wird ein Kuddelmuddel.”

Zumal an anderer Stelle in Steinhude schon erfolgreich eine FD-Regatta unter Corona-Auflagen hat stattfinden können. Wieder einmal scheint der Segelsport bei der individuellen Beurteilung durchaus sinnvoller Virus-Schutzmaßnahmen aus Unkenntnis in eine Schublade zu geraten, in die er nicht gehört. Die Ansteckungsgefahr beim Crewsegeln dürfte nicht der einer Mannschaftssportart im üblichen Sinne entsprechen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Corona-Irrsinn: Regatta in Sachsen erlaubt, aber ohne auswärtige Teilnehmer“

  1. avatar Sven sagt:

    Was sagt der DSV dazu ? Die wissen schon das wir Corona Einschränkungen haben und der Spitzenverband da eigentlich was tun könnte oder ?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

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