Nach Crash wird Ainslie Match Race Weltmeister beim Monsoon Cup

Duell-König per Vollkontakt


Ben Ainslie hat mit seinem Team Origin beim Saisonfinale in Malaysia den WM Titel im Match Race gewonnen. Er machte den Titelgewinn schon mit dem Einzug in das Halbfinale des Monsoon Cups klar, siegte schließlich aber auch im Finale der Veranstaltung mit 3:2 gegen den Australier Torvar Mirsky.

Ainslie war auf Platz drei in das WM Finale gestartet und hatte nur bei einer glücklichen Konstellation auf den Gesamtsieg hoffen können. Aber die beiden Favoriten Adam Minoprio (NZL) und Mathieu Richard (FRA) schwächelten.

Der Neuseeländer schied schon in der Vorrunde aus und Richard schaffte es mit Platz acht nach der Round Robin nur als letzter in die Viertelfinals. Ainslie wurde zweiter hinter dem Landsmann Ian Williams und hätte sich einen leichten Gegner aussuchen können. Er wählte für die KO-Phase aber Richard, um den Franzosen möglichst früh aus der Serie zu werfen.

Dial Down von Ben Ainslie gegen Richard. Der Brite fällt plötzlich ab, um den Franzosen zum Ausweichen zu zwingen. Der macht aber zu wenig. Crash und Penalty für Richard. © Subzero Images/WMRT

Der Plan ging auf. Ainslie siegte mit 3:1. Richard konnte noch auf Platz fünf und eine Niederlage von Ainslie im Halbfinale hoffen, um den WM Titel zu retten. Aber der Franzose, der seit dem ersten Event der Tour die Führung inne hatte brach vollkommen ein. Erst verlor er gegen Francesco Bruni und danach auch das Duell um Platz sieben gegen den Altmeister Peter Gilmour.

Ainslie dagegen schaltete im Halbfinale den Schweden Björn Hansen aus und hatte damit den Titel gewonnen. Aber er wollte sich nicht mit einer Niederlage verabschieden aus dem Match Race Circuit. So drehte er noch das Finale nach einem 1:2 Rückstand gegen Torvar Mirsky. Insgesamt gewann er mit diesem Sieg 250000 Dollar auf der Tour.

Damit bestätigte der dreifache Olympiasieger seine absolute Ausnahmestellung im Segelsport. Er schloss mit diesem beeindruckenden Erfolg eine Saison ab, die eigentlich eher enttäuschen verlief. Denn die Verkündung des America´s Cup Rückzuges seines britischen AC-Teams Origin brachte seine Pläne durcheinander.

Der Einstieg in den MedCup verlief weniger erfolgreich als erwartet und zuletzt musst er auch noch im Finn Dinghy ungewohnte Niederlagen hinnehmen. Seine jungen Landsmänner Ed Wright (Weltmeister 2010) und Giles Scott gehören zurzeit zu den besten Finn Seglern der Welt. Wenn er gegen sie bei der Olympiaqualifikation bestehen will, muss er sich im Winter mächtig reinhängen und besonders im Kraft- und Gewicht-Bereich aufstocken.

Aber der Match Race WM Titel dürfte den Briten weiter in der Annahme bestätigen, dass er etwas hat, was die anderen nicht haben. Und sei es nur Ian Percy, den kongenialen Taktiker. Peter Gilmour vergleicht das Duo schon mit Russell Coutts und Brad Butterworth, die über Jahre als das Dream Team der Szene galten.

Percy hat immerhin auch schon zwei Goldmedaillen gewonnen. Eine 2000 im Finn Dinghy und 2008 im Starboot. Percy und Ainslie sind gute Freunde. Sie segelten schon im Laser auf hohem Niveau gegeneinander. Der Australier Mike Mottle gehörte viele Jahre lang zu Peter Gilours Match Race Crew, mit der er mehrfach Match Race Weltmeister wurde. 2007 startete er mit dem United Internet Team Germany beim Am

erica´s Cup. Der Däne Christian Kamp kommt aus der skandinavischen Match Race Schmiede und der Brite Matt Cornwall segeln von Anfang an mit dem Team Origin.

Das Video zeigt den Crash zwischen Ben Ainslie und Mathieu Richard, für den der Franzose bestraft wird. Ainslie fällt beim Kreuzen auf den Franzosen ab, um ihn daran zu hindern hinter ihm auf die rechte Seite zu passieren. Dieses Manöver stellt einer der wenigen Unterschiede zwischen Match- und Fleetrace-Regeln dar. Das Wegerecht-Boot darf bis zu 90 Grad zum Wind abfallen, um eine Ausweichsituation zu kreieren. Ainslie muss allerdings lange genug einen geraden Kurs steuern, damit er Recht bekommt. Richard muss die Chance haben, auszuweichen. Für die Schiedsrichter macht der Franzose allerdings nicht genug, um die Kollision zu vermeiden.

Tour Gesamtwertung

Ergebnis Monsoon Cup

Eventseite

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://yachtservice-sb.com

10 Kommentare zu „Nach Crash wird Ainslie Match Race Weltmeister beim Monsoon Cup“

  1. avatar Marc Bäuml sagt:

    Sehr krass, dass sowas im Match Race erlaubt ist. Er fährt ihm ja quasi in die Kiste. Wie kann man denn sowas verhindern? Bleibt wohl nur rechtzeitig wenden. Richtig sehen kann er das schnelle starke Abfallen ja durch die bunten Segel auch nicht.

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

    • avatar Carsten sagt:

      Eigentlich muss Richard das antizipieren. Ist ein normaler Move. Er muss nur weit genug abfallen, dann kann Ainslie nicht mehr tiefer halten. Darf nur 90 Grad zum Wind. Das ist eigentlich nicht so viel. Aber Ainslie hält sehr lange Kurs und Richard tut gar nichts. Das ist das Problem.

      Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

  2. avatar Frank Schönfeldt sagt:

    Genau deshalb bin ich Fleetracer geworden

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  3. avatar T.K. sagt:

    Wenn ich sowas sehe wird mir ganz schlecht. Es scheint in letzter Zeit Mode zu sein dem anderen in die Kiste zu dampfen. Wo kommen wir eigentlich hin? Die “Sportgeräte sind ja nunmal keine einfachen Turnschuhe die man mal eben gegen kleines Geld austauschen kann, sondern richtige Kapitalanlagen. Unglaublich wie mit dem Geld anderer umgegangen wird! Vor allem wie er am Ende mal eben so richtig kräftig sein Heck in den Bug des anderen rammt! Muss das sein? Der Typ bekäme meine Pinne niemals in die Hand, egal wie gut er jemals gewesen ist!

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

  4. avatar Ein Betrachter sagt:

    Hallo Carsten,
    Du schreibst am Ende des Artikels “Für die Schiedsrichter macht der Franzose allerdings nicht genug, um die Kollision zu vermeiden”

    Hast Du von den Schiris eine entsprechende Aussage aus erster Hand?

    Mir scheint das Problem am Ende des Mannövers zu liegen !

    Im Einzelnen: Der “Dial down” durch Ainslie auf starboard ist zunächst ok. Aber er scheint tiefer als 90 zu tauchen. Er fuhr Am Wind ich kalkuliere 40 Grad und ist dann stark abgefallen – ich schätze 80 Grad. Das wären dann 40+80 = 120 Grad, somit 30 Grad tiefer als zulässig. Bei Protest könnte das einen Penalty für Gelb geben.

    Richard auf port muss sich durchgehend freihalten. Er muss sein Ausweichmannöver erst bei Kollisionskurs beginnnen – er beginnt sofort als Ainslie abfällt, soweit ok.
    Jetzt ist unsere Videoteilnahme durch einen schlechten Blickwinkel gestört – wir können die Abstände in der Tiefe des Bildes nicht einschätzen.
    Umpire haben dafür den sog. Wing, der ihnen als eine Art Linienrichter zusätzliche Distanzinfos gibt.

    Ainslie fährt nach seiner Kursänderung 3 Sek geradeaus, muß dann scharf anluven um Richard auszuweichen. Möglicherweise ist Richard nicht weit genug abgefallen. Bei Protest könnte das einen Penalty für Blau geben – sie würden sich dann aufheben – aber es wird vermutlich nicht protestiert. Und wir müssen unsere schlechte Blickrichtung bedenken.

    Nun sehen wir Ainslie stark luven. Solange Richard seinen Kurs hält, kann das Mannöver klappen. Nachfolgend beginnt Richard stark zu luven und nimmt Ainslie den Mannöverraum. Ainslie muß keinen weiteren Raum zum Freihalten geben, weil dieser Anfangs vorhanden war. Die Boote kollidieren.

    Jetzt wird mit Y Flagge protestiert, die Umpire entscheiden: Penalty für Blau

    Was meint ihr ? Wie würdet ihr entscheiden ?

    @Frank Schönfeldt
    Hallo Frank,
    nein – kein Grund Matchrace abzulehnen. Solche Crashs passieren z.B. auf der Alster laufend im Mittelfeld bewährter Kielbootklassen. Da wird aber nicht protestiert und mancher bleibt auf seinem Schaden sitzen.
    Beim Matchrace muß vorher eine Kaution hinterlegt werden und der Verursacher wird sofort zur Kasse gebeten.
    Aber nobody is perfect- deshalb kommt es immer wieder zu Fehlreaktionen. Je besser die Segler desto seltener – aber es passiert.

    Ein Betrachter

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  5. avatar bowman sagt:

    Ich hab’ da so meine Zweifel, ob das nicht deutlich mehr als 90 Grad waren; in Zeitlupe sieht man das besser, wie Ainslie ohne Fahrt kurz nach seiner Wende auf dem Teller voll runterdreht.

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  6. avatar lyr sagt:

    Hi!
    sehe das auch genauso wie “der Betrachter” 🙂 der DialDown war wohl zu schnell, weil Richards antizipiert sofort und hätte trotzdem keine Chance, aber nachdem Ainslie wieder anluvt, luvt Richards mit anstatt abzuwarten und erstmal Ainslie Platz zu lassen. Das hätte er nicht tun sollen.
    Clever von Ainslie schätze mal dass er sich mit dem DialDown selbst nicht sicher war.
    Ainslie ist echt ein Segelgott für mich, bewundere den schon seit Jahren. Auch wenn er ausser segeln nicht viel anderes kennt 😉
    Glückwunsch an Ainslie und Percy, starke Leistung und schade, dass das mit den AC so eine Lachnummer geworden ist. Vermutlich hatte Ellison nur wieder Schiss in der Büchs 😀

    grüße

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

    • avatar Carsten sagt:

      Hier will doch wohl niemand die Schiedsrichterleistung in Frage stellen. Ich jedenfalls nicht. Wo kämen wir da hin?
      Ainslie hält m.E. lange genug seinen Kurs und Richard tut lange genug nichts. So wird es in der Praxis ständig entschieden. Auch im AC Finale 2007 Richard konnte sich darauf einstellen. Der Junge war einfach komplett von der Rolle. Gefährlich war es von Ainslie, dem Gegner das Heck so heftig reinzudrücken. Dafür kann er auch schnell eine Strafe erhalten. Aber wenn er zu vorsichtig ist, besteht die Gefahr, dass die Schiris grün zeigen. War ja dann keine Berührung und Richard ist durch.

      Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  7. avatar Silke sagt:

    Ich kann auch noch etwas schlaues hinzufügen:

    Ich denke, dass die Frenchies leicht vorne lagen und der beste Ausweg eine Wende gewesen wäre ab dem Zeitpunkt des Abfallens von Ben. Wenn sie sich für das Abfallen entscheiden, dann müssen die Frenchies mehr abfallen (sowie Team NZL damals – die fuhren auch vor dem Wind…), als sie es getan haben. Ainslie muss einen Crash versuchen zu vermeiden (hat er getan) aber er muss dabei nicht unbedingt erfolgreich sein. Die Frenchies luven zu früh wieder an. Deshalb dreht Ainslie mit dem Heck in die Frenchies rein. Ich würde sagen, dass die Schiedsrichter richtig entschieden haben. Ob Ainslie tiefer als 90 Grad zum Wind abgefallen ist, kann man aus der Perspektive nie im Leben sagen. Die Umpire müssen sich aber sicher sein, dass er das er tiefer war, um ihn zu bestrafen. Also im Zweifel für den Angeklagten…
    Viel Spaß noch bei der Diskussion.

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0