Die Geheimnisse des Eissegelns: 12-facher Weltmeister Karol Jablonski erklärt sein Rennen

Das Spiel mit dem Widerstand

Die Eissegel-Saison ist nach einem eisigen Wochende erste einmal wieder beendet. Großmeister Karol Jablonski gewährt ungewöhnliche Einblicke in die Kunst des Schnellsegelns – und: Warum der Mast so komisch biegt.

Vom letzten Platz auf den zweiten. Der 12-fache Eissegel-Weltmeister mit dem DN-Schlitten Karol Jablonski segelt ein Rennen im Feld der besten Polen mit ferngesteuerter On-Board-Kamera. Er erklärt wie er im ersten Rennen den Platz an der Startlinie ganz links zugelost bekommt und dann hinter dem Feld nach rechts rast. Nach zwei Runden liegt er wieder weit vorne. Ungewöhnliche Einblicke in einen rasanten Sport.

Hier das gesamte Rennen mit der On-Board-Kamera:

Bei der Perspektive fällt wieder auf, wie extrem die Masten der DN-Schlitten biegen. In einem früheren SegeReporter-Artikel hat Manfred Schreiber, einer der besten und erfahrensten deutschen Eissegler das Phänomen erklärt.

„Es geht um zweierlei. Wenn man die Schlitten mit den gebogenen Masten direkt von vorne sehen würde, wären Mast und Segel ein schmaler Strich. Der Widerstand ist extrem gering. Und darum geht es. It is all about drag!

Bei den hohen Geschwindigkeiten hat man an der Kreuz schnell mal 80 km/h Wind an Deck. Da will man sich gerne ein bisschen sehr klein machen um den Widerstand zu verringern.

Kranke Mastbiegung? Beim Eissegeln ist es schnell. © Ake Luks

Wenn man die Segel auf herkömmliche Weise im Achterliek auftwisten würde, um überflüssigen Druck abzulassen, würde das Profil von vorne gesehen in seiner Gesamtheit viel breiter. Und dadurch ergibt sich ein größerer Widerstand.

Das Bild von dem schwedischen Segler Tomas Carlsson oben zeigt noch ein anderes, wichtiges Trimmelement. Der DN ist nur mit einer (!) Schot ohne sonstige Trimmleinen ausgestatteten.

Der Kohlefaser-Mast hilft mit der vorwärts/rückwärts Biegung, das Profil an der breiten Stelle aus dem “altmodischen” dreieckigen Segel (60 Jahre alte Konstruktionsklasse, Boxrule) rauszuziehen. Dadurch erreicht man ebenfalls ein der Geschwindigkeit angepasstes, flaches Profil mit einem geringen Widerstand.

Ein tiefes, bauchiges Profil wird nur beim Anfahren aus dem Start benötigt. Und natürlich wenn der Untergrund schwer ist, also Schnee oder sehr weiches Eis oder Grütze äääh…Harsch, der schwer zu durchfahren ist. Das Eis ist eben jeden Tag anders.

Manfred Schreiber mit seinem DN-Schlitten. Eine Böe wird von dem flexiblen Mast kompensiert und verhindert das Aufsteigen der Luv-Kufe. © Ake Luks

Dieses Foto, welches für ein schwedisches Training gemacht wurde, weist darauf hin, dass die einfallende Böe zunächst von der Biegung des Mastes aufgefangen wird. Es kommt dadurch nicht zu den unangenehmen “Steigern” wie früher mit den Alumasten. Man möchte immer mit allen drei Kufen auf dem Eis bleiben.

Die Böe wird direkt  in Vortrieb umgesetzt. Gleichzeitig verringert sich mit zunehmendem Winddruck/Fahrt/Geschwindigkeit auch wieder der Frontwiderstand.

Flügel-Motten werden übrigens auch mit extrem geringem Frontwiderstand am Wind gesegelt. Da gibt es Baumniederholer mit einer 1:32 Übersetzung um Druck auf das Achterliek zu bringen. Das schafft man mit der normalen 1:3 Schot nicht. Vor dem Wind wird dann der Niederholer etwas gelöst, um Tiefe machen zu können und um etwas Druck loszuwerden. Sonst kapriolt man über den Kurs.“

Ein Kommentar „Die Geheimnisse des Eissegelns: 12-facher Weltmeister Karol Jablonski erklärt sein Rennen“

  1. avatar Steffen Pöhlmann sagt:

    … super spannender Artikel. – Vielen Dank dafür!

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