DOSB Potenzialanalyse: DSV mit guter Struktur – Ruderer ärgern sich über letzten Platz

Das Potenzial der Segler

Der DSV schneidet bei der ersten Potenzialanalyse (PotAS) für die Sommersportarten im Vergleich der 26 deutschen olympischen Sportverbände gut ab. Er punktet in der Kategorie “Struktur”, hat aber Defizite bei der “Kaderentwicklung”.

Die besten 18 Sportverbände bei der Potenzialanalyse des DOSB. Segeln auf Rang 6 in Bezug auf die Struktur.

Der Deutsche Segler-Verband wird bei der Beurteilung seiner Struktur im Vergleich zu den 25 deutschen Sportverbände auf Rang sechs geführt. In der Kategorie Kaderpotenzial und Leistungsentwicklung rangiert er allerdings nur auf Platz 18. Bestnoten vergab die PotAS-Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) an den Badminton-Verband. Auf den letzten Plätzen landeten überraschend der Ruder- und Tennis-Verband.

Die Potenzialanalyse (Bericht und Tabelle des DOSB) der Sportverbände ist wichtig, weil das Bundesinnenministerium (BMI) und der DOSB damit feststellen wollen, für wen sich eine höhere Ausschüttung an Fördergeldern lohnt. Welche Sportart hat auf Dauer die größten Medaillenchancen?

DSV Trainingscamp Palma

Malte Winkel und Matti Cipra gerhören zu den vielversprechenden und geförderten deutschen 470er Crews. © lars wehrmann

Das bisherige Förderungsystem basierte auf den Zahlen der Olympia-Teilnehmer eines Verbandes, seiner Disziplinen und schließlich der bei Olympia gewonnenen Medaillen. PotAs soll den deutschen Spitzensport insofern reformieren, dass eine gezieltere Unterstützung möglich ist.

Leistungssportreform 2016 beschlossen

Diese Analyse ist eine Forderung des BMI, das die zusätzliche Ausschüttung von Geldern daran geknüpft hatte. Ende 2016 war die Leistungssportreform beschlossen worden. Dafür wurde PotAS als Qualitätsmanagement-System konzipiert und soll die Verbände unterstützen, die Rahmenbedingungen für leistungssportliche Erfolge zu optimieren.

2018 lag die Förderung des Spitzensports bei 193 Millionen Euro, 2019 ist sie um 65 Millionen aufgestockt worden, um noch mit der internationalen Konkurrenz mithalten zu können. Ein wesentliches Ziel der Spitzensportreform sind mehr olympische Medaillen bei den Winterspielen 2026 und bei den Sommerspielen 2028.

Über die Nützlichkeit der PotAS streiten sich die Geister. Naturgemäß kritisieren die Ruderer das Abschneiden, da sie bisher zu den Medaillen-Garanten bei Olympia zählten, Badminton-Spieler dagegen noch nie Edelmetall für Deutschland gewonnen haben. 2020 dürfte sich das auch nicht ändern.

Papiertiger und Zahlendschungel

Der Vorsitzende des Ruderverbandes, Siegfried Kaidel, sagte der FAZ, er habe „den Eindruck, dass PotAs vorrangig das Produzieren von Papier und Formalismen positiv bewertet“. Und bei der ARD wird kommentiert, es handele sich bei der Leistungssportreform um einen “Papiertiger”. Statt der 2014 vom Bundesrechnungshof angemahnten erhöhten Transparenz gebe es nun einen “undurchsichtigen Zahlendschungel”.

Für die Segler sollte es aber gut sein, dass ihre Bemühungen für Erfolge in der Zukunft besser bewertet werden anstatt allein die Medaillien-Bilanz der vergangenen Spiele sprechen zu lassen. So mag sich der DSV auf dem aktuellen Weg bestätigt sehen, weil er zumindest bei der Struktur-Kategorie gut abgeschnitten hat.

Aber bisher sind nur zwei von drei Kategorien in die Analyse eingeflossen. Die Erfolge gehen erst nach den Olympischen Spielen ein. Nach wie vor hängt die Vergabe von staatlichen Fördermitteln also stark davon ab, wie viele Medaillen die deutschen Segler 2020 in Japan gewinnen. 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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