Die Zukunft des Cups

Die Kanne ist zuhause. Ellison favorisiert eine Verteidigung in San Francisco

Der America´s Cup ist zurück. Zwar nicht im angestammten New York Yacht Club. Aber auch der Golden Gate Yacht Club ist eine gute Adresse. © BMWO.Gilles Martin-Raget

Der America´s Cup hat seinen Triumphzug durch die USA begonnen. Erster Stopp war der Golden Gate Yacht Club in San Francisco, wo die Kanne bis zur nächsten Verteidigung ihr neues Zuhause findet. Danach wurde der Silber-Trumm im Rathaus der Öffentlichkeit gezeigt. 2500 Besucher feierten den Sieg. Nächster Tour-Stopp war der San Diego Yacht Club.

Bei den öffentlichen Äußerungen konnte man Indizien für die Zukunft des Cups sammeln. So betonte zwar Bürgermeister Gavin Newsome, dass die San Francisco Bay ein „natürliches Amphietheater” für den Sport sei. Und Larry Ellison sagte: „Unser Yacht Club ist in San Francisco. Ich bin von San Francisco. Und das ist ein toller Platz zum Segeln.”

Ellison bekräftigte: „Wenn ich den Ort aussuchen würde, wäre es San Francisco.” Er wiederholte aber, dass er sich vor einer Entscheidung zum Austragungsort des 34. America´s Cups erst mit den potenziellen Teilnehmern besprechen werde.

Der Cup segelt. Auf der Replik des Schoners „America“, der 1851 die Kanne aus England entführte. © BMWO.Gilles Martin-Raget

So hat auch das Schwachwind-Revier San Diego die Möglichkeit, sich zu positionieren. Dort verteidigte Bill Koch 1992 den Cup und BMW Oracle trainierte dort 16 Monate lang. Offensiv agiert Newport in Rhode Island, das traditionelle Cup Revier. Und das Gerücht wird bestätigt durch die Tatsache sich Larry Ellison dort Anfang des Jahres für 10,5 Millionen Dollar ein Anwesen gekauft hat.

Deutlicher wurde Ellison bei einem Interview http://abclocal.go.com/kgo/video?id=7288043 mit dem US-Sender ABC. Er sagte, Ziel sei es, „dass die Teams zurück kommen, die auch beim vergangenen Mal dabei waren”. Deshalb müsse man vor einer Entscheidung mit allen reden.

Er machte auch erstmals deutlichere Angaben zu den Booten. Die wichtigen Frage seien doch: „Was macht den Sport kommerziell interessanter? Was macht ihn besonders für junge Leute attraktiver?” An den Multihulls beim 33. Cup sei es doch spannend gewesen, dass es die schnellsten Segelboote waren, die je gebaut wurden. „Deshalb hatten viele Leute Spaß beim Zusehen.”

Viele mögen zwar die traditionellen Einrümpfer, die jüngere Generation möge aber auch die extrem schnellen Multihulls. Damit rückt Ellison näher an der Position Bertarellis, der klar für Mehrümpfer votiert und sogar seine weitere Teilnahme davon abhängig macht.

Zum Timing sagt Ellison: „Wir diskutieren mit den Sponsoren und Teams und werden in den nächsten Monaten eine Entscheidung treffen.”

Generell sei er begeistert von der Match Race Tour. „Viele Bord an Bord Kämpfe. Ein Rennen dauert 40 Minuten, überall Kameras und Mikrophone an Bord, Helikopter.” Das könne man sich auch in San Francisco mit 60 Fuß Kats vorstellen. Der Zuschauer erfahre viel über die Manöver mit, über die Crew Koordination und die Strategie der Teams. „So ist das ein wundervoller Zuschauer-Sport.”

Auf den Einwand, dass das alles sehr teuer werden könne, begegnet der Milliardär: „Das ist das Problem. Wenn wir Teams aus den kleineren Ländern dabei haben wollen, und das wollen wir, dann müssen wir die Budgets kontrollieren. Das geht nicht mit den Booten, die wir jetzt in Valencia hatten. 23 Stockwerke hoch. Das ist viel zu teuer.”

Man könne 60 Fußer segeln. Die seien auch sehr schnell. Aber die Kosten für eine Kampagne könnten auf 2-4 Millionen Euro gedrückt werden, wenn es eine einfach Design- Regel gebe. „So würden auch die Südafrikaner dabei sein mit ein paar kleinen Sponsoren.”

Für perfekt hält er eine 50/50 Aufteilung zwischen Segel-Fähigkeiten und Technologie. Vielleicht solle man die seglerischen Fähigkeiten sogar noch mehr betonen als die Ingenieurs-Leistung. „Die Leute wollen nicht sehen, wer den besten Tennisschläger hat sondern wer der beste Spieler ist.”

Zum Ort betont Ellison in dem ABC-Interview noch einmal seine Liebe für San Francisco. Man könne von der Küste aus zusehen. Und von den Büros. „Vor fünf Jahren haben wir hier den Moet Cup gegen Alinghi gesegelt. Hunderttausende Zuschauer kamen. Es ist ein Segel-Amphithaeater wie nirgends sonst auf der Welt.”

Aber Ellison macht auch deutlich, dass die Stadt ein Segelzentrum bauen müsse. So wie ein Olympisches Dorf. „Es muss eine Marina entstehen, von wo aus die Teams über Jahre aus operieren können. Es muss ein britische Basis geben und mehrere französische und italienische…” Von Deutschland spricht er nicht. Der Auftritt 2007 scheint bei ihm nicht viel Wirkung hinterlassen zu haben.

Besonders spannend ist folgende Aussage: „Hoffentlich gibt es auch weitere amerikanische Teams, die uns für eine Verteidiger-Serie herausfordern.” Das würde gewährleisten, dass der Verteidiger Trainingspartner hat. 1992 besiegte Bill Koch Dennis Conner in der Verteidiger Serie und segelte an seiner statt um den Cup.

Ellison hofft auf insgesamt 16 Teams. „Die Stadt muss uns eigentlich nur das Land zur Verfügung stellen. Die Teams werden dann ihre eigenen Basen errichten. Dem Steuerzahler sollten keine Kosten entstehen.”

Er macht das Event schmackhaft: „Der America´s Cup hatte für Valencia einen Wert wie zehn Super Bowls, rund 680 Millionen Euro.” Die übrigen Orte wie Newport und San Diego benutzt er wohl als taktisches Druckmittel.

Von Valencia redet jedenfalls niemand mehr. Auf dem Blog Valenciasailing heißt es, dass Alinghi schon dabei sei, seine Sachen zu packen. Insider erwarten, dass die Basis im nächsten Monat aufgelöst wird. Bertarelli scheint mit seinem Abzug nicht darauf warten zu wollen, was Ellison für den 34. Cup entscheidet. Es hört sich nicht so an, als rechne er mit einer weiteren Alinghi-Teilnahme oder damit, dass Valencia noch einmal eine Rolle spielen könne.

Carsten Kemmling

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