29er Nachwuchs: Die nächste Generation der Sach-Brüder greift an

Auf den Spuren von Vater und Onkel

Als die Namen Anton und Johann Sach beim Welcome Race der Kieler Woche 2019 erstmals nicht nur in den Crewlisten auftauchten, sondern die beiden Segler gleich auch ganz oben auf dem Siegerpodest standen, wurde die Szene hellhörig. Nun trainieren die Söhne vom 20-maligen Travemünder Woche-Sieger Christian Sach mit dem 29er-Landeskader. Das Talent haben sie im Blut.

Anton an der Pinne und Johann Sach im Trapez ihrer 29er-Jolle. Foto: Kirsa Sach

Den Spitznamen hatten die Youngsters in der Trainingsgruppe gleich weg: die Säcke. So wurden der Vater und Onkel Helge schon vor Jahrzehnten bei den olympischen Tornados genannt, vor allem von den Weltmeistern Oliver und René Schwall, dessen Sohn Per ebenfalls zur Skiff-Auswahl gehört. Obwohl voriges Jahr mangels Regatten kaum Ergebnisse nachgewiesen werden konnten, wurden die Sachs von Landestrainer Thomas Rein mit sechs weiteren Duos in den Kaderpool des Seglerverbands Schleswig-Holstein berufen. Dabei segeln die Brüder erst seit dem vorigen Herbst als Crew zusammen.

„Es hat ein bisschen gedauert, bis wir in einem Boot saßen“, erzählt Johann, mit 16 Jahren der ältere, schließlich war der kleinere Anton in der Kindheit auch nicht immer von einer Segelkarriere überzeugt. Der Bewegungskünstler wollte zeitweise lieber mit dem Mountainbike steile Hänge runterrasen. Eine frühe Berufung in den Opti-B-Kader lehnte er ab, Begründung: „keinen Stress!“ „Wir haben das auch nie gepusht“, beteuert die Mutter Kirsa Sach, selbst Kat-Seglerin ohne Zeit mehr dafür.

Es könnte auch Eishockey bleiben oder werden, was im vorigen Winter durch die Corona-Pandemie völlig flachfiel. Ansonsten sind die Brüder auf Schlittschuhen mit Schläger und Puck beim Club für Eissport Timmendorf genauso flink unterwegs. Gegner aus ganz Norddeutschland verlangten so manchen nächtlichen Frühstart aus dem heimischen Zarnekau in Ostholstein. Da sind die Spielzeiten auf dem flüssigen Wasser entspannter und die Reviere vergleichsweise nah.

Zwei Generationen Sach-Brüder, die schon 2019 auf dem M32 zusammen das Welcome Race der Kieler Woche gewannen (von links): Helge, Christian, Anton und Johann Sach. © Andreas Kling

Auch das gefällt den Multitalenten, ob beim Surfen, Wakeboarden oder eben jetzt im 29er, als Gleitjolle ein intensives Boot mit großem Zulauf von der Jugend, national wie international. „Ich wollte schon immer zu zweit segeln“, sagt der 13-jährige Anton, „allein im Opti hat zu wenig Spaß gemacht.“ Als sein hochmotivierter Bruder dann einen ehrgeizigen Mitstreiter suchte, lag die Suche unterm eigenen Dach nahe.

Erst musste Johann an die Pinne, weil Anton nicht die Verantwortung übernehmen wollte, nachdem er bei einem Opti-Start mal Trouble hatte. Mit seinen 46 Kilogramm richtete das Leichtgewicht im Trapez jedoch nicht viel aus, während 63 Kilogramm nur beim Ausreiten verschenkt waren. Sie tauschten die Rollen und gelten seitdem als schnelles Team, nicht nur bei Leichtwind.

Die Gewichtsverteilung an Bord spielte seit jeher auch bei den Sach-Senioren eine bedeutende Rolle. „Ich war früher der kräftigere, werde deshalb bis heute noch ‚Dicker‘ genannt“, erzählt Christian (kaum schwerer als sein großer Sohn), während der zwei Jahre ältere Helge erst später in die Länge schoss, das Ruder aber seitdem trotz häufiger Überlegungen nicht mehr aus der Hand gab. „Dieselben Fehler müssen die Jungs ja nicht noch einmal machen“, meint der Onkel, der sich sehr über die jungen Fußstapfen seiner Neffen freut.

Seine Söhne Lasse und Bjarne sind Leichtathletik- und Fußball-Asse. Nur die Tochter Jana jobbt gerade als Segellehrerin im Robinson Club Esquinzo Playa auf Fuerteventura, wo sie zuweilen ihrem Vater beim Regattatraining assistiert. Johann und Antons kleine Schwester Frieda hingegen bevorzugt den Rücken der Pferde. „Kinder müssen ihre Hobbys spielerisch entdecken und verfolgen, aber jeder nur so weit, wie er mag“, sind Kirsa und Christian Sach fest überzeugt.

Bei seinen Trainings- und Regattaeinsätzen lebt der Sach-Nachwuchs in einem selbstgebauten Bigbox-Trailer mit Schlafpritsche über der 29er-Garage, Koch­ecke und reichlich Stauraum für die Ausrüstung. Foto: Andreas Kling

 

Typische, am Ufer oder aus dem Begleitboot keifende Opti-Eltern waren allen schon immer ein Dorn im Auge. Wenn der Nachwuchs auf dem Wasser ist, gehen die Oldies am liebsten Cappuccino trinken. Seinen immensen Erfahrungsschatz gibt Daddy auf Wunsch natürlich preis. Nach Anforderung macht er auf dem Heimatrevier vor Scharbeutz auch den Privatcoach, vor allem taktisch beim Kreuzen unter Gennaker vor dem Wind. „Bald können die das sowieso besser als wir“, winkt das Vorbild schmunzelnd ab.

An den Wochenenden wird derzeit vor Kiel-Schilksee trainiert, nach strengen Abstands- und Hygieneregeln, versteht sich, das Debriefing nur online oder per Handy. Sie sollen sich gleich mit den Besten messen, anstatt einen weiteren Fehler der „alten Säcke“ zu begehen und in der Lübecker Bucht zu bleiben. Gleichwohl starten Johann und Anton für den Lübecker Yacht-Club (LYC), der sie unterstützt, und sind auch im Neustädter Segler-Verein.

Wie andere Amateursportler landauf landab hoffen die Sachs auf sinkende Inzidenzzahlen, damit endlich mal wieder eine Regatta gestartet werden darf. Denn sie müssen noch Punkte sammeln für die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft. Die Anmeldung entpuppte sich voriges Jahr, als Johann noch bei Finn Schütt (ebenfalls LYC) die Fock trimmte und immer in der oberen Hälfte des Felds landete, bei gedeckelten Teilnehmerzahlen oft fast so schwierig wie einen Impftermin zu ergattern.

Und wie lauten die sportlichen Ziele für die Zukunft? „Das wird sich alles zeigen“, antwortet Christian Sach mit dem für ihn typischen Understatement als Erster schnell, aber bestimmt, und erntet keinen Widerspruch, „immer den Ball schön flach halten.“ Das klingt vernünftig für einen langfristig erfolgreichen Nachwuchs in der Seglerfamilie Sach. 

Ein Kommentar „29er Nachwuchs: Die nächste Generation der Sach-Brüder greift an“

  1. avatar Johannes Bahnsen sagt:

    Kleiner Hinweis: Auf dem Foto oben ist ein Nacra, kein M32 zu sehen..

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