Axel Strauss beendet Route du Rhum mit “Tzu Hang” auf Rang 13

"Erst einmal chillen..."

Von Axel Strauss

Ich sitze hier in einem schönen kleinen Hotel weit außerhalb des Trubels der Marina. Frühstück mit frischem Brot , frischen Früchten und Kaffee ist hinter mir. Ebenso eine recht ausgeprägte Schlafphase. Ich habe geschlafen wie ein Stein…

Am späten Abend des 19. bin ich unter Spi auf Backbordbug im Norden von Guadeloupe angekommen, Pete Goss mit einem guten Abstand im Osten, aber rotes Navigationslicht auf Steuerbord, Marc Lepesqueux der von Norden herunterzog und dann auf einen Parallelkurs gehalst ist, 200 Meter auf meiner Steuerbordseite. Dieser Sack hatte es also doch geschafft …

"Tzu Hang" kurz vor dem Zieleinlauf vor Guadeloupe © AFP/Route du Rhum

Die Stunden danach bis ins Ziel waren die Intensivsten des ganzen Rennens. Wir haben uns da nichts geschenkt. Beide unter Spi und vollem Groß, nahm der Wind langsam bis auf 20 knoten zu und wir sind einmal mit 2 Bootslängen seitlichem Abstand durch die mondhelle Nacht gesurft. Absolut einmalig.

Ich bin dann weggehalst, da ich dachte, dass wir zu nahe ans Ufer kommen, und unsere Windinformationen günstigeren Wind in einer Distanz von 2 Meilen zum Ufer versprachen. Die Westseite der Insel war als windlos angekündigt, mit vereinzelten Kaltluftströmungen aus den Bergtälern und Rinnen der Insel. Man könne da eventuell ein paar Knoten erwarten, und sich durch die Flaute retten. Soweit die Theorie …

Das vom Wetter gegerbte Gesicht des deutschen Class40 Skippers. © AFP/Route du Rhum

Wir fanden uns mit Kaltluftböen von bis 30 knoten, und einem immer enger werdenden Windwinkel konfrontiert. Ich konnte noch irgendwie ein Reff ins Groß basteln, Großschot und Spischot ständig zum Fieren bereit, waren wir beide nicht bereit den Spi runterzunehmen und dem andern Terrain zu überlassen.

Das Vorschiff ständig unter Wasser segelten wir ziemlich “zügig” die Westküste hinunter. Marc hatte durch meinen Schlenker Offshore einen kleinen Vorsprung, und ich konnte immer gut sehen, wenn es ihn bei einer Bö flachlegte, und wusste, dass mir selbst in kurzer Zeit das gleiche blühte. Irgendwann ging es dann wirklich nicht mehr, und wir haben beide den Spi geborgen, und dann ging es über Trinquette, Solent, Gennaker, bei schwächer werdendem, und vorlich drehendem Wind zur Boje von Basse Terre.

Dort absolut schwachwindig, 2-3 knoten oder gar nichts, und wir krochen dahin. Kleiner Vorsprung von 300m für Marc, aber schlussendlich war er 10 Minuten früher im Wind im Les Saint Channel als ich. Solange habe ich für diese 300 Meter gebraucht.

Auf der Kreuz war dann nichts mehr zu holen, ich habe es weiter draußen versucht, weil ich wusste, dass der Wind da schön nach links dreht und man quasi gratis einen guten Winkel zum Ziel segeln kann (Lift), und Marc blieb näher am Ufer. Es blieb bei den knapp 10 min, und gegen Mittag beendete ich meine erste Route du Rhum als 13. von 44 gestarteten Teilnehmer.

Sophie war auf dem Zodiac des Empfangskomitees, die Jury von der FFV (Federacion Francaise Voile) kam an Bord um alles zu checken, und dann ging’s zum Welcome in den Stadthafen von Point a Pitre: Rum, Honig, Küsschen von netten Guadelouperinnen (?) , Muschelschalen mit Früchten, und ein großes Glas Ti Punch (Rum pur mit Zucker und Zitrone) warteten auf mich. Dieser Ti Punch nach 24 Stunden ohne Schlaf, bei voller Sonne und 30 Grad, und wenig im Magen hat eine bemerkenswert schnelle und witzige Wirkung. Geht von der Zunge direkt in den Kopf …

War dann ein sehr lustiger Empfang in Folge, ich habe mit Freude gegen Marc “verloren”, und bin wirklich happy, hier zu sein und ein für mich gutes Rennen gesegelt zu haben. Es hätte mehr sein können, aber jeder ist für seine Fehler selbst verantwortlich, und insofern ist das Ergebnis absolut korrekt.

Jetzt erstmal Boot ausräumen, Segel trocknen, Klamotten waschen, Kräfte tanken und ein bisschen chillen.

Die Ergebnisse

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Carsten Kemmling

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