Weitere Fakten zum 34. America´s Cup

Speed-Schach auf dem Wasser

Von Carsten Kemmling

Vinzenzo Onorato (l) scheint noch nicht so richtig überzeugt zu sein, während Russell schon zum Höhenflug ansetzt. © Gilles Martin Raget/BMWO

Ein Tag nach der Verkündung des neuen America’s Cup Formats sind weitere Fakten zum Ablauf klarer geworden. Das Spiel wird sich wohl Richtung Speedschach auf dem Wasser entwickeln wie Leser J.P. anmerkt. Ob das alles so toll wird, bleibt abzuwarten. Aber ich kann eine gewisse Faszination nicht verhehlen, auch wenn ich als eingefleischter traditioneller Match Racer nun eher zum alten Eisen gehöre.

Aber das Duo kann auch anders. Fröhlich in die Zukunft. © Gilles Martin Raget/BMWO

Die Vorstarts werden mit Multihulls nicht so viel Spaß machen. Da gibt es keine flatternden Segel und wohl kaum einen Dial-up. Zu groß ist die Gefahr, dass die Multis aus der Rückwärtsfahrt nicht mehr in den Vorwärts-Modus gebracht werden können. Katamarane verteidigen ihre Position eher auf der Stelle stehend. Das ist gemeinhin nicht sehr ansehnlich.

Die Luvposition beim Start ist extrem bevorteilt, weil ein Leeboot kaum so viel Vorsprung heraussegeln kann, um nach einer Wende vor dem Gegner passieren zu können. Aber dafür wird vermutlich der Vorwindkurs sehr spannend. Da die Abdeckungskegel bei hohen Geschwindigkeiten sehr gering sind kann eine Führungsposition kaum verteidigt werden.

Es geht darum, den Wind besser zu lesen. Ein kleiner Druckunterschied bringt  für Multihulls extreme Speedvariationen. Entsprechend wichtig dürfte auch das Händling werden. Der kleinste Fehler im High-Speed-Bereich kostet viele Meter, wenn zum Beispiel der Luvschwimmer ins Wasser klatscht.

Das Spiel verändert sich dramatisch. Ich habe einige Zweifel, ob alles in die richtige Richtung geht, sehe aber auch viel Spannendes und eine große Chance, den Sport auf ein neues Akzeptanz-Niveau in der Öffentlichkeit zu bringen.

Weitere Fakten zum 34. America’s Cup

Der 72 Fußer: Das Windlimit ist im Protokoll mit 3 bis 33 Knoten festgelegt. Damit für diesen großen Bereich keine speziellen Boote gebaut werden können, ist das Rumpfgewicht festgelegt. Es soll 7.000 Kilogramm betragen. Basis für die Stabilität ist auch die Breite des Kats, die auf 14 Meter festgelegt ist. Somit wird eine Konstruktion wie unter dem Alinghi Kat wahrscheinlich, mit dem die immensen Kräfte aufgefangen werden.

Der neue America´s Cupper. 72 Fuß lang und über 30 Knoten schnell © BMWO

Die Boote sollen schon bei fünf Knoten ihren maximalen Druck erreichen und den Luvschwimmer heben können. Dabei erreichen sie die dreifache Windgeschwindigkeit.

Generell erwartet Coutts dass die Schiffe mit 20 Knoten Speed am Wind über den Parcours fahren und etwa genauso schnell vor dem Wind. Wenn ein Raumschotskurs eingebaut wird, erreicht der Kat Geschwindigkeiten über 30 Knoten

Der Flügel soll 40 Meter hoch sein – BMWO Wing war 70 Meter hoch –  mit einer maximalen Breite von 10 bis 11 Metern. Es gibt zwei Möglichkeiten, zu starken Druck abzulassen. 1. Durch austauschbare Klappen am oberen Teil des Achterlieks. 2. Durch den Tausch der gesamten Masttop-Sektion.

Ein Sturm im Hafen werde den Flügel nicht so stark treffen wie den BMWO Flügel, der immerhin 30 Meter höher war. Aber die Teams werden sich Konstruktionen ausdenken, wie Extremsituationen gemeistert werden können.

Jugend America´s Cup: Er soll 2012 stattfinden mit den AC 45 Katamaranen, die dann laut Protokoll von den Cup-Teams auf den Markt geworfen werden müssen. Das Alterslimit ist noch nicht festgelegt. Coutts sagt, die Überlegungen sehen U22 oder U25 Teams vor.

Der Jugend AC soll mit Nationalmannschaften ausgesegelt werden, die Coutts eigentlich auch bei dem großen Cup für wünschenswert aber noch nicht umsetzbar hält. Zu wenige Länder weisen genügend Know How auf, um wettbewerbsfähig zu sein. Es soll aber ein erster Schritt sein, um in Zukunft auch die Nationenregel wieder in den Cup einzugliedern.

Two boat Testing: Jedes Team darf 2012 ein neues Boot bauen und 2013 ein weiteres. Also könnte ein Team erst 2013  inhouse Tests absolvieren.

AC-45 Welt Serie: BMW Oracle konstruiert die One-Design Katamarane mit Flügelrigg, mit denen ab Juni 2011 die America’s Cup World Series ausgetragen wird. Der Prototyp entsteht zur Zeit in Neuseeland und soll im Dezember erstmals segeln. Dadurch wird der Wissensvorsprung gegenüber anderen Teams natürlich auch nicht gerade kleiner.

2011 sind drei Events geplant, 2012 sieben, 2013 drei. Bis März 2012 sollen die AC-45 Kats im Einsatz sein, danach sollen die 72 Fußer segeln.

Kosten Reduktion: Coutts spricht davon, dass die Kosten im Vergleich zu einer Monohull Kampagne um 20 Prozent geringer sein sollen. Der bestätigt, dass der besonders bei den Personalkosten gespart wird, die normalerweise 50 bis 60 Prozent des Budgets betragen. Die Crewstärke von 11 im Vergleich zu 17 beim 32. Cup entstehe eine Ersparnis.

Auch der Transport der 72 Fuß Katamarane in einem Boing 747 Transporter sei deutlich günstiger. Coutts führt auch den geringeren Bedarf an Segelmaterial an. Ein Flügel nutze sich im Gegensatz zu Segeltuch nicht ab.

Budget: Ein großes Team könne erneut 100 Millionen Euro ausgeben, sagt Coutts und hat wohl die Kosten für sein eigenes Syndikat im Hinterkopf. Er betont aber, dass man auch mit 40 Millionen Euro konkurrenzfähig sein kann. Dean Barker vom Team New Zealand sagt aber schon, dass ihre Rechnungen keine wesentliche Kostenreduktion ergeben hätten.

Veranstaltungsort: San Francisco habe weiterhin gute Chancen. Man stehe in engen Verhandlungen. Aber es gebe auch sehr interessante europäische Wettbewerber, die man nicht nennen könne. Der Katamaran mache durch den geringen Tiefgang und seinen großen Einsatzbereich aber deutlich mehr Standorte möglich.

Teilnehmer: Coutts glaubt, dass mindestens acht Teams am Start sein werden. Aber es können auch deutlich mehr sein, weil die Chancen für neue Teams mit dem neuen Boot und Format deutlich gestiegen sind. „Für ein Monohull-Event würden wir sicher weniger Teams an die Startlinie bekommen.“

Match Race: Coutts zieht nicht in Zweifel, dass die Optionen einer Wende bei einem Multihull deutlich limitiert sind. Aber dennoch ist er davon überzeugt, dass eine Führungsposition viel schlechter verteidigt werden kann. Als Beispiel nennt er das Überholmanöver beim 33. Cup an der Luvtonne im zweiten Rennen. Alinghi gelang es nicht, trotz besserer Position die Führung zu behalten.

Besonders bei der Ansteuerung einer Marke gebe es mehr taktische Optionen. Wenn ein Boot nicht im optimalen Winkel zum Wind gefahren werden könne, hole das andere Boot stark auf. Er wiederholt seine Ansicht, dass die erste Kreuz verkürzt werden müsse, um den Vorteil eines guten Starts zu verringern. Daraus folgt, dass nur eine bis zwei Wenden auf der Startkreuz erfolgen werden.

Es bestehe auch die Möglichkeit vor dem Wind zu starten. Das werde man noch ausprobieren. Sicher ist, dass es vor dem Wind mehr taktische Optionen geben wird als beim Kreuzen.

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Carsten Kemmling

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