Doping-Vergehen: Jorge Zarif als Weltranglisten-Erster im Finn Dinghy positiv getestet

Muskelaufbau-Mittel nachgewiesen

Der brasilianische Finn-Dinghy-Segler Jorge Zarif ist wegen Dopings gesperrt worden. Welche Rolle spielen leistungssteigernde Mittel im Segelsport?

Doping macht im Segeln keinen Sinn, heißt es gerne. Tatsächlich sollen in der DDR alleine die Segler vom Medikamentenmissbrauch verschont geblieben sein. Offenbar schätzte die Sportführung dort den körperlichen Anteil am Erfolg als zu gering ein.

Jorge Zarif segelte 2016 auf seinem Heimrevier vor Rio als vierter knapp an einer Medaille vorbei. © Sailing Energy

Die Zeiten mögen sich geändert haben. Denn in jüngster Zeit sind durchaus immer mal wieder Doping-Vergehen im Segelsport geahndet worden. So hat es vor gut zwei Jahren den französischen 470er Olympia-Steuermann Sofian Bouvet erwischt, der sich nicht an die Meldevorgaben der Doping-Kontrolleure gehalten und nach der fälligen Sperre seine Karriere nicht fortgesetzt hat.

Auch Peter Burling erschien auf der Liste einer russischen Hacker-Gruppe, die Daten der internationalen Doping Agentur WADA gestohlen hat. Darauf standen 127 Sportler, die verbotene Substanzen eingenommen haben sollen.

2016 durfte der russische 470er-Steuermann Pavel Sozykin nicht bei den Olympischen Spielen starten – damals die größte Medaillen-Hoffnung der Russen im Segeln. Und für Rio wurde auch die italienischen 470er-Steuerfrau Roberta Caputo gesperrt, die positiv auf das Hormon-Präparat Clostebol getestet wurde. Es verstärkt beim Krafttraining den Muskel- und damit auch den Gewichtsaufbau.

Cannabis für Segler

Während es früher bei Doping-Fällen im Segelsport überwiegend um Cannabis-Konsum ging – unter anderem war America’s Cup-Sieger Simon Daubney beim Alinghi Team positiv auf Cannabis getestet worden und hatte sich dann vom Team getrennt – scheinen im olympischen Segelsport auch mehr und mehr die klassischen Mittel zur Leistungssteigerung eine Rolle zu spielen. Sie mögen auf die gestiegenen körperlichen Anforderungen hindeuten.

Jorge Zarif segelte bei der Finn WM in Malbourne 2019 auf Rang 20. © Deaves

So macht der gezielte Muskelaufbau insbesondere in der Finn-Dinghy-Klasse Sinn. Hier gehen die Schwerathleten des Sports zu Werke. Körperliche Fitness der bis zu 100 Kilogramm schweren Segler hat eine noch größere Bedeutung für den Erfolg, seit die Pump-Regel geöffnet wurde.

So ist die aktuelle positive Doping-Probe des 27-jährige brasilianische Finn-Dinghy-Seglers Jorge Zarif nicht so abwegig, wie sie vor einigen Jahren im Segelsport noch schien. Der Weltmeister von 2013, der 2018 mit seinem überraschenden Sieg bei den Star Sailing Finals zu den strahlenden Helden des Sports gehörte, und in Rio nur knapp als Vierter die Olympia-Medaille verpasst hatte, ist von der brasilianischen Anti-Doping-Agentur gesperrt worden.

Halbjährige Sperre

Zarif hatte im Sommer 2019 bei der vorolympischen Regatta in Enoshima eine positive Dopingprobe abgegeben. Es wurde das Medikament Tamoxifen nachgewiesen. Der Finn-Dinghy-Segler, hat sein Land bereits für Olympia qualifiziert, ist aber selber noch nicht nominiert worden. Zarif hat angegeben, schon eine halbjährige Sperre abzusitzen. Sie laufe aber rechtzeitig vor den Spielen in Enoshima ab, so dass er dort antreten könne.

Der Grund für die Einnahme des Medikaments sei eine medizinische Behandlung gewesen. Und er habe versäumt, das der Doping-Behörden zu melden. Es gehe um den Befund einer Gynäkomastie, einer gutartigen drüsige Vergrößerung der männlichen Brust, die Schmerzen bereitet und die Bewegungsfreiheit eingeschränkt habe.

Da eine Operation eine 45-tägige Training- und Wettkampf-Pause nach sich gezogen hätte, habe er auf Anraten eines Arztes die Behandlung mit Tamoxifen vorgezogen. Zarif gibt an: “Ich habe nie eine verbotene Substanz benutzt, um mir einen unzulässigen Vorteil zu verschaffen. Ich habe Tamoxifen verwendet, um eine Krankheit zu behandeln.”

Peinliche Krankheit?

Er will die Substanz auf der Anti-Dopingliste gesucht, aber nicht gefunden haben. Es wird spekuliert, dass der Brasilianer nicht die vorgeschriebene Meldepflicht eingehalten habe, da es sich um eine Krankheit handelt, die Menschen schon mal peinlich ist.

Andererseits führt Tamoxifen bei Männern zu einem Anstieg der Blutplasmakonzentration des Hormons Testosteron, und fördert unter anderem die Zunahme der Muskelmasse. Dieser Effekt ist gerade bei Finnseglern oftmals nicht unbedingt unerwünscht. Mit 93 Kilogramm bei 1,91 Metern Körpergröße (Zarifs Daten bei der Star Sailors League) mag er sich am unteren Ende des Optimalgwichts bewegen. 2012 und 2016 betrug das Durchschnitt-Gewicht der Top Ten im Finn bei Olympia 97 Kilogramm. Und auch Japan ist kein ausgesprochenes Leichtwind-Revier.

Es ist nicht öffentlich bekannt, wie genau Zarifs Sperre definiert ist. Jedenfalls war er bei der jüngsten Weltmeisterschaft in Melbourne am Start und segelte als Weltranglisten-Erster auf einen enttäuschenden 31. Platz. Der Fall Zarif wird wohl vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS verhandelt. World Sailing soll für Zarif bei der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) rückwirkend die Genehmigung der Medikamenten-Verabreichung zur therapeutischen Anwendung beantragt haben.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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