Drachen Gold Cup: 70-Jähriger Hereema gewinnt nach 30 Jahren – Drama am Schlusstag

Einer, der nicht aufgibt

In Marstrand versammelten sich 78 internationale Drachen-Crews, um den Gold Cup auszusegeln. Drei von sechs Tagen wurde nicht gesegelt. Am Ende siegte ein Vendée-Globe-Segler.

Die Drachenflotte vor Marstrand. © Gothenburg Drone Photo

 Der Niederländer Pieter Heerema (70) hat mit dem ehemaligen dänischen Gold-Cup-Sieger und Olympia-Teilnehmer (92, Tornado) Lars Hendriksen (55) sowie dem ukrainischen 49er-Olympia-Silber-Gewinner George Leonchuk (47) den Yanmar Drachen Gold Cup 2021 gewonnen. Das Team brachte einen überlegenen 13-Punkte-Vorsprung ins Ziel vor den Titelverteidigern um Pedro Andrade aus Portugal.

Der schwedische Drachen-Chef Christoffer Meyer mit den Siegern (v.l.) Lars Hendriksen, Pieter Heerema, George Leonchuk© IDA

Heerema war zuletzt 2017 in den Blickpunkt der internationalen Segelmedien gerückt, als er im Alter von 65 Jahren die Vendée Globe absolviert hatte. Er war das Rennen mit einem vielversprechenden Foiler gestartet, nachdem er ein nur minimalistisches sechswöchiges Trainingsprogramm auf den Kanaren absolviert hatte – unter anderem mit Boris Herrmann und Michel Desjoyeaux als Coach.

Vendee Globe, Pieter Heerema, erster Niederländer

Endlich: Pieter Heerema im Ziel der Vendée Globe 2017 © vendée globe/liot

Aber nach großen technischen Problemen unter anderem mit der Navigationselektronik beendete die Regatta nach mehr als 116 Tagen auf dem vorletzten Finisher-Platz 17. Danach sagte er: „Ich habe das Potential meines Bootes nur zu 60 Prozent genutzt. Dafür bringe ich es mehr oder weniger heil wieder nach Hause!“

Vendee Globe, Pieter Heerema, erster Niederländer

Hereema mit seiner  No Way Back mit Höchstgeschwindigkeit. © vendée globe

Es war ein großes Abenteuer, das der Holländer, der mit seiner Heerema Fabrication Group viel Geld im Öl-Plattform-Business verdient hat, lieber weiter vorne im Feld beendet hätte. Aber seitdem segelt er wieder in der Drachenklasse vorne. Schon 2019 belegte er beim Gold Cup Rang zwei, diesmal bereitete er sich akribisch auf den Sieg vor.

Dramatischer Schlusstag

Dabei wollte in Marstrand das Wetter nicht mitspielen. Erst sorgte Sturm für einen Ausfall, danach herrschte zwei Tage Flaute. Das dänische Youngster-Team um Frederik Berg konnte so gerade noch rechtzeitig auf eigenem Kiel anreisen. So richtig erfolgreich lief es für das Team aus Hellerup allerdings nicht. Sie landeten als 70. auf dem letzten Platz.

Das Spi-Feld aus der Luft. © Gothenburg Drone Photo

Schließlich glänzte das schwedische Segel-Mekka doch noch mit drei hervorragenden Segeltagen. Aber die speziellen Gold-Cup-Regeln sorgte bei einigen Favoriten für große Probleme zum Schluss. Traditionell werden die schlechtesten Ergebnisse nicht gestrichen. So kann man sich Ausfälle oder Frühstarts nicht leisten, wenn es um vordere Platzierungen gehen soll.

Entsprechend dramatisch verlief das fünfte und vorletzte Rennen am letzten Tag. Nicht weniger als fünf der zehn besten Boote wurden nach einem Start unter schwarzer Flagge disqualifiziert. Aus deutscher Sicht war das insbesondere für den Berliner Dirk Pramann ärgerlich, der mit Markus Koy und Diego Negri als bis dahin Zweitplatzierter mit guten Titelchancen unterwegs war. Aber auch Dmitry Samokhin (4. RUS), Andy Beadsworth (5. GBR), Torvar Mirsky (6. AUS) und Jens Christensen (8. DEN), die als Zweiter, Vierter, Fünfter, Sechster bzw. Achter wurden erwischt.

Endlich “das Ding” gewonnen

Für Heeremas Sieg machten die Disqualifikationen allerdings kaum einen Unterschied. Er segelte so konstant, dass der Erfolg kaum in Gefahr geriet. Seit rund 30 Jahren versucht er den Gold Cup zu gewinnen. 2013, 2018 und 2019 schaffte er es jeweils auf das Podium aber nie ganz auf die oberste Stufe.

Der Titelverteidiger Pedro Andrade aus Portugal vor der Leetonne. Diesmal auf Rang zwei. © IDA

Aber Heerema ist kein Mann, der leicht aufgibt. Das hat er nicht zuletzt bei der Vende Globe eindrucksvoll bewiesen. “Ich habe schon oft versucht, dieses Ding zu gewinnen”, sagt der 70-Jährige. “Mehrmals war ich Zweiter, Dritter und Vierter. Aber nun hat es endlich geklappt!”

Beste deutsche Crew wurde schließlich das Amateur-Team um den Hamburger Benjamin Morgen auf einem starken 9. Platz. Für den Corinthian-Titel reichte das allerdings überraschend nicht. Der Schwede Martin Pålsson wurde 4. und der Däne Frank Berg 7.

Der nächste Dragon Gold Cup 2022 findet vom 21. bis 26. August in Ostende, Belgien, statt. Das nächste Großereignis im internationalen Drachenkalender ist der italienische Grand Prix und das Finale des Dragon European Grand Prix in Sanremo, Italien, vom 26. bis 31. Oktober 2021.

Die Top Ten beim Drachen Gold Cup 2021

1st – NED412 – Troika – Pieter Heerema – 1, 2, 5, 3, 2, 4 = 17
2nd – POR89 – Pedro Andrade – Petti Portugal – 2, 6, 8, 7, 6, 1 = 30
3rd – JPN56 – David Gilmour – YRed – 13, 25, 2, 12, 5, 8 = 65
4th – SWE401 – Martin Pålsson – Nono – 14, 11, 9, 10, 25, 6 = 75
5th – SWE345 – Jan Secher – Miss Behaviour – 8, 27, 20, 5, 7, 9 = 76
6th – SUI311 – Magnus Holmberg – Sophie Racing – 20, 1, 30, 13, 9, 5 = 78
7th – DEN266 – Frank Berg – My Way – 28, 3, 14, 20, 4, 12 = 81
8th – RUS27 – Anatoly Loginov – Annapurna – BFD, 10, 1, 1, 1, 7 = 91
9th – GER1180 – Benjamin Morgen – Rosie – 12, 5, 33, 25, 3, 14 = 92
10th – GER1207 – Nicola Friesen – Khaleesi – 9, 8, 27, 16, 27, 10 = 97

Ergebnisse Drachen Gold Cup 2021

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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