Covid-19: Lockdown in Frankreich – Vendée Globe Village schließt seine Tore

Der Vorhang fällt

Noch zehn Tage bis zum Start der Vendée Globe. 2016 haben sich 2,5 Millionen Besucher Yachten und Skipper vor Ort angesehen, nun wird das Dorf geschlossen. Ist auch der Start gefährdet?

Die Stege des Vendée Globe-Starthafens in Les Sables-d’Olonne werden für die Öffentlichkeit geschlossen. © V.CURUTCHET/ALEA/VG2020

Nach Angela Merkel hat gestern auch Emmanuel Marcon zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie die Ausgehbeschränkungen stark verschärft. In Frankreich war zuletzt die Zahl der Neuinfektionen in 24 Stunden auf 36.000 gestiegen. Die Krankenhäuser sind schon wieder an den Grenzen ihrer Belastbarkeit angekommen. Von Freitag bis zum 1. Dezember sollen die Franzosen zuhause bleiben. In diesen Zeitraum fällt der Start der Vendée Globe am 8. November.

Ab Mitternacht wird das 30.000 Quadratmeter große Areal geschlossen, in dem zuletzt die 33 Vendée-Globe-Skipper hautnah bei ihren Vorbereitungen vor dem Start der Nonstop-um-die-Welt-Regatta beobachtet werden konnten. Längst hatten die Veranstalter in dem seit dem 17. Oktober geöffneten Race-Village Beschränkungen erlassen müssen. Es besteht Maskenpflicht und man muss vor dem auf drei Stunden beschränkten Besuch einen Platz online reservieren.

Allerdings durften sich immerhin maximal 5000 Besucher gleichzeitig in dem Gebiet und auf den Stegen aufhalten. Und nicht selten wurde es so eng wie 2016, als 2,25 Millionen Menschen in den drei Wochen für einen Rekord sorgten.

So sahen die Stege 2016 aus, als 2,25 Millionen Besucher die Skipper verabschiedeten. © Blanchet / Vendée Globe

Manche Beobachter sprechen von Chaos auf den Stegen, die zwar relativ groß sind, wo gängige Abstandsregeln aber kaum eingehalten werden können. Ansteckungsängste spielten bei den Segel-Fans vor Ort bisher kaum eine Rolle. Wohl auch weil das Departement Vendée zu den am geringsten betroffenen Gebieten Frankreichs gehört.

Nun ist die Corona-Welle aber auch nach Les Sables geschwappt. Der 29. Oktober wird der letzte Tag sein, bevor der Vorhang auf den Stegen fällt. Die Organisatoren weisen mit einem nüchternen Plakat vor Ort und einem kurzen Website-Hinweis auf die neue Situation hin.

Ob nun auch der Start der Regatta in Gefahr gerät, ist bisher nicht bekannt. Eine Absage scheint aber kaum vorstellbar. Die Vorbereitungen sind zu weit fortgeschritten.

Was das Ansteckungsrisiko der Akteure anbelangt, werden bei dieser Vendée Globe strikte Regeln eingehalten

Drei Gruppen werden um jeden Starter gebildet: Der Skipper und seine enge Entourage, der mögliche Ersatz-Skipper mit Familie etc. und vier Préparateurs, die am Starttag bis kurz vor dem Startschuss auf dem Boot sein werden, um beim Auslaufen aus dem Hafen zu helfen, Segel zu setzen, letzte Einstellungen und Checks vorzunehmen.

Am 30. oder 31. Oktober müssen sich die Mitglieder jeder Gruppe einem COVID-Test unterziehen, gefolgt von einem Bluttest auf Antikörper gegen COVID. Der Nachweis dieser Antikörper würde auf eine frühere Kontamination mit dem Virus und damit auf eine Immunisierung hinweisen.

Ab 1. November müssen die drei Gruppen bis zum Tag der Abreise in Quarantäne, jede an einem anderen Ort. Um einmal mehr sicherzustellen, dass jegliches Kontaminationsrisiko ausgeschlossen ist, wird am 6. November für jede Gruppe ein neuer Test durchgeführt.

Nach dem Start sollte es dann in Bezug auf die Covid-19-Ansteckung keinen sichereren Ort als auf einem IMOCA geben, der einhand um die Welt gesegelt wird. Auf dem Wasser müssen sich die Skipper mit ganz anderen Risiken auseinandersetzen.

UPDATE:

Die Veranstalter haben bekanntgegeben, dass der Vendée Globe-Start wie geplant am Sonntag, den 8. November um 13.02 Uhr Ortszeit stattfinden wird, allerdings hinter “verschlossenen Türen” und ohne Zuschauer vor Ort. Er wird live auf vendeeglobe.org übertragen.

Im Statement heißt es: “Die Vendée Globe 2020-2021 wird ein Symbol unseres Wunsches bleiben, das Leben trotz der Schwierigkeiten, die unser Land durchmacht, und unter strikter Einhaltung der vom Staat festgelegten Gesundheitsvorschriften, fortzusetzen “.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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