Extreme Sailing Series: Barker stark, Ainslie schwach – Entscheidung im letzten Rennen

Spannend bis zum Schluss

Highlights:

Die Extreme Sailing Series hat im Oman ihren Status als zurzeit führende internationale Profi-Segelveranstaltung bestätigt und einen echten Thriller abgeliefert.

Oman, Segeln

Die Extreme Sailing Series im Oman. © Lloyd Images

Die Teilnahme der neuen potenziellen America’s Cup Teams bei der Extreme Sailing Series hat die Veranstaltung wie erwartet auf ein neues sportliches Niveau gehoben. Die zehnminütigen Rennen der zweiten Etappe im Oman waren so eng, dass nach 28 Läufen selbst vor dem doppelt zählenden Finale noch vier Teams gewinnen konnten. Sie lagen nur vier Punkte auseinander.

Dabei war am Ende das dänische SAP Team um Steuermann Jes Gram Hansen besonders enttäuscht, als es zum ersten Mal während der Rennserie aus den Top drei auf Rang vier abrutschte. Dennoch haben die Dänen, die sich mit den jungen Match Racern Peter Wibroe und Nicolai Sehested verstärkten, die positivste Entwicklung aller elf Teams.

Extreme Sailing Series

Illustres Feld. Besonders die Dänen mit SAP segelten stark. © Lloyd Images

Ainslie enttäuschend

Die größte Enttäuschung war Ben Ainslie, der mit seinem J.P. Morgan BAR Team nur auf Rang neun landete. Nach einem schwachen Start kam der Superstar Mitte der Serie besser in Schwung und schob sich mit drei Siegen in Schlagdistanz zum Podium. Aber am letzten Tag lief es bei stärkerem Wind nicht mehr. Und ein Problem it der Großschot-Hydraulik ließ ihn die letzten beiden Rennen verpassen.

Ainslie erklärt, dass es für sie als Neulinge in der Klasse schwierig sei, zu trainieren, da die Schiffe lange Zeit in Containern unterwegs sind zum nächsten Etappenort. “Wir müssen wärhend der Serie Dinge ausprobieren, und das macht die Sache zu einer großen Herausforderung.”

Ben Ainslie

Ben Ainslie kommt bei der Extreme Sailing Series schwer in Schwung. © Lloyd Images

Mit acht Siegen lag Alinghi mit Abstand am häufigsten ganz vorne, aber dennoch reichte es nur knapp zu Platz drei. Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass auch bei den Starkwindrennen Anna Tunnicliffe den physisch härtesten Job des Gennaker-Setzens ausführte. Die sicher stärkste und vielleicht beste Seglerin der Welt, die ihre olympische Karriere inzwischen beendet hat, absolvierte zwischendurch auch noch einen Qualifikations Wettkampf für die nächsten CrossFit Games an der Rudermaschine.

Chancenlos blieb nur das junge australische America’s Cup Team mit Seve Jarvin an der Pinne, der vor einer Woche gerade erst mit der JJ Giltinan Trophy die wichtigste 18 Footer Regatta der Welt überlegen gewonnen hatte. Mitte der Serie übernahm Peter Gilmours Sohn David die Pinne und konnte für Achtungserfolge sorgen.

Enttäuschend für deutsche Fans war wieder einmal die Tatsache, dass die Rennen wegen Youtube Rechteproblemen nicht in Deutschland verfolgt werden konnten. Hier ist die Übertragung des Finaltages zu sehen:

Die Pressemitteilung:

Bei drückender Hitze ist am Samstag die Entscheidung im zweiten Act der Extreme Sailing Series™ 2014 in Maskat/Oman gefallen. Auf der arabischen Halbinsel blieb es bei 20 Knoten Wind, der in Böen bis auf 26 Knoten auffrischte, bis zum Schluss äußerst spannend.

Ben Ainslie, Optimist

Ben Ainslie segelte mit Omani Kindern Optimist. © Lloyd Images

Vor der doppelt zählenden letzten Wettfahrt hatten noch vier Mannschaften Aussichten auf den Sieg. Die führenden Teams lagen nur vier Punkte auseinander, und 20 Punkte waren noch zu gewinnen. Einen Fehler durfte sich da kein Team leisten.

Der Titelverteidiger The Wave, Muscat meldete bei seinem Heimspiel schon beim Startschuss seinen Anspruch auf den Sieg an. Ein aggressiver Start brachte dem Team die Führung, die Leigh McMillan, Sarah Ayton, Pete Greenhalgh, Kinley Fowler und Nasser Al Mashari dann auch nicht mehr aus der Hand gaben.

Sie gingen schließlich vor den Kiwis, den Schweizern und dem dänischen Team über die Ziellinie und schafften damit nicht nur den Sieg bei diesem Act, sondern übernahmen auch die Führung in der Gesamtwertung nach zwei Acts.

„Es war ein sehr enges Rennen, und wir durften zu keinem Zeitpunkt nachlassen“, sagte der glückliche Sieger McMillan nach Abschluss der Rennen. „Heute mussten wir wirklich alles geben und über uns hinauswachsen. Ich habe das Segeln, den Kampf und die engen Situationen sehr genossen. Es ist letztlich alles gut für uns gelaufen. Als der Wind auffrischte, war es einfach ein fantastisches Segeln bei perfekten Bedingungen für die Extreme 40s.“

Extreme Sailing Series

Am letzten Tag sorgte der auffrischende Wind für Traumbedingungen und besonders die Russen segelten stark. © Lloyd Images

Die Rennen heute wurden vor allem durch Kraft und Einsatz entschieden. Die Teams, die unter der Woche bei leichten Winden gesegelt waren, mussten sich komplett umstellen. Die Flotte von elf Extreme 40s mit 55 Top-Seglern an Bord donnerte über die Startlinie und kreuzte mit hoher Geschwindigkeit zur Luv-Wendemarke. Anschließend ging es unter Gennaker bei maximaler Power und hohem Tempo vor dem Wind weiter.

Zu den Mannschaften, die mit diesen Bedingungen hervorragend zurechtkamen, zählte Emirates Team New Zealand, das zwei Wettfahrten gewann und mit einem dritten Platz im abschließenden Rennen auf den zweiten Platz bei Act 2 segelte. Das Ziel, sich von Platz vier beim Eröffnungs-Act in Singapur weiter nach vorn zu arbeiten, hatte Skipper Dean Barker damit geschafft:

„Wir wollten uns gegenüber Singapur verbessern, gut segeln und auf dem Siegertreppchen stehen. Das haben wir hier geschafft. Natürlich können wir uns noch deutlich verbessern. Aber die Jungs waren sehr positiv eingestellt und blieben auch ruhig, wenn es einmal nicht so lief. Wir hatten hier die Chance auf einen Podestplatz, und dass wir nun Zweite wurden, macht uns sehr glücklich.“

Das einheimische Team siegt im Oman mit dem Briten Leigh McMillan an der Pinne. © Lloyd Images

Das einheimische Team siegt im Oman mit dem Briten Leigh McMillan an der Pinne. © Lloyd Images

Das Team von Alinghi, das vor dem letzten Tag in Führung gelegen hatte, konnte zwar auch das erste Rennen des Finaltags gewinnen, seine Form aber dann doch nicht ganz halten. Ein vierter Platz in der letzten Wettfahrt bedeutete schließlich Platz drei für die Schweizer – einen Punkt hinter den Neuseeländern.

„Eigentlich sollten wir mit dieser Platzierung in einem derartig starken Feld zufrieden sein, aber wir sind doch enttäuscht, wie wir heute gesegelt sind. Wir müssen uns von Scharmützeln auf der Bahn fernhalten, und das ist uns heute nicht gelungen. The Wave, Muscat hat das besser gemacht, und man muss dem Team Respekt zollen. Sein Sieg war verdient“, sagte Alinghi-Steuermann Morgan Larson.

Die dänischen Match-Race-Experten vom SAP Extreme Sailing Team verpassten das Siegertreppchen nur äußerst knapp. Die Mannschaft lag im Tagesverlauf lange vorn, verhedderte sich dann aber im letzten Lauf im Mittelfeld und schaffte es nicht mehr, sich zu befreien. Der sechste Platz in diesem Rennen bedeutet Platz vier in der Gesamtwertung von Act 2.

Gegenüber Singapur, wo das Team Zehnter geworden war, bedeutete dies dennoch eine deutliche Steigerung. Co-Skipper Jes Gram-Hansen bewertete den Act abschließend so: „Natürlich sind wir ein bisschen enttäuscht, dass wir es nicht auf das Siegertreppchen geschafft haben. Wir sind eine tolle Regatta gesegelt, die bis ganz zum Schluss spannend blieb. Wenn ich zurückblicke denke ich, dass wir ganz ordentlich gesegelt sind, und das ist es, was wir von hier mitnehmen.

Heute war ein anspruchsvoller Tag mit viel Wind, dabei fehlte uns leider die Konstanz. Wir hatten auch ein paarmal Pech, sind aber insgesamt recht gut gesegelt. Ich denke, wir haben eine großartige Mannschaft, ein gutes Boot und auch die Grundgeschwindigkeit, um es mit den besten Teams in der Extreme Sailing Series aufnehmen zu können.“

Der russische Skipper von Gazprom Team Russia, Igor Lisovenko, hatte sich für den letzten Tag viel vorgenommen. Sein Team mit dem zweifachen Series-Sieger Paul Campbell-James am Steuer gab ordentlich Gas und kletterte auf dem Leaderboard immer höher. Eine Serie von guten Ergebnissen brachte schließlich Platz fünf in der Gesamtwertung – eine deutliche Steigerung gegenüber Platz acht in Singapur.

Campbell-James sagte: „Wir haben heute wieder eine Wettfahrt gewonnen und konnten beinahe auch die letzte Wettfahrt für uns entscheiden. Dann hat Leigh (McMIllan) es doch noch geschafft, auf dem zweiten Bein an uns vorbeizuziehen. Heute war der beste Renntag des Jahres, mit viel Wind. Im Mittelfeld ging es wirklich sehr aufregend zu, die Positionen auf dem Leaderboard wechselten ständig. Es hat echt Spaß gemacht.“

Realteam schloss die Veranstaltung auf Platz sechs ab, fünf Punkte hinter den Russen. Für die Saisonwertung bedeutete das Rang vier. Das Red Bull Sailing Team segelte in Maskat mit 145 Punkten auf Platz sieben, einen Punkt vor Groupama sailing team.

Für Ben Ainslies J.P. Morgan BAR hatte zu Beginn des letzten Tages ein Podestplatz noch in Reichweite gelegen. Die Briten kamen aber mit dem stetig zunehmenden Wind nicht gut zurecht. Ein Hydraulikproblem im vorletzten Rennen zwang sie dann sogar zur Aufgabe und ließ alle Träume von einem Podestplatz platzen.

Bei den schwierigen Bedingungen in Oman kämpften auch Oman Air und GAC Pindar vergebens um Konstanz. Beide Teams konnten ihr Leistungsvermögen aber zumindest andeuten und schafften im Verlauf der viertägigen Veranstaltung eine Reihe von Platzierungen in der oberen Hälfte des Feldes.

Maskat erlebte 29 beeindruckende, hart umkämpfte Rennen. Die Mannschaften haben jetzt knapp sechs Wochen Zeit, um ihre Leistungen zu analysieren und sich auf Act 3 (1. bis 4. Mai) der von Land Rover präsentierten Welttour 2014 einzustellen, der im chinesischen Qingdao auf einem der schwierigsten Segelreviere weltweit ausgetragen wird.

Ergebnisse EXSS Oman

 

Extreme Sailing Series™ 2014, Act 2 in Maskat, Gesamtwertung nach Tag 4, 29 Rennen (22.03.14)

Rang / Team / Punkte

1. The Wave, Muscat (OMA) Leigh McMillan, Sarah Ayton, Pete Greenhalgh, Kinley Fowler, Nasser Al Mashari 188 Punkte.

2. Emirates Team New Zealand (NZL) Dean Barker, Glenn Ashby, James Dagg, Jeremy Lomas, Edwin Delaat 180 Punkte.

3. Alinghi (SUI) Morgan Larson, Anna Tunnicliffe, Pierre-Yves Jorand, Nils Frei, Yves Detrey 179 Punkte.

4. SAP Extreme Sailing Team (DEN) Jes Gram-Hansen, Rasmus Køstner, Thierry Douillard, Peter Wibroe, Nicolai Sehested 176 Punkte.

5. Gazprom Team Russia (RUS) Igor Lisovenko, Paul Campbell-James, Alister Richardson, Pete Cumming, Aleksey Kulakov 158 Punkte.

6. Realteam by Realstone (SUI) Jérôme Clerc, Arnaud Psarofaghis, Bryan Mettraux, Thierry Wassem, Nils Palmieri 153 Punkte.

7. Red Bull Sailing Team (AUT) Roman Hagara, Hans-Peter Steinacher, Mark Bulkeley, Nick Blackman, Stewart Dodson 145 Punkte.

8. Groupama sailing team (FRA) Franck Cammas, Sophie de Turckheim, Tanguy Cariou, Thierry Fouchier, Devan Le Bihan 144 Punkte.

9. J.P. Morgan BAR (GBR) Ben Ainslie, Nick Hutton, Paul Goodison, Pippa Wilson, Matt Cornwell 137 Punkte.

10. Oman Air (OMA) Rob Greenhalgh, Tom Johnson, Will Howden, Hashim Al Rashdi, Musab Al Hadi 123 Punkte.

11. GAC Pindar (AUS) Seve Jarvin, Troy Tindill, Ed Smyth, Sam Newton, David Gilmour 94 Punkte.

 

Extreme Sailing Series™ 2014, Gesamtwertung (Saison)

Rang / Team / Punkte

1. The Wave, Muscat (OMA) 19 Punkte.

2. Alinghi (SUI) 18 Punkte.

3. Emirates Team New Zealand (NZL) 16 Punkte.

4. Realteam by Realstone (SUI) 13 Punkte.

5. Groupama sailing team (FRA) 9 Punkte.

6. Red Bull Sailing Team (AUT) 9 Punkte.

7. Gazprom Team Russia (RUS) 9 Punkte.

8. SAP Extreme Sailing Team (DEN) 8 Punkte.

9. J.P. Morgan BAR (GBR) 6 Punkte.

10. Oman Air (OMA) 3 Punkte.

11. GAC Pindar (AUS) 2 Punkte.

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Extreme Sailing Series: Barker stark, Ainslie schwach – Entscheidung im letzten Rennen“

  1. avatar Super-Spät-Segler sagt:

    Wie schon im letzten Jahr bin ich von der Übertragung maßlos enttäuscht!
    Es gibt immer noch nur zwei* Kameraperspektiven:
    – Extremes Zoom, auf dem man mit Glück ein ganzes, meist aber nur ein halbes Boot sieht.
    – Totale, in der man ein Knäuel Boote sieht, aber nicht erkennen kann wer vorn liegt bzw wer sich mit wem “duelliert”.

    Ich bin großer Katamaran-Fan. Erst recht, wenn eine steife Brise weht, aber diese Übertragungen kann ich keine fünf Minuten lang ertragen. Es ist eine Schande!

    Beispiel, gerade beim Überfliegen entdeckt: 52:55. Eine Vorfahrtssitiation, die durch den extremen Zoom kaputtgemacht wurde. Zum Heulen!

    * Ja, es gibt noch “onboard”. Wieder nur ein halbes Boot. Jeder Sonntagssegler auf nem Kat hat seine GoPro am Gennakerbaum und liefert spektakulärere Bilder als die Extreme Sailing Series.
    Und ‘nen “Tracker” gibt es auch. Nützt aber auch nichts, wenn die selbe Perspektive wie bei der nutzlosen Totalen gewählt wird (52:24)

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 1

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