Eissegeln: DN Deutschland Cup in Südtirol – Eis-Suche am Reschensee erfolgreich

Schwarzes Eis

Als die Wetteraussichten Ende Januar für die DN-Eissegler in Deutschland mit zweistelligen Plus-Temperaturen nicht gerade rosig aussahen, entschloss sich eine Gruppe von aktiven Seglern, die Deutsche Meisterschaft im Ausland stattfinden zu lassen.

Sofort gab es von Funktionärsseite Gegenwind. Die Statuten sehen das nicht vor. Allerdings ist die DN Eissegelgemeinschaft kein eingetragener DSV-Verein, Statuten sind also fragwürdig. Klassen Urgestein Manfred Schreiber meint: “Hier wird es wohl nach einer ‘Palastrevolution’ eine Änderung geben müssen, um den Sport wieder voranzubringen und den jüngeren Aktiven auch einen Anreiz zum Regattieren zu geben.”

Nur die “Rentner-Gang” habe genug Zeit, lange Anreisen nach Lappland zu fahren, oder zu einem hoch im Norden ausgerichteten „Grand Master Cup“, der zwar erfolgreich, aber eben nur für Ü60 Segler ausgeschrieben sei.

Vor diesem Hintergrund kam es zu einer Beratung in den diversen Gruppen aus den Flotten Süden, Norden und Berlin Brandenburg und es wurde ein „Deutschland Cup“ am Reschensee auf 25 cm dickem, schwarzen Eis ausgeschrieben.

Die Weite des Reschensees verbunden mit schwarzem Eis auf der Regattabahn. © Felix Huber

Die Ankündigung fand sehr kurzfristig statt, wie üblich in DN Kreisen. Im Nachhinein war es vielleicht für einige Daheimgebliebene Aktive ärgerlich, die den ganzen Tag auf diversen Wetter-Apps dort am Reschensee in Norditalien KEINEN Wind ausmachen konnten. Auch wurde die Größe des Sees bemängelt, die allerdings auf einer optischen Täuschung beruht. Laut Karte wachsen die Berge förmlich in den See hinein.

Zwei Eis-Sprünge im See

22 aktive DN-Segler machten sich dann doch auf den Weg in den Süden. Teilnehmer aus Holland, Deutschland und der Schweiz gaben der Regatta einen internationalen Anstrich. Qualität wurde insbesondere durch die jüngeren Segler gewährleistet. 

Am Samstag, den 25.1. setzte sich am frühen Nachmittag ein sehr guter Südwind durch. Die Übergänge über zwei Eis-Sprünge waren bereits vorbereitet, die 1,8km lange Regattabahn im Süden des Sees auf schwarzem Eis bereits markiert.

Die Sieger v.l.: Ben Kloos (2. NED), Thomas Huber (1.) und Manfred Schreiber. © Felix Huber

Man half sich gegenseitig, die Aufgaben für eine erfolgreiche Regatta-Organisation waren gut verteilt und alle Segler fanden den Weg an die Startlinie, von wo aus mit Hilfe von Rennleiterin Sophie Comtess zwei Proberunden gesegelt wurden um die Startpositionen festzulegen.

Die Favoriten setzen sich schon jetzt durch. Thomas Huber (G-8) und der Holländer Ben Kloos (H-962) segelten wie entfesselt vor dem Feld. Die Veranstalter, Manfred Schreiber (G-99) und Wulf Kroglowski (G-749) bekamen gleich im ersten Rennen ihre Grenzen aufgezeigt. Veranstalten und erfolgreich teilnehmen ist immer schwierig. Es fehlt ihnen genügend Zeit für ein oder zwei Proberunden, die die meisten Teilnehmer inzwischen gesegelt hatten, um die Boote auf die Bedingungen einzustellen.

“Brummkreiseln” über das Eis

Wulf K. flog bei einer Wende aus dem Boot und brummkreiselte über das Eis. Er wurde zum Glück von niemandem umgefahren. Manfred S. hatte so schlecht geriggt, dass er zwischendurch stoppen musste, um das Segel richtig einzustellen.

Nach fünf schnellen Rennen waren alle Teilnehmer erschöpft und müde, wollten nur noch abbauen und in die Sauna. Viele Rennen wiesen spannende Zweikämpfe  mit  Führungswechseln auf. An der Spitze duellierte sich Thomas Huber mit dem Holländer Ben Kloos. Ein Streicher entlastete schließlich das Punktekonto der beiden Veranstalter und so konnte sich G-99 nach dem anfänglichen Schocker noch auf den dritten Platz vorschieben.

Alle Teilnehmer lebten den Geist der Regattaveranstaltung, „von Teilnehmern, für Teilnehmer“. Besonders beim gemeinsamen Regattaessen, wo auch die Getränke mit Hilfe der Flotte Süd komplett übernommen wurden. Es gab dafür keine Preise außer für Wettfahrtleiterin Sophie Comtess, die bei dem kalten Südwind ganz alleine an der Startlinie mit Trillerpfeife und Schreibbrett die erfolgreiche Regatta durchzog.

Fazit: Die DN-Klasse in Deutschland lebt. Sie lässt sich auch von zweistelligen Plustemperaturen auf den Heimatrevieren nicht unterkriegen. 

DN Eissegeln German Open Ergebnisse

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