Knarrblog: Drachen-Erlebnisse bei der Mittwochsregatta

Da muss man nicht rumpöbeln…

Mittwochsregatta auf der Alster mit Carsten und Dirk im Drachen © M. Reith

Klar, dass der Typ genervt ist. Ich will ihn ja auch nerven. Das Wehtun gehört zum Spiel. Nicht um des Wehtuns-Willen, sondern wegen des Vor-ihm-ins-Ziel-kommens. Das ist die Grundidee eines Wettkampfes. Man lässt den Gegner nicht freiwillig gewinnen. Man wehrt sich.

Das ist passiert. Wir (gelb) segeln mit Wegerecht eine Bootslänge weiter als zur Luvtonnen-Anliegelinie (rechts liegen lassen) und zwingen blau zu einer Wende. Blau findet das unsportlich und pöbelt, weil die Wende bremst.

Deshalb muss der Typ nicht so rumpöbeln. Immerhin sitzen wir auf Drachen. Diese Boote sehen nicht nur äußerlich gediegener aus als der Durchschnitts-Conger, man könnte sich auch mit der Ausdrucksform dem Erscheinungsbild anpassen. Was sollen denn die Passanten am Alsterufer über diese bösen, lauten Wörter mit A denken?

Dabei echauffiert sich der Mann offenbar nur, weil er einen taktischen Schachzug für Unsportlichkeit hält. Er wähnt die Situation offenbar in der das-macht-man-nicht-Grauzone. Sie erstreckt sich beim Segeln über ein weites Feld. Und je geringer die Qualität einer Flotte, umso mehr dieser unausgesprochenen Regeln gibt es offenbar.

Das wäre passiert, wenn wir blau nicht zur Wende gezwungen hätten. Ein Drachen verliert besonders viele Meter bei der Wende. Blau wäre in Luv drüber gerauscht.

Bei diesen Drachen-Mittwochs-Regatten übertrete ich scheinbar häufiger die Grenze. Ich wundere mich über Reaktionen, die anderswo nicht zu erwarten sind. Oft geht es dabei um das Überfahren der Anliegelinie. Es gibt Menschen wie diesen Typen, die meinen, sie hätten Vorfahrt, sobald sie die Tonne anliegen können.

Aber wenn der Wind von Backbord in das Segel weht und bei unserem Boot der Wind von Steuerbord, dann hat dieser Typ eben keine Vorfahrt. Egal wo die Tonne liegt. Ich wende also nicht sofort, um die Anliegelinie zu erwischen, sondern halte noch diese eine Bootslänge durch, um den Typen zur Wende zu zwingen.

Klar tut es weh, wenn man einen Drachen wenden muss. Aber so bleiben wir auf dem zweiten Platz und können mit der Schimpf-Kannonade gut leben.

Das hätte blau tun können. Rechtzeitig abstoppen oder abfallen und mit Speed hinter gelb durchfahren. Dafür muss man aber rechtzeitig die Situation kommen sehen.

Die Teile der Drachen-Kolumne:

Neue Segel…segeln nicht von alleine

Das Schicksal von “Klecks” beeinflusst die Leistung auf dem Wasser

Premiere beim Drachensegeln

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://northsails.com/sailing/de/byt-til-nyt-dag

6 Kommentare zu „Knarrblog: Drachen-Erlebnisse bei der Mittwochsregatta“

  1. avatar Drachen-Dödel sagt:

    ….segel doch einfach die Mittwochsregatta beim NRV mit. Da sind nur Drachen und vor allem: “Congerfreie Zone” ;-))

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

  2. avatar Russel Coutts sagt:

    Das WAR ja wohl die Drachenregatta beim NRV…. Es ist schon richtig, dass die Regelfestigkeit bei Seglern meist zunimmt, wenn auch Reviere außerhalb der Alster befahren werden. Dazu kommt die verbreitete Annahme, das fortgeschrittenes Alter in punkto Regelverständnis förderlich wäre, was sich allzu oft als Trugschluss erweist.
    Die beschriebene Situation gibt es aber mit schönster Regelmäßigkeit auch bei der “allgemeinen” Mittwochsregatta vom HSC, wenn bei SW als erste Tonne Nr 3 (Holzdamm) anliegt. Das betrifft da dann alle Klassen…
    Was hilft? On-Water umpires…

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

    • avatar Carsten sagt:

      …es hilft auch Geduld und Verständnis für den Mitmenschen, der vielleicht einen harten Tag im Büro hatte oder Ärger zuhause 🙂 Das Schöne bei der Mittwochsregatta: Beim Bier danach ist alles vergessen. Sollte es jedenfalls.

      Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  3. avatar Andreas Ju sagt:

    Wäre doch schön, bei der Gelegenheit auch mal die Sache mit dem Proper Course zu erklären, die offenbar vielfach noch eine Geheim-Regel zu sein scheint. Und insofern nichts nützt, wenn man sie nur alleine kennt.

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  4. avatar Manfred sagt:

    Du hast die Sache mit der “Mittwochsregatta” noch nicht kapiert. Wird auch “beer can race” genannt. Hang loose und verprell nicht die Feierabendsegler. Wenn Du jemanden ärgern willst oder selbst Frust schieben, geh wieder auf Match Races. Da gehört das hin. Smooth Sailing!

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  5. avatar Regelkenner sagt:

    @Andreas Ju
    Proper Course spielt allein in dem nach Regel 17 beschriebenen Fall eine Rolle (und Sonderfälle wie 18.4 beim Runden der Bahnmarke). Der Proper Course schränkt lediglich die Luvrechte eines Leebootes ein, das sein Wegerecht von klar achteraus kommend erhalten hat.
    Regeln, die man nur alleine kennt sind häufig auch nur Legenden (oder das-tut-man-nicht-Regeln);-)

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *