Extremfahrt: Robin Knox-Johnston (81) fliegt mit Ben Ainslies America’s-Cup-Speedrakete

Ausflug eines Salzbuckels

Robin Knox-Johnston (81) hat vor 52 Jahren als erster Mensch alleine die Welt umsegelt. Er quälte sich 312 Tage mit einem Durchschnitt-Speed von vier Knoten. Nun segelte er 42 Knoten schnell.

Mit 81 Jahren noch mal richtig schnell segeln. © C Gregory / INEOS TEAM UK

Der Brite ist einer der bekanntesten Segler der Welt, wurde von der Queen zum Ritter geschlagen und hat sich auch in der Welt des Schnellsegelns einen Namen gemacht. Zusammen mit der neuseeländischen Segellegende Sir Peter schafft er 1994 die schnellste Weltumrundung in 74 Tagen. Aber diese neue Dimension, die er jetzt an Bord des britischen America’s Cuppers “Britannia” beim INEOS TEAM UK erlebte, war auch für den alten Salzbuckel überraschend.

Der Mann, der sich in den vergangenen Jahren insbesondere für sein Clipper Race, das Etappen-Rennen für Amateure um die Welt, engagierte, nahm eine Einladung von Ben Ainslie an. Er berichtet als einer der ersten AC75-Passagiere überhaupt von einem Ausflug mit einer solchen Speedrakete.

Salzbuckel um Flugmodus. © C Gregory / INEOS TEAM UK

Dabei beschreibt er zuerst die Schmerzen des Spritzwassers im Gesicht, als sich das luvwärtige Foil ins Wasser senkt, um ein Manöver einzuleiten. “Die Hochdruck-Wasserfontäne tat mehr weh als alles andere, was ich in den Roaring Forties erlebt habe.”

Auch die Beschleunigung machte Eindruck. Wie bei einem schnellen Auto. “Ohne Schutz und Festhalten wäre ich achtern aus dem Boot geschleudert worden. Das ist kein Segeln, wie wir es früher kannten. Die Geschwindigkeiten sind unglaublich. Ich bin in meiner Zeit schon einige schnelle Mehrrumpfboote gesegelt erreichte aber nie mehr als 32 Knoten.” Diesmal waren es 42 Knoten.

Die beiden “Sirs” Ainslie und Knox-Johnston unter sich © C Gregory / INEOS TEAM UK

Die G-Kräfte in den Manövern seien beträchtlich gewesen. “Nach einer Weile wurden mir meine schmerzenden Handknöchel bewusst. Sie wurden weiß, weil ich mich so sehr an einer Stange festklammern musste.”

Das Abheben des Rumpfes aus dem Wasser sei schnell, und mühelos erfolgt. Man habe versucht, ihm die Technik und das System dahinter zu erklären, aber es “hat wohl viel mit Schwarzer Magie zu tun”.

Knox Johnston erreicht mit dem Briten-Cupper 42 Knoten. © C Gregory / INEOS TEAM UK

Die Kommunikation, der er per Kopfhörer unter seinem Helm folgte, sei ein andauernder Redefluss gewesen. “Permanent wurden kleine Trimmanpassungen vorgenommen. Unglaublich, wie gekonnt die Crew mit dieser leistungsstarken und komplexen Maschine umging. Es ist vielleicht nicht die Art des Segelns, mit der ich aufgewachsen bin, aber es ist es sicherlich Segeln. Die Entwicklung unseres Sports hat ein noch höheres Niveau erreicht. Ich bin konvertiert und könnte mir nur wünschen, es wäre 50 Jahre früher passiert! Es war eine wunderbare und aufregende Erfahrung… ein denkwürdiger Tag. “

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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