Die schnellsten Monohulls: “Charal” gewinnt Azimuth Challenge – Alte “Hugo Boss” 3.

Flugshow der neuen 60 Fußer

Die neue “Charal” hat den ersten echten Vergleich der aktuellen 60 Fuß IMOCA-Flotte  gegen die Neubauten gewonnen. Beim 48 Stunden Rennen in der Biskaya zeigte sich die neue Hackordnung.

Es ist nicht alles schnell, was fliegt. Diesen Eindruck hat insbesondere die neue “Arkea-Paprec” von Sebastien Simon hinterlassen, mit der Star-Designer Juan Kouyoumdjian aus Argentinien die französische Offshore-Szene aufmischen will.

Während dieser Tage die Segelwelt über den wohl extremsten IMOCA aller Zeiten von Alex Thomson und sein neues Foil-Video diskutiert, kursiert von Arkea Paprec ein ähnlich dramatischer Beweis über die Flugkünste der neuen Vendée-Globe-Racer-Generation im Netz.

Die rasende “Charal” © Yvan Zedda / Azimut Challenge

Während Thomson aber noch nicht so weit ist, seinen Renner im Vergeleich mit der Konkurrenz zu testen, hat ihn Simon nun mit dem erfahrenen Parter und ex Vendée Globe Sieger Vincent Riou (47) auf die Gegner losgelassen – und noch keinen großen Eindruck hinterlassen.

Warmmachen für den Atlantik

Bei der Azimut Challenge machte sich die IMOCA-Flotte warm für den Saisonhöhepunkt  Transat Jacques Vabre, die Doublehand-Regatta über den Atlantik mit Start am 27. Oktober. 21 Teams traten bei der Zweihand-Regatta vor Lorient an, um zwei Tage lang in der Biskaya ihr Potenzial zu testen und die neue Hackordnung in der Flotte nach den Anpassungen an die aktuelle Regel-Version der IMOCA-Klasse zu manifestieren.

Bei der Vendée Globe werden gleich acht Neubauten am Start sein, aber auch die Yachten der älteren Generation sollen durch Flügel-Nachrüstungen und -Änderungen  noch  konkurrenzfähig sein.

“Charal” kurz nach dem Start auf Tragflächen, während die Konkurrenz noch in Verdrängerfahrt segelt. © Yvan Zedda / Azimut Challenge

Allerdings erwartet Designer Vincent Lauriot-Prévost, dass die neuen Konstruktionen bei bestimmten Bedingungen drei bis vier Knoten schneller sind als die alten. Sie erreichen bei 16 Knoten wahrem Wind einen Speed von 26-30 Knoten im Vergleich zu 22-25 Knoten.

Viel Entwicklungsarbeit auf dem Wasser

Bis sich solche Unterschiede zeigen, muss allerdings viel Zeit auf dem Wasser verbracht werden. Anders als bei den aktuellen America’s Cup Teams, die über ausgefeilte, teure Computer-Simulatoren verfügen und schon am ersten Tag des Stapellaufs solide Flüge zeigen, ist die IMOCA-Szene offenbar noch extrem abhängig von Wassertests.

Auch Volvo-Skipper Charlie Enright kann fliegen mit “11th Hour”.© Yvan Zedda / Azimut Challenge

Das zeigt insbesondere die neue “Charal”, das erste Boot der neuen Generation. Im vergangenen Jahr kam es noch überhaupt nicht in Schwung, dominierte nun aber nach dem Fastnet Race auch den Leistungstest bei der Azimut Challenge .

Louis Burton segelte mit Bureau Vallée auf der alten “Banque Populaire” dem vergangenen Vendée Globe Sieger. Die Foils unterscheiden sich gänzlich… © Yvan Zedda / Azimut Challenge

…von denen bei Initiatives Coeur, dem nagerüsteten IMOCA von Samantha Davies. © Yvan Zedda / Azimut Challenge

Bei 15 bis 25 Knoten starkem Wind konnte Jérémie Beyou mit seinem Co-Skipper Christopher Pratt im Golf von Biskaya die Vorteile seiner Konstruktion nach Belieben ausspielen. Erst gewann “Charal” die Speedwertung, dann das 48 Stunden lange Hauptrennen und schließlich noch die knapp einstündige Umrundung der Insel Groix.

Amerikaner puscht ex “Hugo Boss” ans Limit

Während diese Dominanz nicht unerwartet ist angesichts des Entwicklungs- und Zeitvorsprungs von Beyou,  hat der Amerikaner Charlie Enright für die vielleicht größte Überraschung gesorgt. Zusammen mit Star-Navigator Pascal Bidegorry puschte er die neu erworbene, alte “Hugo Boss” (nun als “11th Hour) auf Rang drei der Flotte.

Dabei segelte er das Gros des Rennens nahezu Bord an Bord mit “Charal” und gut 15 Meilen vor den Verfolgern. Erst bei der abschließenden Kreuz passte der Zeitpunkt der Wende nicht und auch der Speed am Wind. Kevin Escoffier zog mit “PRB” vorbei.

Thomas Ruyant auf dem riesigen Foil seines Neubaus “Advens” © Pierre Bourras

Die Neubauten konnten noch nicht zeigen, was in ihnen steckt. “Arkea-Paprec” (11.), “Corum L’Epargne” (12.) “aDvens for Cybersecurity” (16.) ließen es noch vorsichtig angehen.

Die Flotte der 21 IMOCA beim Leistungstest in der Biskaya.
© Yvan Zedda / Azimut Challenge

Auch für Boris Herrmann wäre diese Vorbereitungsregatta ein wichtiger Test gewesen. Aber nach dem Atlantik-Törn mit Greta und der Zwangspause nach der Kollision, musste er terminliche Kompromisse eingehen.

Auf dem Papier gehört “Malizia” in die Kategorie “11th Hour” (3.) und “Bureau Vallèe 2” (10.) die schnellsten Yachten für die vergangene Vendée Globe. Aber es wird immer schwieriger, dieses Potenzial herauszusegeln.

“PRB” bestätigte mit Platz zwei den Status als zurzeit schnellster nachgerüsteter IMOCA-Foiler. © Yvan Zedda / Azimut Challenge

Azimut Challenge Tracker

Die Ergebnisse des 48-Stunden Rennens bei der Azimut Challenge 2019

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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